Stau

Immer neue Bauprojekte blockieren Berliner Innenstadt

Schweres Durchkommen für Berlins Autofahrer: Nun ist auch die John-Foster-Dulles-Allee dicht. Auf den Autobahnen sieht es nicht besser aus.

Foto: DAPD

Der 100er-Bus ist bei Berlin-Touristen überaus beliebt – vor allem, weil sie für ein einfaches BVG-Ticket von 2,30 Euro eine ausgedehnte Besichtigungstour durch das Zentrum der Stadt bekommen. Doch auf einige Sehenswürdigkeiten wie das Haus der Kulturen der Welt („Schwangere Auster“) oder das Schloss Bellevue („Amtssitz des Bundespräsidenten“) werden sie in den nächsten Wochen verzichten müssen. Von Montagfrüh, 8 Uhr, bis voraussichtlich Ende Oktober 2012 wird laut einer Mitteilung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Linienführung geändert.

Weil die John-Foster-Dulles-Allee in Tiergarten gesperrt ist, wird der Bus 100 nun von der Scheidemannstraße kommend über die Yitzhak-Rabin-Straße und die Straße des 17. Juni bis zur Hofjägerallee umgeleitet. Der Bezirk Mitte will die marode Allee zwischen Spreeweg und Zelterplatz für rund 500.000 Euro von Grund auf instand setzen. „Irgendwann reicht es nicht mehr, nur Löcher zu flicken“, hatte Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) die Vollsperrung bereits im Juni begründet. Ursprünglich sollten die Arbeiten bereits am 4. Juli 2012 beginnen, doch wegen fehlender Genehmigungen hat sich das Projekt verzögert. Die Bauarbeiten sollen bis zum 25. September 2012 beendet sein. Denn am darauffolgenden Wochenende findet der Berlin-Marathon statt. Für das sportliche Großereignis wird auch wieder die Straße des 17. Juni gesperrt, die jetzt als Ausweichstrecke dient.

Brücke wird abgerissen

Die John-Foster-Dulles-Allee ist derzeit nicht die einzige wichtige Ost-West-Magistrale, die wegen Bauarbeiten den Autofahrern nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung steht. Schon seit Frühjahr 2011 wird die Invalidenstraße umgebaut. Über die wichtige Verbindung soll von 2015 an die Straßenbahn über den Nordbahnhof hinaus weiter bis zum Hauptbahnhof fahren. Wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung jetzt mitteilte, muss zur Weiterführung der Arbeiten ab Dienstag die Verkehrsführung im Bereich Invalidenstraße und Hessische Straße geändert werden. Dort werden Brückengewölbe über der Panke abgerissen und durch Roherleitungen ersetzt.

Aufgrund dieser Arbeiten können Autofahrer die Invalidenstraße nun bereits ab der Luisenstraße nur noch in Richtung Osten befahren. Gleichzeitig wird die Einmündung der Invalidenstraße in die Hessische Straße voll gesperrt. Die Hessische Straße wird damit zur Sackgasse. Der Fahrzeugverkehr wird unter anderem über die Hannoversche Straße und die Luisenstraße zur Invalidenstraße umgeleitet. Die Kreuzungen Luisenstraße/Hannoversche Straße und Luisenstraße/Invalidenstraße erhalten provisorische Lichtsignalanlagen, die vorhandene Lichtsignalanlage an der Hessischen Straße/Hannoverschen Straße wird entsprechend angepasst, so die Senatsverwaltung Die neue Verkehrsführung soll bis voraussichtlich Mitte 2013 gelten. Verkehrsexperten rechnen in diesem Bereich mit erheblichen Staus.

Notwendige Investitionen

Die John-Foster-Dulles-Allee in Tiergarten und die Invalidenstraße in Mitte sind indes nur zwei von derzeit insgesamt etwa 150 Straßen in der Innenstadt, an denen dem ADAC zufolge gearbeitet wird. Die Interessenvertretung der Autofahrer begrüßt zwar, dass angesichts des großen Bedarfs so viel in die Infrastruktur investiert wird. ADAC-Verkehrsexperte Jörg Becker kritisiert jedoch, dass beinahe alle wichtigen Verkehrsadern gleichzeitig zum Nadelöhr werden. Das gilt insbesondere für die östliche Innenstadt.

Dort ist bereits seit zwei Wochen die Kreuzung Friedrichstraße/Unter den Linden für Autofahrer eine unangenehme Staufalle. Wegen des Baus eines neuen Bahnhofs für die U-Bahn-Linie 5 ist die Friedrichstraße für ein Jahr zwischen Unter den Linden und Behrenstraße komplett gesperrt. Auf dem Linden-Boulevard können Autos im Kreuzungsbereich bis Ende 2013 nur über zwei schmale Spuren in Richtung Westen fahren. Der Verkehr in Richtung Alexanderplatz wird über Französische Straße und Leipziger Straße umgeleitet. Doch auch auf der Leipziger Straße wird noch immer gebaut. Lange Staus vor allem im Berufsverkehr am Morgen und am Nachmittag sind die Folge.

Doch nicht nur in der Innenstadt, auch auf den Autobahnen in der Stadt wird an vielen Stellen gleichzeitig gebaut. Größter Engpass ist aktuell die Avus (A115), auf der wegen der laufenden Sanierung zwischen den Anschlussstellen Spanische Allee und Hüttenweg stadteinwärts nur eine Fahrspur zur Verfügung steht. Ab Montag kommt auf der A115 ein weiteres Problem hinzu: Weil der Regen der letzten Tage die Fundamente von Lärmschutzwänden an der Anschlussstelle Saarmund unterspült hat, wird nun auch noch die Abfahrt von der A115 in Fahrtrichtung Berlin bis 3. August gesperrt. Die Umleitung erfolgt über die Anschlussstelle Potsdam-Drewitz.