Wieder Unfall

Umgestürzter Baum stoppt Berliner S-Bahn der Linie 7

Die Berliner S-Bahn kommt nicht aus den Schlagzeilen. Zwei Tage nach dem Entgleisen eines Zuges kracht es erneut.

Foto: DPA

Innerhalb dieser Woche ist es bei der S-Bahn bereits zum zweiten Mal zu einem Unfall gekommen. Am Donnerstagvormittag fuhr ein Zug der Linie S7 in Charlottenburg gegen einen umgestürzten Baum. In dem Zug befanden sich zum Zeitpunkt des Unfalls 261 Fahrgäste. Der Triebfahrzeugführer erlitt einen Schock. Personen wurden nicht verletzt.

Nach Angaben eines Sprechers der Bahn ereignete sich der Unfall gegen 10.20 Uhr. „Die Bahn kam aus Potsdam und befand sich auf der Strecke zwischen den Bahnhöfen Grunewald und Westkreuz“, sagt er. „Erfahrungsgemäß sind die Züge dort mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 70 Kilometern in der Stunde unterwegs.“ Kurz vor der Unfallstelle würde der Zug in einer leichten Kurvenlage fahren. „Der Fahrer des Zuges hat sofort mit einer Schnellbremsung reagiert. Es dauert aber eine Weile, bis ein Zug zum Stillstand kommt.“ Bei dem Unglücksbaum handelte es sich nach Augenzeugenberichten um einen kleinen Baum. „Die Frontscheibe des Zuges hat einen großen Sprung und unter den Waggons lagen Teile von Ästen“, so der Bahn-Sprecher. Die Gleisanlage wurde aber offensichtlich nicht beschädigt.

Feuerwehreinsatz mit Motorsägen

Die alarmierte Feuerwehr rückte mit 30 Einsatzkräften an. Erst nachdem der Strom für die S-Bahn abgeschaltet war, durften die Feuerwehrleute mit Motorsägen ausgestattet zum Unfallort auf freier Strecke. Etwa 300 Meter vom S-Bahnhof Grunewald entfernt mussten sie zu Fuß die Gleisanlage entlang laufen, um bis an die Unfallstelle zu gelangen. Anschließend dauerte es nur wenige Minuten, bis der Baum beziehungsweise die Äste von den Gleisen geräumt waren. Dabei war besondere Vorsicht geboten, da parallel zur S-Bahn die Gleisanlage für Fernzüge verläuft. Das war auch der Grund, warum die Fahrgäste der S-Bahn in den Waggons bleiben mussten. Rund eineinhalb Stunden mussten sie dort ausharren. Aufgrund der Wärme in den Abteilen musste ein Notarzt zwei Fahrgäste wegen Kreislaufproblemen behandeln. „Gleich nach der Behandlung konnten sie aber wieder aus der ärztlichen Obhut entlassen werden“, sagt ein Sprecher der Feuerwehr. „Es ist zu gefährlich, die Passagiere auf freier Strecke aus dem Zug steigen zu lassen“, sagt ein Mitarbeiter der Bahn. „Sie könnten gegen die Stromschienen geraten.“ Nach rund 90 Minuten konnte die Bahn ihre Fahrt fortsetzen. Da lediglich die Frontscheibe gesprungen war, ist der Zug mit den Passagieren bis zum S-Bahnhof Westkreuz gefahren. Die Strecke der Linie S7 war bis zum Mittag in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Für etwas mehr als zwei Stunden war ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Warum der Baum auf die Schienen stürzte, ist noch unklar. „Die Böschungen des Bahngeländes werden regelmäßig kontrolliert. In den dafür vorgesehenen Jahreszeiten lassen wir Bäume und Büsche regelmäßig zurückschneiden. Es kann sein, dass er morsch war“, sagt ein Bahnmitarbeiter.

Züge fahren wieder bis Tegel

Bereits am Dienstag wurden bei einem S-Bahnunglück in Tegel sechs Menschen verletzt. Ein Zug der Linie S25 (Teltow – Stadt Hennigsdorf) war nahe dem Bahnübergang an der Gorkistraße in Tegel an einer Weiche entgleist. Unter dem fahrenden Zug hatte sich eine Weiche plötzlich umgestellt. Der vordere Teil der S-Bahn fuhr wie geplant weiter auf dem Gleis in Richtung Hennigsdorf, die letzten beiden Wagen rollten auf ein Nebengleis. Die mittleren Wagen des Zuges verkeilten sich und sprangen aus dem Gleis. Seitdem suchen Experten der Bundespolizei und der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (EUB) nach einer möglichen Unfallursache. Es werden Zusammenhänge mit einem Gewitter am Montagnachmittag vermutet. Wie berichtet, hatte ein Blitz das Stellwerk in Tegel getroffen und für einen stundenlangen Ausfall der S25 gesorgt. Aus diesem Grund soll die Sicherungsanlage am Dienstag noch manuell gesteuert worden sein. Es deute einiges darauf hin, dass die Weiche von einem Mitarbeiter zu früh umgestellt wurde.

„Bis die Ergebnisse der Untersuchungen von Bundespolizei und EUB vorliegen, kann noch eine Weile dauern“, sagt ein Bahnsprecher.

Mit dem Betriebsbeginn der S-Bahn am Donnerstagmorgen um 4 Uhr fahren die Züge wieder bis zum S-Bahnhof Tegel. „Wenn die Arbeiten an den defekten Gleisen abgeschlossen sind, werden die Züge am Sonnabend im Laufe des Tages wieder bis Hennigsdorf fahren“, so der Sprecher.