Pankows Bürgermeister

Pankows Bürgermeister sieht Hoffnung für Berlins Bürgerämter

Pankows Bürgermeister Matthias Köhne nimmt die verrufene Berliner Verwaltung in Schutz. Größtes Problem sei der Personalabbau.

Foto: Joachim Schulz

Berlins Verwaltung hat einen schlechten Ruf. Seit Wochen machen lange Wartezeiten in Bürgerämtern oder ganz geschlossene Amtsstuben Schlagzeilen. Eine Umfrage des Magazins „Focus Money“ hat diesen Eindruck einmal mehr unterstrichen – Berlin landet da auf dem letzten Platz von 15 deutschen Städten. Christina Brüning sprach mit Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) über das schlechte Image der Berliner Verwaltung.

Morgenpost Online: Herr Köhne, hat Sie das Ergebnis der Umfrage überrascht?

Matthias Köhne: Die Aussage hat mich nicht überrascht, die Qualität der Umfrage dagegen schon. Wenn in ganz Deutschland in 15 Städten 2800 Leute befragt werden und von 3,5 Millionen Berlinern nur um die 200, dann ist die Repräsentativität so einer Umfrage nicht wirklich ernst zu nehmen. Aber unabhängig davon ist Kritik an der Situation in der Verwaltung natürlich immer wieder ein Thema. Im vergangen Jahr ist der Finanzsenator durch die Bürgerämter gezogen und hat gesagt, die langen Wartezeiten seien eine Folge falscher Organisation. Aber das ist Unsinn. Die Ämter spüren einfach den Personalabbau und die Folgen davon, dass jahrelang keine Mitarbeiter neu eingestellt wurden.

Morgenpost Online: Wie macht sich das bemerkbar?

Matthias Köhne: Gerade da, wo die Bürger von den Ämtern etwas wollen, nämlich in den Bezirken, da bekommen die Menschen die Personalnot seit einiger Zeit schon zu spüren. Und zwar vor allem in den Sommerferien. Aber auch das ganze Jahr über, und nicht mehr nur in den Bürgerämtern. Ob in der Kita-Gutscheinstelle, im Jugendamt, im Sozialamt – überall dort, wo viele Anträge auflaufen, kommen wir der Anfrage nicht mehr nach. Bei uns in Pankow ist es sogar so, dass einerseits der Personalkörper immer kleiner wird, und gleichzeitig aber die Zahl der Bürger immer größer wird. Wir sind ein wachsender Bezirk, wir haben mittlerweile 375.000 Einwohner, Tendenz steigend. Aber diejenigen, die für sie in den Ämtern da sind, werden immer weniger. Ist doch klar, dass die Leute das irgendwann merken.

Morgenpost Online: Also ist der schlechte Ruf der Berliner Verwaltung gerechtfertigt?

Matthias Köhne: Nein, mit Sicherheit nicht. Denn unsere Mitarbeiter sind sehr engagiert. Wir erhalten immer wieder Rückmeldungen von Bürgern, die sich auch mal für guten Service bedanken. Auch wundern mich manche Betrachtungen in dieser Umfrage, zum Beispiel wurde die Online-Terminvergabe der Bürgerämter in Düsseldorf als besonders fortschrittlich gelobt. Das haben wir in Pankow auch, das ist nichts Neues. Von daher kann man die Kritik an der Berliner Verwaltung nicht pauschal vorbringen. Trotzdem gibt es natürlich Probleme, die für die Mitarbeiter ebenso unbefriedigend sind wie für die Bürger.

Morgenpost Online: Beschweren sich Mitarbeiter der Verwaltung darüber, dass sie den Frust der Bürger abbekommen?

Matthias Köhne: Wenn jemand fünf Stunden irgendwo sitzen und warten muss, dann erfreut das weder ihn noch denjenigen Mitarbeiter, der fünf Stunden schon am Fließband die Anträge und Kundenwünsche abzuarbeiten hatte. Das ist doch klar. In Einzelfällen eskaliert die Stimmung dann auch, aber meistens wissen beide Seiten, dass es nicht die Schuld des Mitarbeiters ist, wenn die Wartezeiten lang sind.

Morgenpost Online: In der Umfrage wurde auch bemängelt, der Bürgerdialog klappe in Berlin schlecht, Auskünfte seien oft unverständlich, der Umgang mit Beschwerden unbefriedigend. Müssen die Mitarbeiter anders geschult werden?

Matthias Köhne: Da sehe ich keinen Bedarf, unsere Mitarbeiter sind sehr gut geschult. Ich glaube nicht, dass so eine pauschale Kritik gerechtfertigt ist.

Morgenpost Online: Die große Aufmerksamkeit für die Situation in den Ämtern dürfte für die Bezirke doch Rückenwind für künftige Etatverhandlungen mit dem Senat sein, oder?

Matthias Köhne: Der Senat hat festgelegt, wie die Zielzahlen fürs Personal in den Bezirksämtern sein sollen. Im Ergebnis müssen wir in den nächsten vier Jahren weitere 1500 Stellen in den Bezirken abbauen. Es wird nicht besser, der Personalkörper wird schlanker. Was sich aber verbessert, ist die Perspektive. Wenn wir die Zielzahlen für den Personalabbau einhalten, sind wir gleichzeitig zum ersten Mal wieder in der Lage, neu einzustellen. Jahrelang konnten wir das kaum, daher ist der Altersschnitt in den Ämtern sehr hoch. Wir brauchen Nachwuchs, weil wir sonst absterben. Da dürfen wir jetzt endlich wieder gegensteuern. Das gibt ein bisschen Hoffnung. Trotzdem wird es mit der Summe der Beschäftigten erst mal weniger.

Morgenpost Online: Das heißt, man muss sich daran gewöhnen, einen Tag frei zu nehmen, wenn man etwas auf dem Amt erledigen muss?

Matthias Köhne: So ist es ja nun auch nicht. Das Problem der langen Wartezeiten besteht ja vor allem zu Stoßzeiten. Wenn man sich im Bürgeramt einen Termin holt, dann kann sowohl der Bürger als auch das Amt besser planen. Dann funktioniert das in der Regel auch. Es schadet auch nicht, gut vorbereitet zu sein, alle Unterlagen dabei zu haben und nicht zu meinen, man könnte einen Tag vorm Sommerurlaub noch einen neuen Personalausweis bekommen.

Morgenpost Online: Umfragesieger Düsseldorf verweist auch auf sein Online-Angebot für die Bürger. Muss das in Berlin noch ausgebaut werden?

Matthias Köhne: Ich denke, gerade was Angelegenheiten der Bürgerämter angeht, gibt es bei uns schon ein sehr gutes Online-Angebot mit allen wichtigen Informationen. Was noch nicht geht, ist Anträge auch online stellen zu können, da die Systeme für elektronische Unterschriften noch nicht weit genug sind. Das wird in den nächsten Jahren kommen. Und es ist Sache des Senats, an einer neuen Strategie für die elektronische Verwaltung zu arbeiten.