Sanierung

„Wir werden für das ICC kämpfen“

Die Basis der CDU will das Kongresszentrum sanieren. Doch bedingungslos steht der Senat nicht für das Vorhaben ein.

Foto: Soeren Stache / dpa

Christoph von Knobelsdorff (CDU) hat es nicht leicht. Wenn es um die Zukunft des ICC geht, gibt es auch für einen Wirtschaftsstaatssekretär kein Heimspiel. Die Teilnehmer des CDU-Forums Stadtentwicklung kritisierten am Sonnabend, dass ein Senat unter Beteiligung ihrer Partei nicht bedingungslos für die Sanierung des 33 Jahre alten Kongresszentrums einsteht. „Der Ball liegt bei der Politik“, sagte Knobelsdorff, „sie muss entscheiden, was uns die Sanierung des ICC wert ist.“

ICC-Architektin Ursula Schüler-Witte bezweifelte die in einer Bedarfsanalyse ermittelten Sanierungskosten von 328 Millionen Euro. Bis November sei noch von 182 Millionen ausgegangen worden, sagte die Architektin. Die Erhöhung um 80 Prozent sei „völlig unglaubwürdig“, die Summe „politisch motiviert“, um die Sanierung zu verhindern. Auch die angebliche Asbestbelastung entspreche „nicht der Wahrheit“, sagte Schüler-Witte.

Sanierug für 328 Millionen Euro

Knobelsdorff musste sich auf neueste Gutachten stützen. In einem stehe, dass es 1000 Asbest-Schadstoffstellen gebe und man das Haus deshalb Ende 2013 vom Netz nehmen müsse. Die 328 Millionen benötige man, um das ICC wieder „technisch neuwertig“ herzurichten, ohne es umzubauen, sagte der Staatssekretär. Er verteidigte auch die Messegesellschaft, der viele im Saal vorwarfen, das ICC systematisch schlechtzureden. So wolle man den Koloss loswerden und stattdessen neue, funktionale und im Betrieb billigere Kongressbauten errichten.

Die Messe müsse ein „extrem teures Messegelände“ bewirtschaften, warb Knobelsdorff um Verständnis. Das leiste sie mit großem Erfolg. Der Zuschuss des Landes von bisher 14 und künftig noch zehn Millionen Euro pro Jahr decke die hohen Ausgaben nicht. Die Kosten für Sanierung und Instandhaltung seien „um ein Vielfaches“ höher. Aber das ICC sei ein „gutes Kongresszentrum“, auch wenn man es heute nicht mehr so bauen würde. Im neuen CityCube auf dem Platz der früheren Deutschlandhalle könnten alle im ICC geplanten Kongresse während der Bauzeit stattfinden. Das Gebäude habe die Messe mit 76 Millionen selbst finanziert. Die Summe stehe nun neben den 328 Millionen für das ICC, sagte Knobelsdorff.

„In seiner Hässlichkeit etwas Tolles“

Der frühere ICC-Verantwortliche, Matthias Fuchs, sagte, wenn man die 300 Millionen Euro auf die 30 Jahre umrechne, in denen das ICC wieder nutzbar sei, sei die Summe gar nicht so groß. CDU-Fraktionsvize Stefan Evers versicherte: „Wir werden für das ICC kämpfen.“ Wobei auch er weiß, dass in der CDU-Fraktion die Unterstützung für das ICC abgenommen hat. Die Vorsitzende des Landesdenkmalrates, Kerstin Wittmann-Englert, warb dafür, das ICC als „baukulturelle Visitenkarte“ und „authentisches Zeugnis einer Epoche“ zu erhalten. Eine Zuhörerin meinte, das ICC sei „in seiner Hässlichkeit etwas ganz Tolles“. Ein anderer sagte: „Wir müssen begreifen, dass das Leben in Denkmalen teurer ist als in einer Kiste.“