Schulessen

Berliner Bildungssenatorin setzt auf Qualitätskontrollen

Im Interview spricht Sandra Scheeres über Qualität und Preise des Schulessens und fordert ein einheitliches Vorgehen der Bezirke.

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Das Thema Schulessen beschäftigt schon lange Eltern, Kinder, Lehrer und Schulleiter. Viele Eltern haben sich in der Vergangenheit über die schlechte Qualität des Mittagessens beschwert, das an den Schulen angeboten wird. Verschiedene Caterer machten daraufhin deutlich, dass sie für das zur Verfügung stehende Geld kein besseres Essen zubereiten können. Einige boykottierten sogar die Ausschreibungsverfahren der Bezirke. In Friedrichshain-Kreuzberg etwa standen etliche Grundschulen vor den Sommerferien ohne Caterer da. Die Bildungsverwaltung verwies auf eine Studie, die sie im September vergangenen Jahres bei der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg in Auftrag geben hatte. Ziel war es, herauszufinden, mit welchen Preisen ein hochwertiges Mittagessen für die Schüler realisiert werden kann. Seit Donnerstag liegen nun die Ergebnisse dieser Studie vor. Morgenpost Online sprach darüber mit Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Morgenpost Online: Frau Scheeres, die Macher der Studie bestätigen, dass die Durchschnittspreise in der Berliner Schulverpflegung zu niedrig sind. Sie schlagen für Grundschulen einen Preis von 3,17 Euro bis 3,36 Euro vor. Das ist mindestens ein Euro mehr, als bisher veranschlagt worden ist. An Gymnasien und Sekundarschulen soll für das Essen etwa doppelt so viel ausgegeben werden wie bisher. Was sagen Sie zu diesem Ergebnis?

Sandra Scheeres: Ich begrüße es, dass es zum ersten Mal eine bundesweite Studie zu diesem Thema gibt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind für uns eine gute Diskussionsgrundlage, um Vertragsinhalte, Qualitätsstandards sowie Kosten in den Blick zu nehmen. Doch bevor wir über Geld reden, muss es zunächst eine Qualitätsdebatte geben. Die fängt für mich bei den Ausschreibungen an. Ich plädiere dafür, dass die Bezirke hier einheitlich vorgehen. Das ist bisher nicht der Fall. Wichtig ist auch, dass die Qualität des Essens ständig kontrolliert wird. Auch das war bisher nicht der Fall. Die wesentliche Frage ist doch: Wie können wir gewährleisten, dass mögliche Mehrausgaben für das Essen auch tatsächlich bei den Kindern ankommen?

Morgenpost Online: Bleiben wir trotzdem beim Geld. Halten Sie die angegebenen Preise denn überhaupt für realistisch?

Scheeres: Es werden Durchschnittspreise und Preisspannen genannt. Fest steht, dass es bei der Preiskalkulation noch einige Handlungsmöglichkeiten gibt. So ist nicht einzusehen, dass die Caterer eine Umsatzsteuer von 19 Prozent für Essensportionen anstatt sieben Prozent, wie es bei verzehrfertigen Speisen üblich ist, entrichten müssen, was sich ja auf den Preis auswirkt. Wir werden prüfen, ob da eine Bundesratsinitiative möglich ist. Außerdem sind Investitionskosten in die Preiskalkulationen eingeflossen, die nicht für alle Schulen gelten. An einigen Schulen müssen die Caterer zum Beispiel Stühle und Tische mitbringen. Das sind zusätzliche Kosten, die aber an vielen anderen Schulen nicht anfallen, weil dort das nötige Inventar bereits vorhanden ist. Das Gleiche gilt für die Küchenausstattung. Aber ich sage noch einmal, zunächst müssen wir uns um die Ausschreibungen und die Qualitätskontrolle kümmern.

Morgenpost Online: Was meinen Sie, wenn Sie von einheitlichen Ausschreibungen sprechen?

Scheeres: Bisher geht jeder Bezirk bei der Suche nach Essensanbietern unterschiedlich vor. Das müssen wir ändern. Die Ausschreibungen sollten alle die gleichen Leistungen von den Caterern abverlangen, zum Beispiel eine gewisse Qualität des Essens festschreiben sowie eine feste Quote, die für die Lebensmittel ausgegeben werden muss. In den Verträgen, die die Schulen dann mit einem Caterer abschließen, muss zudem festgehalten werden, wie die Qualität des Essens überprüft wird und was passiert, wenn die vereinbarte Qualität nicht eingehalten wird. Wir haben in Berlin die Strukturen, in denen neue Ansätze besprochen werden können – das setzt voraus, dass sich die Entscheidungsträger an einen Tisch setzen. Auch die Eltern müssen stärker in die Aushandlungsprozesse einbezogen werden, zum Beispiel durch die sehr aktive AG Schulessen des Landeselternausschusses.

Morgenpost Online: Stichwort Qualitätskontrolle. Planen Sie, in der Verwaltung eine zentrale Kontrollinstanz einzuführen, die die Qualität des Schulessens in Abständen überprüft?

Scheeres: Ich setze auf unterschiedliche Kontrollen vor Ort durch Lehrer, Schüler und Eltern. Anbieter könnten zum Beispiel ein internes Qualitätsmanagement nachweisen müssen. Aber ich bin auch im Gespräch mit der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz, inwieweit es möglich ist, stichprobenartige Qualitätskontrollen in den Betrieben der Caterer und in den Schulen durchzuführen.

Morgenpost Online: Die Umsetzung Ihrer Vorschläge braucht Zeit. Die Eltern wollen aber so schnell wie möglich ein gutes Mittagessen für ihre Kinder. Was ist zu tun?

Scheeres: Der Wunsch der Eltern ist verständlich. Wir wollen deshalb an mehreren Schulen eines Bezirks einen Modellversuch starten. Diese Schulen sollen mit einer einheitlichen Ausschreibung nach einem Caterer suchen und sich abstimmen, was die Qualitätskontrolle betrifft. Bei der Beurteilung des Essens könnten dann Eltern, Schüler und Lehrer mit den Schulträgern aktiv zusammenarbeiten. Ein derartiger Modellversuch wäre für Berlin neu. Und ich freue mich, dass die AOK Nordost bereits ihre Unterstützung signalisiert hat.