Statistik

Bei der Berliner S-Bahn fallen 950.000 Kilometer aus

Der Senat hat erstmals differenziert die Linien aufgelistet, auf denen die Fahrgäste am längsten warten müssen. S25 und S8 liegen vorn.

Foto: DAPD

Wer als Fahrgast auf die S-Bahn-Linie S25 angewiesen ist, der fühlte sich in den vergangenen Monaten oftmals besonders schlecht von der Bahn-Tochter behandelt. Immer wieder musste er hören oder lesen, dass sein Zug etliche Minuten zu spät kommt oder gleich ganz ausfallen wird.

Der negative Eindruck findet nun seine amtliche Bestätigung. Als Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Piraten-Fraktion hat der Senat die Zugausfälle erstmals seit Langem differenziert nach Linien aufgelistet. Danach ist die S25 (Teltow Stadt–Hennigsdorf) die Linie im gesamten Berliner S-Bahn-Netz, auf der seit Jahresbeginn die meisten Zugfahrten ausgefallen sind. Rund 107.000 Zugkilometer, das entspricht mehr als einer Tages-Gesamtleistung der S-Bahn, sind in den Monaten Januar bis Mai nicht gefahren worden. „Zugkilometer“ ist die Maßeinheit zur Bewertung von Verkehrsleistungen bei der Eisenbahn. Dabei gibt es einen Soll-Wert, der von den Bestellern im Verkehrsvertrag genau festgelegt ist, und einen tatsächlich erbrachten Ist-Wert.

Von Sonderfall S85 übertroffen

Laut der Senatsstatistik, die wiederum auf Angaben der S-Bahn selbst beruht, wird die S25 noch von S85 (Waidmannslust–Grünau) mit 250.777 nicht gefahrenen Kilometern deutlich übertroffen. Doch diese Linie ist ein Sonderfall, wird sie doch von der Berliner S-Bahn schon seit Beginn ihrer Dauerkrise im Juli 2009 – also seit nunmehr drei Jahren – überhaupt nicht mehr gefahren. Da die S85 zudem ausschließlich auf Strecken verkehrt, die auch von anderen Linien bedient werden, ist der Komplettausfall zwar ärgerlich für manchen Fahrgast, aber weniger spürbar.

Die S25 ist dagegen eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen im Netz, die vor allem von Berufspendlern aus dem Umland und dem gesamten Berliner Südwesten für Fahrten zu den Arbeitsstätten in der Innenstadt genutzt wird. Weil sich die brandenburgische Landesregierung viel von der S25 versprach, hatte sie bereits vor Jahren einen 10-Minuten-Takt aus der Boom-Region um Teltow in die City bestellt. Doch den konnte die S-Bahn in der Vergangenheit selten einhalten.

Zeitverlust von 119 Tagen

Insgesamt fielen laut Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) von Januar bis Ende Mai dieses Jahres rund 950.000 Zugkilometer aus, die die S-Bahn eigentlich im öffentlichen Nahverkehr Berlins anbieten sollte. Betroffen von erheblichen Zugausfällen waren demnach auch die Nutzer der S8 (Zeuthen/Grünau–Birkenwerder) mit 98.174 nicht gefahrenen Zugkilometern, der Ringbahn-Linie S42 mit 86.331 und der S1 (Wannsee–Oranienburg) mit 72.120 Zugkilometern.

Auch die Pünktlichkeit der S-Bahn war deutlich unter dem Soll. So verspäteten sich die Züge auf allen 15 Linien zusammen von Januar bis Ende Mai um 170.810 Minuten. Das entspricht einem Zeitverlust für die Fahrgäste von rund 2847 Stunden oder knapp 119 Tagen. Aufgrund der Ausfälle und Verspätungen hat der Senat seine Zuweisungen an die S-Bahn im ersten Halbjahr von insgesamt knapp 130 Millionen um 7,3 Millionen Euro gekürzt.

Immer mehr Krankmeldungen

Die S-Bahn selbst versucht die Zahlen zu relativeren. Demnach würden im Durchschnitt pro Tag 86.000 Zugfahrten erfolgen, insgesamt würden täglich zwischen 80.000 und 90.000 Zugkilometer erbracht. „Die Ausfallquote liegt somit etwa zwischen zwei und neun Prozent“, sagte ein Bahnsprecher. Verantwortlich für die Vielzahl von Ausfällen speziell bei der S25 sei vor allem der Mangel an Triebfahrzeugführern. „Dieses Problem wirkt sich seit einigen Wochen nicht mehr auf den Zugbetrieb aus“, so der Bahnsprecher. Nach 13 Ausbildungslehrgängen habe sich der Personalbestand bei den Lokführern von 911 zu Jahresbeginn auf inzwischen 972 erhöht. Für Probleme würden allerdings immer neue kurzfristige Krankmeldungen sorgen. Aktuell seien 6,6 Prozent der Triebfahrzeugführer nicht einsatzbereit. Gewerkschafter machen den hohen Leistungsdruck im Unternehmen, aber auch den Ärger über die Ausschreibung des S-Bahn-Verkehrs mit verantwortlich.