Autobahn A115

Baustellen-Chaos macht Avus zur Standspur

Auf der Berliner A115 gibt es nur eine Spur. Selbst am Wochenende kommen Autofahrer kaum voran. Ferien-Heimkehrer verschärfen die Lage.

Foto: HARALD THIERLEIN

Seit drei Wochen müssen sich Autofahrer, die auf der Avus stadteinwärts fahren, in Geduld üben. Mal mehr, mal weniger. 15, 20, 30 Minuten längere Fahrtzeit ist schnell möglich. Gerade im Berufsverkehr.

Selbst am Wochenende, wie am gestrigen Sonntag, laufen die Warnmeldungen im Radio: „Bitte planen Sie 10 bis 15 Minuten längere Fahrzeit ein“, hieß es im Info-Radio des rbb.

Der Grund ist die Baustelle, die seit drei Wochen die Autofahrer, die stadteinwärts wollen, zwingt, auf nur noch einer Spur zu fahren. An manchen Tagen staut sich der Verkehr bis nach Kleinmachnow zurück. Und noch fehlt ein großer Teil der täglichen Pendler, weil viele Berliner im Urlaub sind.

„Ich brauche zwischen fünf und zehn Minuten länger als sonst“, sagt Andreas Wernsdorf. „Manchmal können es auch 15 Minuten sein. Ich warte mal ab, wie es wird, wenn die Sommerferien zu Ende sind.“

Wernsdorf fährt täglich gegen 6.30 Uhr aus der Nähe von Babelsberg Richtung City. Und wenn der Berufspendler sieht, dass sich die Autos bereits bis zur ehemaligen Kontrollstelle Dreilinden stauen, dann wählt er seine Alternativroute. „Ich fahre am Autobahnkreuz Zehlendorf runter von der Autobahn und dann über die Potsdamer Chaussee in die Stadt nach Tempelhof.“

Eine Strecke, die offenbar viele Berufstätige in den Morgenstunden wählen. „Auf der Potsdamer Chaussee und dann auf der Straße Unter den Eichen ist es deutlich voller als sonst“, sagt der Pendler.

Lotteriespiel Stau

Je nach Tageszeit und Wochentag variiert die Passierdauer des Nadelöhrs zwischen den Anschlussstellen Spanische Allee und Hüttenweg auf der A 115. Grund dafür ist die Sanierung der Fahrbahnen stadtauswärts. Eine Regel über Verkehrsaufkommen und Staulänge konnte bislang nicht aufgestellt werden.

Seit dem 24. Juni steht auf diesem Abschnitt nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. Es ist der 4. und damit letzte Bauabschnitt der Erneuerung der Avus. Im November 2012 soll die Sanierung beendet sein. Der Termin für den Beginn der Arbeiten wurde nach Angaben der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bewusst gewählt.

Zwischen dem 20. und 23. Juni rollte die Reisewelle in den ersten Ferientagen. Berlin und Brandenburg starteten in die Sommerferien. An diesem Wochenende waren auch viele Urlaubsrückkehrer von dem Stau kurz vor dem Ziel ihrer Heimreise genervt.

Auch für den Fahrer eines privaten Busunternehmens kommt die Fahrt über die ehemalige Transitstrecke und die Avus nicht in Frage. „Es ist mir einfach zu ungewiss, wie lange ich möglicherweise im Stau warten muss“, sagt er. Er befördert die Mitarbeiter eines Unternehmens, das seinen Sitz am „Europarc Dreilinden“ hat morgens und abends von der Firma zum S-Bahnhof Nikolasssee und zurück.

Vorrangschaltung für Autofahrer

„An manchen Tagen stehen die Autos schon auf der Höhe des Gewerbeparks auf der Autobahn, an anderen Tagen rollt der Verkehr problemlos. Es ist immer unterschiedlich“ Er verlässt die A 115 in Richtung Wannsee und fährt abseits der Autobahn zum S-Bahnhof.

Im Normalfall würde er die Zu- und Abfahrten Spanische Allee nutzen. Eine Route, die auch Frank Meister aus Wannsee in regelmäßigen Abständen wählt. „Bevor ich losfahre höre ich den Verkehrsservice im Radio und entscheide mich dann, wie ich zu meiner Firma nach Halensee fahre“, sagt er.

„Einen Tag bin ich nur auf der Autobahn unterwegs, einen anderen Tag fahre ich Spanische Allee runter und dann durch die Stadt. Es kommt auch immer darauf an, wann ich in meine Firma fahre.“ Am späteren Vormittag käme man über die Avus trotz der Baustelle schneller zum Ziel, an anderen Tagen sei die Fahrt durch die Stadt schneller.

Das kann auch an der veränderten Ampelschaltung der von der Senatsverwaltung ausgewiesenen Alternativroute der Fall sein. „Wir haben aufgrund der erwarteten Verlagerung des Verkehrs eine Vorrangschaltung der Lichtsignalanlagen im Stadtstraßenbereich eingerichtet“, sagt Daniela Augenstein, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Davon profitieren die Autofahrer auf der Route: vom Autobahnkreuz Zehlendorf über die Potsdamer Chaussee, Argentinische Allee, Clayallee, Hohenzollerndamm bis zur gleichnamigen Anschlussstelle auf die Stadtautobahn und zurück.

Frühzeitig Alternativroute planen

Der ADAC befürchtet aber für die vom Senat empfohlene Route vor allem im Berufsverkehr und im Wochenend-Rückreiseverkehr Überlastungen. „Autofahrer sollten den Baustellenbereich weiträumig umfahren und stattdessen in Richtung Berlin den westlichen und südlichen Berliner Ring A 10 nutzen“, sagt ADAC-Sprecher Carsten Zorger.

„Unter Umständen können die Fahrten über die Bundesstraßen B1 und B5 aus westlicher Richtung beziehungsweise die B101 und B96 aus südlicher Richtung zeitsparende Alternativen sein.“ Damit keine bösen Überraschungen kurz vor dem Ziel drohen, sollten laut ADAC besonders Reisende, die aus den Ferien zurückkehren, schon jetzt eine Alternativ-Route für die Heimreise planen.

Eigentlich sollten die Bauarbeiten an der Fahrbahn zwischen Hüttenweg und Spanische Allee stadtauswärts noch bis zum Herbst 2013 dauern. Aufgrund des erarbeiteten Zeitvorsprungs bei den Bauarbeiten, konnte der 4. Bauabschnitt vorgezogen werden und läuft für einige Wochen zeitgleich mit dem 3. Bauabschnitt.

„Das ist für die Autofahrer sicher nicht einfach, aber sie profitieren davon“, sagt Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD). „Es ist für alle Beteiligten besser jetzt in einem Rutsch durchzubauen, statt im kommenden Jahr noch einmal mit dem Bauen anzufangen.“