Tegel

Staatsanwaltschaft ermittelt nach schwerem S-Bahnunfall

Zwei Fahrdienstleiter, die am Tag des S-Bahnunfalls in Tegel Dienst hatten, sollen erneut vernommen werden. Auch Fahrgäste werden befragt.

Nach dem Zugunglück in Tegel hat die Berliner S-Bahn an diesem Sonnabend den Verkehr nach Hennigsdorf wieder aufgenommen. Seit Sonnabendmorgen 4 Uhr fahren die Züge der Linie S25 wieder regelmäßig zwischen Tegel und Hennigsdorf, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Morgen. Alle Schäden seien repariert.

Nach dem Unfall mit sechs Leichtverletzten hat die Staatsanwaltschaft inzwischen die Ermittlungen übernommen. Der Verdacht lautet auf „gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr“. Nördlich des Bahnhofs Tegel war am Dienstag eine S-Bahn entgleist, weil unter dem fahrenden Zug eine Weiche gestellt wurde. Zum Unfallzeitpunkt hatten zwei Bahn-Mitarbeiter im Stellwerk Tegel die Sicherheitstechnik gesteuert. Gewöhnlich arbeitet dort nur ein Fahrdienstleiter. Am Vortag hatte aber ein Blitzeinschlag Teile der automatischen Zugüberwachung beschädigt. Unter anderem soll dabei die sogenannte Gleisfreimeldeanlage ausgefallen sein, die den Mitarbeitern im Stellwerk anzeigt, ob sich im Streckenabschnitt zwischen zwei Signalen ein Zug befindet.

Haben die Stellwerker einen Fehler gemacht? Oder versagte die Technik nach dem Blitzschaden vom Vortag? Auf diese Fragen gibt es immer noch keine abschließende Antwort. „Im Mittelpunkt unserer Ermittlungen stehen die betrieblichen Abläufe und die Instandhaltung nach dem Blitzeinschlag“, sagte Moritz Huckebrink, Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA), am Freitag. Die Bundespolizei will in den kommenden Tagen erneut die beiden Fahrdienstleiter vernehmen, die am Dienstag im Stellwerk Tegel Dienst taten, wie Bundespolizeisprecher Meik Gauer bestätigte. In einer ersten Befragung unmittelbar nach dem Unglück hätten sie keine Angaben gemacht. Auch die etwa 50 Fahrgäste des Unglückszuges würden nun befragt, sagte Gauer.

Ein weiterer S-Bahnunfall wird hingegen keine Ermittlungen nach sich ziehen. Am Donnerstag war ein Zug der Linie S7 in Grunewald mit einem großen Ast kollidiert. Verletzt wurde dabei niemand, die Fahrgäste saßen aber fast zwei Stunden auf offener Strecke fest. Laut EBA-Sprecher Huckebrink gibt es keine Hinweise auf Unfallursachen, die „im Bereich des Eisenbahnbetriebes“ liegen.