Restaurantbau

Streit um Zukunft der Domäne Dahlem eskaliert

Weil der Förderverein die Pläne für den Restaurant-Neubau ablehnt, treten alle seine Vorstandsmitglieder zurück.

Foto: Peter E. Müller

Der Streit zwischen der Trägerstiftung und dem Förderverein der Domäne Dahlem über die Zukunft der Anlage und den geplanten Restaurant-Neubau eskaliert. Der komplette Vorstand der „Freunde der Domäne Dahlem“, die das Freilichtmuseum 1976 gegründet und zu einem ökologischen Erlebnis-Bauernhof ausgebaut hatten, ist zurückgetreten. Vereinsvorsitzender Stefan Schlede bestätigt, dass die Pläne, die offene Remise mit Glaswänden für einen ganzjährigen Restaurantbetrieb zu schließen, zum Bruch geführt haben.

„Wir waren von Anfang an gegen eine komplette und auch gegen eine teilweise Verglasung der Remise“, sagt Schlede. Damit gehe der Charakter des 800 Jahre alten ehemaligen Rittergutes verloren. Die offene Remise, wo sich jeder hinsetzen, picknicken oder unterstellen könne, trage entscheidend zur Aufenthaltsqualität bei, so Schlede. Als die Entscheidung trotz des Einspruchs des Fördervereins zum weiten Mal für den Neubau des Restaurants gefallen sei, habe der Vereinsvorstand die Konsequenzen gezogen. Museumsdirektor Peter Lummel bedauert den Rücktritt, will ihn aber nicht kommentieren. Das sei allein Sache des Vorstands. Er hoffe jetzt auf eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Vorstand, so der Museumsdirektor. Am 26. September soll die Neuwahl erfolgen.

Furcht vor Kommerzialisierung

Der Ausbau der Remise mitten auf dem gepflasterten Gutshof sorgt seit langem für Unruhe. Seit 2009 gehört die Domäne Dahlem nicht mehr zur Stiftung Stadtmuseum. Träger des nun selbstständigen Biohofs ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts, im Vorstand unter anderen Museumsdirektor Peter Lummel und der kaufmännische Direktor Manfred Salzmann. Derzeit wird die Domäne mit 350.000 Euro jährlich vom Land gefördert. Diese Förderung soll zurückgefahren werden, die Stiftung muss wirtschaftlicher arbeiten und die Einnahmen erhöhen.

Entscheidend dazu beitragen soll das Restaurant, das das ganze Jahr gehobene Erlebnisgastronomie anbieten wird. Geplant ist, die Remise zu verglasen und mit 80 Plätzen auszustatten. Die angebotenen Produkte sollen vom dahinter liegenden Feld kommen. Diese Idee wird von vielen Mitgliedern des Fördervereins nicht mitgetragen. Sie befürchten eine Kommerzialisierung der Domäne, ähnlich wie auf Schloss Diedersdorf oder dem Potsdamer Krongut Bornstedt. Anwohner kritisieren, dass der Lärm zunehmen werde. Außerdem gebe es bereits zwei Lokale mit großem Biergarten in Dahlem-Dorf.

Doch dies ist nicht der einzige Streitpunkt. Für Ärger sorgt auch ein Mehr-Generationen-Spielplatz mit Edelstahlgeräten, den der Stiftungsvorstand ohne Genehmigung vom Bezirksamt baute. Dabei steht die Domäne unter Denkmalschutz und ist in den Bauplänen als „Sondergebiet mit Zweckbindung landwirtschaftliches Museum“ ausgewiesen. Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) unterstellt den Verantwortlichen „einen gewissen Dilettantismus“. Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU) hat mittlerweile den Abbau der Geräte angeordnet. „Der Spielplatz wurde weder beantragt, noch ist er genehmigungsfähig“, sagt Schmidt. Dem Argument, dass er gut angenommen werde, hält er entgegen, dass auch ein Parkhaus auf der Domäne sofort angenommen würde. Er fürchtet einen schleichenden Kommerzialisierungsprozess: Erst der Spielplatz, dann die verglaste Remise und dann noch die Verlegung des Hofladens an die Königin-Luise-Straße. Auch das plant die Stiftung. „Dort, wo der Hofladen jetzt steht, passt er gut in das Ensemble“, sagt Schmidt.

Der Stiftungsvorstand sucht jetzt das Gespräch mit dem Bezirk. Er stehe „unter wahnsinnigen Zeitdruck“, sagt Peter Lummel. 1,9 Millionen Euro europäische Fördermittel müssen bis Jahresende ausgegeben werden, wenn es keinen Aufschub gibt. Bis Ende September wird die Stiftung ihre Vorhaben mit Bauamt und Ordnungsamt sowie den zuständigen Stadträten besprechen. Erst dann können die Baupläne eingereicht werden.