Schulmensen

Berliner Schulen finden keinen Caterer fürs Mittagessen

An der Ausschreibung für das Schulessen zeigen die Anbieter wenig Interesse. Für 2,10 Euro pro Gericht sei Qualität nicht möglich.

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Die ohnehin schwierige Situation der Schulmensen in Friedrichshain-Kreuzberg spitzt sich weiter zu. Der Bezirk hat, wie einige andere Bezirke auch, für das kommende Schuljahr das Schulessen an 21 Grundschulen neu ausgeschrieben. Für fünf Schulen fand sich dabei allerdings kein Anbieter.

Insgesamt hat es nach Angaben des Bezirks nur zwei Caterer gegeben, die sich an der Ausschreibung beteiligt haben. Die sieben großen Berliner Schulcaterer waren nicht dabei. Heiko Höfer vom größten Anbieter Sodexo, nannte den Grund dafür: „Bei dem durch den Bezirk vorgeschriebenen Preis von 2,10 Euro pro Schulessen müssten die Caterer entweder zuzahlen oder Abstriche bei der Qualität machen“, sagte er. Den Vorwurf, die großen Anbieter für Schulessen, die sich im März zu einem Verband zusammengeschlossen haben, wollten das Land Berlin erpressen, wies Höfer entschieden zurück.

Zentrale Qualitätskontrolle

Der Verband, dessen Mitgliedsfirmen derzeit mehr als 90 Prozent der Schulessen in Berlin liefern, hofft indes, möglichst schnell mit Bezirksvertretern und dem Senat ins Gespräch zu kommen, um eine Lösung zu finden. „Im kommenden Schuljahr könnte sich die Situation sonst weiter verschärfen, denn dann müssen weitere Bezirke das Schulessen an Grundschulen neu ausschreiben“, sagt Rolf Hoppe, Geschäftsführer des Caterers Luna und Vorsitzender des Verbandes.

Auch der Landeselternausschuss fordert dringend eine Lösung. Da sich an der Mehrheit der Schulen in Friedrichshain-Kreuzberg sogar nur ein Caterer beworben habe, werde das Mitbestimmungsrecht der Eltern bei der Essensversorgung ad absurdum geführt, heißt es in einer Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Schulessen. „Der Portionspreis für die Mittagessensversorgung an Grundschulen muss vom Land Berlin endlich so festgelegt werden, dass eine standardgemäße Essensqualität gewährleistet werden kann“, sagt Erika Takano-Forck vom Landeselternausschuss. Zudem müsse es eine zentrale Qualitätskontrolle für das Schulessen geben.

Mittagessen vorerst gesichert

Das fordert auch Peter Beckers (SPD), Schulstadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg. Die Zuschüsse vom Land an die Bezirke seien zu gering. Schon bei einem Preis von 2,10 Euro müsse der Bezirk 300.000 Euro zuzahlen. Dieses Geld fehle dann an anderen Stellen. Im September wollen die Stadträte mit Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) über das Problem verhandeln. Dann soll auch eine Studie vorliegen, die die Senatsbildungsverwaltung in Auftrag gegeben hat. Darin sollen die Kosten- und Preisstruktur für das Schulessen in Berlin analysiert werden.

Derzeit gehen vom Land nur 1,97 Euro pro Essen in die Haushalte der Bezirke. Davon sind 1,45 Euro Elternbeiträge. Die Beiträge, die die Eltern auch für die Ferientage bezahlen, in denen die Kinder keine Mahlzeit in der Schule erhalten, werden in den Bezirkshaushalten verrechnet. Auch Bundesgelder fließen über das Bildungspaket in das Schulessen. Das Finanzierungssystem sei schwer zu durchschauen, kritisieren Caterer, Eltern und Bezirksvertreter.

Für die Schulen in Friedrichshain-Kreuzberg, die jetzt ohne Lieferanten von Mahlzeiten dastehen, soll es für das neue Schuljahr Einzelfalllösungen geben. Das mangelnde Interesse der Caterer liege wohl auch daran, dass es vergleichweise wenige Schüler gibt, die an der Schulspeisung teilnehmen, heißt es im Bezirksamt. Neuausschreibungen seien nicht vorgesehen. „Vorstellbar ist, dass die Kinder in einer Nachbarschule mitversorgt werden“, sagt Schulstadtrat Beckers. Auf jeden Fall bekämen die Grundschüler auch im kommenden Schuljahr ein Mittagessen, stellt der Schulstadtrat klar.

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