Stadtplanung

Bezirk will „Bar 25“-Macher unterstützen

Künstlerdorf statt Hochhaus – der Bezirk will den „Bar 25“-Machern helfen und plant nun, den Bebauungsplan für das BSR-Grundstück zu ändern.

Foto: Michael Brunner

Es ist wie der Kampf des Knaben David gegen den Riesen Goliath. Die Macher der legendären „Bar 25“ und des Clubs „Kater Holzig“ wollen das Grundstück der Berliner Stadtreinigung an der Holzmarktstraße in Friedrichshain kaufen.

Sie beteiligen sich am Bieterverfahren, bei dem auch finanzstarke Investoren ihre Angebote einreichen. Noch bis zum 31. Mai läuft die Ausschreibung.

Der Liegenschaftsfonds will die begehrte Brache am Spreeufer an den Meistbietenden vergeben – bei diesem Rennen liegen die „Kater Holzig“-Betreiber um Juval Dieziger bestimmt nicht vorn. Jetzt bekommen sie Unterstützung vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.

Maßgeschneidert für das Projekt

Die Behörde will die mögliche Bebauung des Geländes an der Holzmarktstraße 19-30 stark einschränken, indem sie den derzeit gültigen Bebauungsplan ändert. Dadurch würde der Verkehrswert des Grundstücks sinken.

Investoren, die große Bauprojekte realisieren wollen, könnten das Interesse verlieren. Ein geänderter Bebauungsplan, der weniger Gebäude und mehr Grünflächen auf dem Grundstück vorsieht, wäre maßgeschneidert für alternative Vorhaben wie das Projekt „Holzmarkt“ von Juval Dieziger und seinen Mitstreitern. Es sei „ein guter, städtebaulich spannender Ansatz“, sagte Bürgermeister Franz Schulz (Grüne).

Nach bisherigem Baurecht kann ein Hochhaus mit 82 Metern Höhe errichtet werden – im geänderten Plan wird kein Hochhaus auf dem Grundstück nahe Michaelbrücke möglich sein. Bislang ist vorgesehen, dass Investoren eine Bruttogeschossfläche von maximal 82.650 Quadratmetern bauen dürfen.

Das Bezirksamt will das Maß der Bebauung auf die Hälfte, also etwa 41.000 Quadratmeter reduzieren und dafür eine große Grünfläche ermöglichen. Noch ist das Grundstück als sogenanntes Kerngebiet eingestuft, in dem Büros, Einzelhandel, Gastronomie, ein Hotel und Wohnen möglich sind. Künftig soll es als Mischgebiet gelten, indem auch kulturelle Nutzung zulässig ist.

Restaurant in der Erde

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will den geltenden Bebauungsplan möglichst rasch ändern. Dazu ist jedoch das Einverständnis der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erforderlich. Man habe die Landesbehörde bereits informiert, dass der Plan verändert werden soll, sagte Bürgermeister Franz Schulz (Grüne).

Der Bezirk habe sich mit dieser Absicht der B-Plan-Änderung an die Senatsverwaltung gewandt, bestätigte Sprecherin Petra Rohland am Mittwoch. „Jetzt wird geprüft, ob wir dem Vorschlag folgen können“, so die Sprecherin, „oder ob wir gesamtstädtische Interessen geltend machen.“ Dies würde bedeuten, dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung den Bebauungsplan an sich zieht.

Das Projekt „Holzmarkt“ von Juval Dieziger sieht als Zentrum des Grundstücks ein Künstlerdorf vor. 50 Läden, Werkstätten und Ateliers mit je 30 bis 50 Quadratmetern Größe sollen entstehen. Geplant sind außerdem ein Hotel mit 120 Zimmern, ein Club und ein Restaurant, das in die Erde verlegt werden soll, um oberirdisch einen großen Park zu ermöglichen.

Er soll eine Fläche von 6000 Quadratmetern einnehmen. Geld von der Stadt wolle man nicht, sagte Juval Dieziger im BVV-Ausschuss für Stadtentwicklung. Die Einnahmen, die aus den Läden, dem Restaurant und dem Hotel erzielt werden, sollen auch dazu eingesetzt werden, die Grünfläche zu pflegen.

Ein Businessplan sei erstellt, so Dieziger. Die Volksbank werde einen Teil des Vorhabens finanzieren, einen weiteren Teil die Umweltbank.

Keine Antwort von den Senatoren

Ein weiterer Partner ist laut Dieziger die Genossenschaft Studentendorf Schlachtensee. Sie wolle ein Studentenwohnheim mit einer Fläche von etwa 16.000 Quadratmetern bauen. Das Gebäude soll auf dem Grundstücksteil liegen, der nördlich des Bahnviadukts liegt. In den oberen Etagen sollen „bezahlbare Wohnungen“ entstehen, auf etwa 10.000 Quadratmetern.

Genau so groß soll ein Gründerzentrum mit kleineren IT-Unternehmen werden, das in den unteren Etagen entstehen soll. Auch dies würde dem geänderten Bebauungsplan des Bezirksamtes entsprechen. Die dichtere Bebauung durch das mehrgeschossige Studentenwohnheim im nördlichen Gelände wird kompensiert durch den großen Park und das Künstlerdorf im südlichen Areal.

Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) hat bislang vergeblich versucht, die bedingungslose Versteigerung des BSR-Grundstücks an den Höchstbietenden zu stoppen. Schulz sagte, er habe den Stadtentwicklungssenator, den Finanzsenator, die Wirtschaftssenatorin und die BSR-Chefin Vera Gäde-Butzlaff angeschrieben mit der Bitte, das Bieterverfahren auszusetzen. Lediglich die BSR-Chefin habe ihm geantwortet und die Bitte abgelehnt.

Politische Unterstützung für das Holzmarkt-Projekt kommt aus der Bezirksverordneten-Versammlung Friedrichshain-Kreuzberg. Sie befürwortet das Holzmarkt-Konzept in einem Antrag, der am Mittwochabend beschlossen wurde. Außerdem hat die BVV das Bezirksamt beauftragt, einen neuen Bebauungsplan für das Grundstück der Berliner Stadtreinigung aufzustellen, der kein Hochhaus mehr zulässt und die bislang mögliche Bruttogeschossfläche halbiert. Die Initiatoren des Holzmarkt-Projekts wollen ihr Vorhaben öffentlich vorstellen. Sie laden am 25. Mai , 15- 20 Uhr, in die Holzmarktstraße 24 ein.