Bauvorhaben

Geplante Hochhäuser am Spreeufer verärgern Anwohner

Drei neue Bauten sollen im Treptower Norden entstehen. Doch darüber freuen sich nicht alle Nachbarn in dem Berliner Kiez.

Foto: Pysall Architekten / Agromex

Für viele Mieter ist es nicht akzeptabel, dass vor ihren Wohnzimmern riesige Türme entstehen. „Was hier gebaut wird, sind Luxus-Eigentumswohnungen“, sagt Jürgen Starke von der Mieterinitiative aus den Häusern an Fanny-Zobel-Straße und Hoffmannstraße im Treptower Norden. Rund 280 Parteien wohnen dort. Die Pläne des Investors Agromex für das benachbarte Grundstück am Treptower Spreeufer sind am Mittwoch im Stadtplanungsausschuss von Treptow-Köpenick vorgestellt worden.

Mindestabstand nicht eingehalten

Zwei Wohntürme mit 110 Metern und 99 Metern Höhe sollen errichtet werden, außerdem ein Hotel. Die Neubauten entstehen unmittelbar an der Spree, zwischen den Treptowers und den Twintowers. Für die, die bereits in den 280 Wohnungen leben, „hat das definitiv Auswirkungen auf den Mietspiegel.“ Jetzt sei die Wohnlage eine einfache. Starke nimmt an, dass sie künftig als mittlere oder sogar als gehobene Lage eingestuft werde. Mieterin Genoveva Jabbusch befürchtet, dass der Mindestabstand der Wohntürme zu den Gebäuden dahinter nicht eingehalten ist. Dies wird sogar vom Stadtplanungsamt Treptow-Köpenick bestätigt. Man werde den verkürzten Abstand städtebaulich begründen, heißt es aus der Behörde. Die Anwohner könnten Einwände dagegen erheben. Denn die Planungsunterlagen werden öffentlich ausgelegt. Doch für Genoveva Jabbusch ist jetzt schon klar: „Ich bin gegen dieses Bauvorhaben.“

Ganz anders die Behörden und Architekturfachleute. Sie sind begeistert von den Plänen des Architekten Justus Pysall. „Ein Entwurf, der seinesgleichen sucht“, sagt Treptow-Köpenicks Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD). Pysall hatte den Architektenwettbewerb des Investors Agromex gewonnen. Eine Jury sprach ihm den ersten Platz zu. Der Entwurf habe „insgesamt und allen gefallen“, sagte Juryvorsitzende Ulrike Lauber, Professorin an der Berliner Beuth-Hochschule für Technik. Die Hochhäuser seien sehr subtil im Stadtraum gesetzt. Es sei ungewöhnlich, dass ein privater Investor einen Wettbewerb auslobe und sich den Richtlinien der Architektenkammer unterwerfe, sagte Lauber. Was die Experten rühmen: Es entstehen keine kompakten Bauten an der Spree, die die Sicht komplett versperren. Die Wohntürme sind schlank, die Grundfläche liegt höchstens bei 20 mal 20 Metern, im Sockelgeschoss sogar darunter. Der Uferweg wird von etwa sechs auf zehn Meter verbreitert. Das Grundstück an der Spree, das Agromex im vergangenen Jahr gekauft hat, ist etwa 7000 Quadratmeter groß. Den Plänen von Architekt Pysall zufolge werden nicht einmal 2000 Quadratmeter bebaut.

Der überwiegende Teil des Grundstücks wird eine Grünfläche sein, unter der ein Supermarkt gebaut wird und eine Tiefgarage mit 400 Stellplätzen. Gerühmt wird außerdem die abwechslungsreiche Erscheinung der Bauten. Die Wohntürme haben keine einheitliche Fassade, sondern wirken wie aus unterschiedlichen Schichten zusammengesetzt, auch wegen der umlaufenden Balkone und Terrassen. Die Fassade des Hotels setzt sich aus einer Vielzahl verschieden großer Fenster zusammen, die eine warme Tönung bekommen sollen. Das Gebäude wirke wie „ein Kristall an der Spree“, sagt Pysall. Diese Vorzüge wissen auch die Anwohner zu schätzen. Doch versöhnlich stimmt es sie nicht. „Natürlich ist der Entwurf einer Verbesserung gegenüber früheren Vorstellungen“, sagt Katja Schneider. Doch die 35 Jahre alte Treptowerin verweist auf den Bürgerentscheid in Friedrichshain-Kreuzberg, der sich gegen Hochhäuser am Spreeufer ausspricht: „Er ist leider in unserem Bezirk nicht gültig.“ Wenn man ihn hier durchführen würde, glaubt die Juristin, „dann hätten wir das gleiche Ergebnis.“ Die Mehrheit der Bevölkerung wünsche sich keine Spreeuferbebauung.

„Die Verdrängung wird verstärkt“

Die junge Frau erzählt, sie sei im vergangenen Jahr an die Fanny-Zobel-Straße gezogen. Noch gebe es eine gemischte Anwohnerstruktur. „Junge und Alte, gut und weniger gut Verdienende leben nebeneinander. Es ist eine friedliche und ruhige Gegend.“ Doch jetzt beobachte sie, wie sich die Mieterstruktur wandele.“ Nur noch junge Leute, die gut verdienen, zögen ein. Rentner könnten sich die Miete kaum noch leisten. „Diese Bebauung wird die Verdrängung noch verstärken.“ Die Bezirksverordneten von Treptow-Köpenick sollten die Interessen der Anwohner berücksichtigen, fordert Katja Schneider. „Sie dürfen keine Ermessensfehler machen.“ Die Interessen des Investors dürften nicht automatisch überwiegen. „Ansonsten werden wir klagen.“

Christian Schild, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der BVV, kündigte an: „Wir werden es uns nicht leicht machen mit der Entscheidung.“ Man werde eine Abwägung gemäß den rechtlichen Vorgaben durchführen. Die Agromex GmbH & Co KG hat zu Beginn der Woche den Antrag auf einen Bebauungsplan für das Vorhaben gestellt. Er wird jetzt im Bezirksamt geprüft. Auch der Senat wird über das Vorhaben informiert.