Einen Tag nach dem S-Bahn-Unfall in Reinickendorf dauern die Aufräumarbeiten an. Zunächst müssten die Achsen der Bahn untersucht werden, um zu prüfen, ob sie fahrbereit ist, sagte ein Bahnsprecher am Mittwochmorgen. Ein Kran hatte die entgleisten Wagen wieder aufgerichtet. Sie sollen nun abtransportiert werden. Außerdem muss das beschädigte Gleis repariert werden. Teile der Linie S25 bleiben voraussichtlich noch bis Sonnabend gesperrt. Erst dann könnten die Bahnen zwischen den Haltestellen Tegel und Henningsdorf wieder fahren, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner am Mittwoch an der Unfallstelle. Die Strecke bis Tegel könne bereits am Donnerstag wieder geöffnet werden. Die Unglücksursache sei noch immer unklar.

Erschwert werden die Aufräumarbeiten durch einen Wassereinbruch im Stellwerk in Tegel. Die Weichen ließen sich nur per Hand stellen, fügte der Sprecher hinzu. Fahrgäste müssen auf dem betroffenen Abschnitt weiter auf Busse umsteigen.

Fahrgäste müssen ab Mittwoch zwischen den Bahnhöfen Schönholz und Hennigsdorf auf Busse umsteigen. Zwischen Gesundbrunnen und Hennigsdorf fahren keine Züge der S25, hier ist parallel aber die S1 im Einsatz. An der Unfallstelle wird nach Angaben der Bahn auch mit Hilfe eines Eisenbahnkrans aus Leipzig gearbeitet, der die entgleisten Wagen wieder auf die Gleise setzen soll. Wie stark die überfahrene Weiche beschädigt ist, werde noch geprüft. Reparaturarbeiten könnten auch an der Stromschiene erforderlich sein.

Die Bundespolizei leitete mittlerweile ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt ein. Ein Polizeisprecher sagte am Dienstagabend im rbb-Fernsehen, zwei Wagen des Unglückszugs seien an der Weiche auf ein stillgelegtes, totes Gleis gelenkt worden. Der Grund war zunächst unklar. Nach Angaben der Bundespolizei wurde die Spurensicherung am Unglücksort noch am Abend beendet und auch der Fahrtenschreiber des Zuges und technische Daten im zuständigen Stellwerk gesichert. Damit soll unter anderem geklärt werden, wie schnell der Zug unterwegs war, wann er gebremst wurde und welche Weichen gestellt wurden. Wann ein Untersuchungsergebnis vorliegt, sei noch unklar.

Ein Zug der S25 war am Dienstagvormittag an einer Weiche nahe dem S-Bahnhof Tegel entgleist. Fünf Passagiere kamen mit leichteren Blessuren wie Prellungen ins Krankenhaus. Der Zugführer erlitt einen Schock und musste ebenfalls versorgt werden. Die übrigen Fahrgäste wurden unverletzt in Sicherheit gebracht. Experten sprachen von einem relativ glimpflichen Ausgang des Unfalls.

Laut Bundespolizei entgleiste der Zug, als er eine Weichenanlage überfuhr. Ermittler schlossen nicht aus, dass sich in dem Moment die Weiche umgestellt haben könnte. An der Stelle fahren die Züge standardmäßig nur 40 Stundenkilometer, wie es bei der Bahn hieß.

„S-Bahn-Weiche in ganz schlechtem Zustand“

Mögliche Ursache des Berliner S-Bahnunglücks am Dienstag ist der schlechte Zustand der Weiche gewesen, die den Zug entgleisen ließ. Diese Auffassung vertrat der Leiter des Fachgebietes „Schienenverkehr“ an der Technischen Universität zu Berlin, Markus Hecht, am Mittwoch im Radioeins des RBB. „Wie das passieren konnte ist schleierhaft. Solche Weichen sind üblicherweise verschlossen. Die muss schon in einem ganz, ganz schlechtem Zustand gewesen sein, dass der Verschluss nicht gewirkt hat„, meinte Hecht.

Zur Unfall-Ursache erklärte Hecht, dass der Zug entgleiste, weil eine stillgelegte Weiche sich umstellte, als die Bahn über sie fuhr. Diese Weiche sei jedoch gar nicht an das Stellwerk angeschlossen gewesen. Zwei Waggons der S-Bahn-Linie S25 sind am Dienstagmittag entgleist. Dabei wurden sechs Menschen verletzt. Hecht sagte: „Zum Berufsverkehr oder zum Wochenendausflugsverkehr hätte das sehr, sehr viel schlimmer kommen können.“