Staus

Berliner U-Bahn-Bau jetzt auch Problem für Autofahrer

Wegen des Weiterbaus der U5 in Mitte sind die wichtigen Verbindungen Unter den Linden und Friedrichstraße für mehr als ein Jahr gesperrt.

Foto: MEI.

In den kommenden 16 Monaten geht rund um die Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße nichts mehr. BVG-Kunden müssen auf der Friedrichstraße schon seit zwei Wochen laufen, statt gefahren zu werden. Nun kommt der U-Bahn-Bau auch noch den Autofahrern in die Quere. Seit Freitag ist die wichtige Innenstadtstraße in Höhe Unter den Linden nicht mehr passierbar. Auch auf dem Linden-Boulevard selbst ging am Freitag fast nichts mehr. Im morgendlichen Berufsverkehr stauten sich die Autos in allen Richtungen, kilometerlang. Trotz zahlreicher vorheriger Sperrankündigungen hatten viele Autofahrer dennoch versucht, auf vertrauten Wegen in die Ost-City zu gelangen. Lange Wartezeiten waren die Folge. Ein Vorgeschmack auf die Verkehrslage der kommenden 16 Monate.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen dort für 433 Millionen Euro bis 2019 die U-Bahn-Linie 5 verlängern. An der 2,2 Kilometer langen Tunnelstrecke vom Alexanderplatz bis zum Brandenburger Tor sind auch drei neue U-Bahnhöfe – Berliner Rathaus, Museumsinsel und Unter den Linden – geplant. Insbesondere der Bau der Station Unter den Linden aber hat fatale Auswirkungen auf die Verkehrssituation in der gesamten Innenstadt. Entsteht der Bahnhof doch in bis zu 25 Metern Tiefe direkt unter der Kreuzung Friedrichstraße/Unter den Linden.

Gigantische Baugrube entsteht

Am Freitag haben die konkreten Vorbereitungen für die Anlage der dafür nötigen gigantischen Baugrube begonnen. Sie wird auf 150 Meter Länge den gesamten südlichen Bereich der Straße Unter den Linden sowie einen Teil der Friedrichstraße umfassen. Während die Friedrichstraße für den U-Bahn-Bau zwischen Behrenstraße und Unter den Linden komplett gesperrt werden muss, steht auf der Straße Unter den Linden für Autofahrer noch die nördliche Fahrbahnseite zur Verfügung.

Bis Freitagnachmittag haben Arbeiter mit gelben Klebestreifen auf dem Asphalt die Verkehrsführung für die nächsten Monate markiert. Danach stehen im Kreuzungsbereich in Fahrtrichtung Westen noch zwei schmale Fahrspuren für Busse, Taxis, private Kfz und Radfahrer zur Verfügung. Am Rand ist noch eine Spur markiert, auf der die Busse der BVG und der verschiedenen Sightseeing-Touren anhalten können. In Richtung Osten gibt es nur noch eine Fahrspur, die ausschließlich von BVG- und von Fahrradfahrern genutzt werden darf. Die Straße Unter den Linden wird faktisch zur Einbahnstraße.

Die Friedrichstraße bleibt komplett gesperrt. Autofahrer, die aus Süden kommen, müssen sich eine neue Route über die Französische oder die Behrenstraße suchen. Wobei Letztere keine echte Alternative ist, weil abbiegende Autos dort auf einen beinahe endlosen Strom von Passanten treffen. Eine Ampel ist dort bislang nicht aufgebaut, sodass rücksichtsvolle Autofahrer eine Weile warten müssen.

Über die Dauer der Straßensperrungen hat es in den vergangenen Tagen von der BVG recht unterschiedliche Aussagen gegeben. Nun heißt es, dass die halbseitige Sperrung der Straße Unter den Linden insgesamt 16 Monate, also bis November 2013 dauern soll. Danach werden laut BVG-Sprecher Klaus Wazlak auf der Südseite wieder zwei Fahrspuren für den Autoverkehr in Richtung Osten freigegeben, eine Spur bleibt dann weiterhin gesperrt. Die Vollsperrung der Friedrichstraße soll nach einem Jahr wieder aufgehoben sein.

Die dennoch sehr lange Sperrung der belebten Kreuzung und die lautstarken Arbeiten sorgen vor allem bei den Geschäftsleuten für viel Verdruss. Nach Angaben der Interessengemeinschaft Friedrichstraße rechnen Händler mit Umsatzverlusten von bis zu 40 Prozent. Auch die Betreiber des Hotels „Westin Grand“ befürchten, dass Gäste wegen des Baulärms möglicherweise ausbleiben. Eigentümer von drei Häusern an der Kreuzung sind erst zu Wochenbeginn mit einer Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht gescheitert, mit der sie zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen und finanzielle Entschädigungen erzielen wollten.

Angesichts der komplizierten Verkehrslage und der nur wenig leistungsfähigen Umleitungen hat der ADAC den Autofahrern empfohlen, die Innenstadt möglichst zu meiden. Besonders der Verkehr in Ost-West-Richtung sei stark beeinträchtigt, so ADAC-Experte Jörg Becker, weil auf allen wichtigen Trassen gleichzeitig gebaut werde. Das Versprechen, dass mit dem Beginn des U-Bahn-Baus Unter den Linden zumindest die Leipziger Straße frei von Baustellen befahrbar sein wird, konnte die Senatsverkehrsverwaltung nicht halten. In Höhe Jerusalemer Straße war am Freitag auf der Straße eine Spur pro Richtung baubedingt blockiert.

Straße des 17. Juni wieder frei

Immerhin: Nach einer mehrwöchigen Sperrung wegen der Fanmeile zur Fußball-EM und zur Fashion Week können Autofahrer die Straße des 17. Juni wieder nutzen. Die für Mitte Juli angekündigte Vollsperrung der John-Foster-Dulles-Allee ist noch einmal verschoben worden. Laut Harald Büttner, Leiter des Tiefbauamtes, sollen die 500.000 Euro teuren Sanierungsarbeiten nun voraussichtlich am 23. Juli beginnen. Biss 25. September müssen sie beendet sein. Denn dann wird die Straße des 17. Juni wieder gesperrt – für den Berlin-Marathon.