Potsdamer Platz

Dreister Coup in Berlin - Bande stiehlt Geldautomaten

Vier junge Männer stehlen vor den Augen zahlreicher Zeugen einen Geldautomaten. Berliner Ermittler sprechen von einer „dreisten Bande”.

Eine Gruppe bislang unbekannter Männer hat in der Nacht zum Mittwoch einen Geldautomaten unweit des Potsdamer Platzes gestohlen und ist mit der Beute verschwunden. Später brannte ein Auto in Kreuzberg aus. Ermittler wollen nicht ausschließen, dass die Täter Spuren in ihrem Fluchtfahrzeug vernichten wollten.

Mehrere Zeugen hatten gegen 1 Uhr beobachtet, wie sich vier junge Männer im Automatenraum einer Filiale der Volksbank an dem Geldautomaten zu schaffen machten. Sie rissen die Bolzenverankerungen aus dem Boden und trugen den sperrigen Kasten zu einem wartenden Fahrzeug, luden ihn durch die Heckklappe ein und rasten davon.

Bei dem Auto soll es sich um einen roten Golf gehandelt haben. Die Einsatzleitung gab eine Sofortfahndung heraus, doch trotz intensiver Suche konnten die Täter nicht gestellt werden.

Etwa zwei Stunden später hörte eine Anwohnerin der Franz-Künstler-Straße in Kreuzberg einen lauten Knall und sah aus ihrem Fenster einen brennenden Wagen. Die herbeigerufene Feuerwehr löschte den Brand, konnte aber das Ausbrennen des vollständig in Flammen stehenden Renault Mégane nicht mehr verhindern. Durch Verpuffungen wurde ein Fahrzeugteil abgerissen und schleuderte gegen einen anderen geparkten Wagen, der dadurch beschädigt wurde.

Auto war zuvor gestohlen worden

Bei Ermittlungen stellten die Einsatzkräfte fest, dass der rot lackierte Renault vor einem Monat in der Wichmannstraße in Mitte gestohlen worden war. „Einen Renault Mégane könnte man im Dunklen durchaus mit einem Golf verwechseln“, so ein Ermittler. „Er wurde vorsätzlich mit Spiritus im Innenraum angezündet, was ganz klar dafür spricht, dass hier Fingerabdrücke, Haare und Schweißanhaftungen beseitigt werden sollten.“

Der Wagen wurde abgeschleppt und zur Kriminaltechnik gebracht. Das Landeskriminalamt und die Kriminalpolizei der Direktion 3 haben die Ermittlungen übernommen.

Die Täter konnten nur vage beschrieben werden. Bei ihnen soll es sich um vier junge Männer südländischen Aussehens handeln. Alle trugen den Aussagen nach dunkle Oberbekleidung, zwei von ihnen hatten zudem Kapuzen auf dem Kopf. Hinweise zu dem Zwischenfall nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Nach Angaben eines Ermittlers muss es sich um eine sehr „dreiste“ Bande handeln. „Sie haben ihren Coup eiskalt durchgezogen, obwohl sie von mehreren Personen beobachtet wurden.“ Es spreche viel dafür, dass sie nicht zum ersten Mal Straftaten begangen haben. „Man muss davon ausgehen, dass die Unbekannten zunächst den Tatwagen gestohlen und auch alles dafür vorbereitet haben, diesen später zu zerstören.“ Das spreche für eine genaue Planung, so etwas „würden Anfänger so nicht umsetzen“.

Bis zu 100.000 Euro können in Geldautomaten deponiert sein

Wie viel Geld die Täter erbeutet haben, teilte die Polizei nicht mit. Nach Informationen von Morgenpost Online können aber bis zu 100.000 Euro in Geldautomaten deponiert sein.

Nach Ansicht des Ermittlers sollten die einzelnen Banken über bessere Sicherungsvorrichtungen nachdenken und die Bankautomaten beispielsweise im Boden verankern. „Es ist schon erstaunlich, dass diese Auszahlstationen mit vereinter körperliche Kraft aus dem Boden gerissen werden können“, so der Beamte weiter.

Taten dieser Art beschäftigen die Polizei nicht zum ersten Mal. Es hat in diesem Jahr bereits mehrere vergleichbare Fälle gegeben. So stahlen Unbekannte am 23. Mai einen Geldautomaten aus dem S-Bahnhof Messe Nord. Einen Tag zuvor war ein solches Gerät am Alexanderplatz gestohlen worden. In der Nacht zum 11. Mai war ein Geldautomat aus der Eingangshalle des S-Bahnhofs Hohenzollerndamm verschwunden.