Ausstellung

Deutsches Technikmuseum in Berlin öffnet sein Depot

An allen Sonntagen im September ist der Eintritt ins Museumsdepot frei. Dort hat jedes Gefährt eine Geschichte zu erzählen.

„Jedes Fahrzeug erzählt eine eigene Geschichte“, sagt Ulrich Kubisch, der Leiter der Abteilung Straßenverkehr des Deutschen Technikmuseums Berlin, als er die Türen des Depots an der Monumentenstraße aufschließt. Dicht an dicht stehen sie hier: Autos, Busse, Fuhrwerke. Sogar eine Sammlung alter Berliner Straßenbahn-Züge beherbergt das Deutsche Technikmuseum.

Nur ein kleiner Teil der automobilen Raritäten ist seit Mai 2011 in der Dauerausstellung „Mensch in Fahrt“ in der alten Ladestraße des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs zu sehen. Der größte Teil bleibt den Museumsbesuchern gewöhnlich verborgen. Doch damit ist jetzt für ein paar Tage Schluss.

An allen Sonntagen im September öffnen sich die Pforten des Museumsdepots in der Monumentenstraße für Besucher. Die Abdeckungen werden heruntergezogen, die Karosserien poliert, und plötzlich erstrahlen die Fahrzeuge beinahe wieder im Glanz längst vergangener Tage.

Filme aus dem Kleinlaster

Es ist kein Geheimnis, dass viele Schätze eines Museums oft in den Depots und Kellern verborgen liegen. Dort ruhen sie unter Tüchern oder in Kartons, manchmal zu zerbrechlich, um der Öffentlichkeit gezeigt zu werden. Meistens fehlt aber schlichtweg der Platz. Auch das Technikmuseum hat eine große Sammlung an beeindruckenden historischen Automobilen, Bussen, Bahnen, Dampfmaschinen, Fahrrädern, Motorrädern und vielem mehr, die gut geschützt vor sich hin schlummern.

Ulrich Kubisch, der seit über 30 Jahren im Museum arbeitet, ist stolz auf diese Sammlung und kann zu fast jedem der Ausstellungsstücke etwas erzählen. „In diesem Kleinlaster versteckt sich zum Beispiel eine komplett funktionstüchtige Filmprojektionsanlage“, sagt er und zeigt auf einen recht unscheinbaren blauen Lkw, Baujahr 1966, der Marke Industrieverband Fahrzeugbau (IFA). Der Transporter wurde zu DDR-Zeiten vom DEFA Landfilm eingesetzt, um Filmvorführungen an Orten möglich zu machen, in denen es keine Kinos gab.

Nach der Wende ging das Fahrzeug dann zunächst in den Besitz des Filmmuseums Potsdam über, bis es schließlich vor fünf Jahren in die Sammlung des Technikmuseums kam. Hier soll es in Zukunft wieder für Filmvorführungen genutzt werden. Kubisch hat dafür schon Pläne: „Wir wollen Filmnächte veranstalten, zum Beispiel die lange Nacht des Taxifilms.“

Auch die Geschichte des Berliner Nahverkehrs lässt sich im Depot ganz genau verfolgen – in verschiedenen Stufen des technischen Fortschritts. Vom einfachen Pferdefuhrwerk, das um 1900 in Gebrauch war, zu den charakteristischen Berliner Schnauzenbussen der Marke Büssing der 1910er-, 20er- und 30er-Jahre. Im Jahr 1916 etwa waren die Busse zwar schon motorbetrieben, dafür saß der Fahrer aber noch im Freien. „Im Winter wurde das ganz schön kalt – da mussten sich die Fahrer dicke Filzpantoffeln anziehen“, erzählt Kubisch. Den Fahrgästen ging es da nicht unbedingt besser: War der Innenraum voll besetzt, mussten sie auf harten Holzbänken auf dem Dach des Busses Platz nehmen. Ein wenig erinnert das an die heutigen Sightseeingbusse.

Königliche Karosse

Die Sammlung des Technikmuseums beschränkt sich nicht allein auf Transportmittel deutscher Herstellung. „Wir haben Fahrzeuge aus den USA, Frankreich, Russland, Italien, Großbritannien und vielen anderen Ländern“, sagt der Abteilungsleiter. Hierzu gehört zum Beispiel ein leuchtend roter Cadillac, zwischen 1959 und 1963 gebaut und mit seinen 350 PS und 185 Kilometer pro Stunde Höchstgeschwindigkeit ein klassischer Sportwagen, der dem Museum 1984 von einem Amerikaner geschenkt wurde.

Oder die beige-braune Luxuslimousine von Queen Mum, ein britischer Daimler, der in den 50er-Jahren zum Fuhrpark des Buckingham Palace gehörte.

Zu den wohl bekanntesten Autos der Sammlung gehören die beiden Jagdwagen Erich Honeckers. Einer der beiden – im Inventarverzeichnis des Museums als „Jagd-Genosse“ geführt – ist ein dunkelgrüner Range Rover. Im Jahr 1984 wurde er von der Karosseriebaufirma Rometsch in West-Berlin für etwa 200.000 Mark luxuriös umgebaut. „Das Fahrzeug wurde nach hinten um 50 Zentimeter verlängert und mit einem hydraulisch aufklappbaren Verdeck von Rolls-Royce ausgestattet“, sagt Kubisch. „Das war technisch kein ganz leichtes Unterfangen, da hierfür zum Beispiel die Bremsleitungen erneuert werden mussten.“

Damit der West-Luxus bei den Jagdfahrten Honeckers in der Schorfheide nicht sofort sichtbar war, wurden die Firmenembleme abgenommen und sogar die Firmenbezeichnungen auf den Reifen abgeschliffen, was heute noch sichtbar ist. In den Besitz des Technikmuseums gelangte der Wagen 1991, als Geschenk der Bundesregierung in Bonn.

Auch wegen der Geschichten, die hinter den Exponaten stecken, freut sich Ulrich Kubisch auf die Besucher im September: „Die Vergangenheit wird lebendig, wenn man diese historischen Fahrzeuge sehen und anfassen kann und etwas über ihre Geschichte erfährt.“

Das Depot für Kommunalverkehr an der Monumentenstraße 15 öffnet an allen Septembersonntagen von 10 bis 18 Uhr seine Türen. Der Eintritt ist frei. Vom Deutschen Technikmuseum an der Trebbiner Straße 9 fahren historische Busse als Shuttle-Service zum Depot. Tickets dafür kosten 2 Euro.