Klinik-Ranking

Berliner Charité ist Deutschlands Nummer eins

In einem neuen Ranking belegt das Berliner Universitätskrankenhaus deutschlandweit mit Abstand den ersten Platz.

Foto: DAPD

Die Berliner Charité ist mit großem Abstand das beste Krankenhaus Deutschlands. Das geht aus dem großen Klinikranking hervor, das vom Magazin „Focus“ erstellt worden ist und in der aktuellen Ausgabe veröffentlicht wird. Demnach führt die Berliner Universitätsklinik die Liste der besten Krankenhäuser mit 1226 Punkten an, auf Platz zwei folgt das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit 999 Punkten, danach das Universitätsklinikum Dresden mit 867 Punkten. Das Ranking weist die 25 besten Kliniken aus, insgesamt umfasst die deutsche Krankenhauslandschaft den Angaben zufolge rund 2000 Häuser.

Die Rangliste wurde nach Angaben des „Focus“ mit großem Rechercheaufwand über Monate erstellt und legt nicht nur die Bewertung von Ärzten, Experten und die Auswertung von Qualitätsberichten zugrunde, sondern laut dem Magazin auch Daten aus Patientenbefragungen. Danach wurden Punkte verteilt. Das größte Gewicht bei der Erstellung der Rangfolge wurde mit 40 Prozent auf die Empfehlungen der 18.000 befragten Fachärzte gelegt.

Die Untersuchung des „Focus“ konzentrierte sich auf die 14 wichtigsten Fachbereiche und Indikationen der Medizin. Obwohl die Charité in zwei Bereichen – der Behandlung von Lungenkrebs und psychischen Zwangsstörungen – gar nicht vertreten ist, landet die Berliner Klinik dennoch auf Platz eins der Gesamtwertung. In zwei Bereichen schneidet dem Ranking zufolge die Charité besonders gut ab: In der Orthopädie und bei der Behandlung von Risikogeburten führt das Haus mit seinen insgesamt 3200 Betten die Einzelbewertung der Fachbereiche an. Besonders hervorgehoben wurde hier die interdisziplinäre Vernetzung des Fachbereichs respektive die gute Ausstattung, sozialpädagogische Betreuung und besonders spezialisierte Kinderheilkunde.

Auch andere Berliner Häuser top

Auch bei der Behandlung von Prostatakrebs, Darmkrebs, Parkinson und Multiple Sklerose findet sich die Charité unter den zehn besten Heilanstalten wieder. Beim Fachbereich Herzchirurgie landete sie dagegen auf Platz 42, bei den Indikationen Brustkrebs und Angst jeweils auf Rang 29.

In der Einzelbewertung der Fachbereiche tauchen auch weitere Berliner Krankenhäuser im oberen Spektrum auf, die es aber im Gegensatz zur Charité nicht unter die Top 25 schaffen konnten. So schneidet das Deutsche Herzzentrum in Wedding bei der Herzchirurgie gut ab und belegt in diesem Fachbereich Platz elf. Die Behandlung von Brustkrebs ist laut dem Magazin im Sankt Gertrauden-Krankenhaus vorbildlich, hier landet das Haus in Wilmersdorf auf Platz 14. Und das Tempelhofer St. Joseph-Krankenhaus schaffte es mit seinem Zentrum für seelische Gesundheit im Alter auf Platz vier beim Ranking für Parkinson-Behandlung.

Bei der Auswertung der Patientenzufriedenheit liegt die Charité im unteren Durchschnitt der 25 Erstplatzierten. Hier vergibt das Magazin an die Berliner Klinik 74 Punkte, die zweitplatzierten Münchner dagegen bekommen 78 Punkte. Das Klinikum Rechts der Isar, ebenfalls in München, und die Universitätsklinik Heidelberg schneiden mit jeweils 79 Punkten in Sachen Patientenzufriedenheit unter den 25 besten Kliniken des Rankings am besten ab, sie landeten aber in der Gesamtwertung auf den Rängen fünf und sechs.

Die Kategorie „Patientenzufriedenheit“ geht nicht auf eine direkte Befragung von Patienten zurück, sondern auf die Auswertung von Klinikfragebögen, schreibt der „Focus“. 1000 Kliniken, also rund jede zweite in Deutschland, habe den siebenseitigen Fragebogen ausgefüllt, den das Magazin zu Themen wie Hygiene, Mitarbeiter- oder eben Patientenzufriedenheit erstellt hatte.

Berlins Patientenbeauftragte von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales rät daher dazu, bei der Betrachtung des Rankings im Hinterkopf zu behalten, dass die Kriterien der Befragung zum Thema Patientenzufriedenheit etwas unklar seien. Ungeachtet dessen gelte aber, dass die Charité einen sehr guten Ruf habe, sagte Karin Stötzner der Berliner Morgenpost.

„Die wichtigste Quelle der Patienten für die Entscheidung, in welchem Krankenhaus man sich behandeln lässt, sind nach wie vor Ärzte“, sagte Stötzner weiter. Doch zunehmend würden die Patienten auch von ihrer Wahlfreiheit Gebrauch machen und sich ein anderes Haus als das vom behandelnden Facharzt empfohlene aussuchen. Um ein Krankenhaus in seinen Leistungen einschätzen zu können, sei dann ein Blick auf die gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsberichte angebracht, die etwa von Krankenkassen veröffentlicht werden. „Allerdings sind die oft sehr abstrakt und bisweilen unverständlich“, so Stötzner. Auch fehlten hier die von den Ratsuchenden oft gewünschten Bewertungen von anderen Patienten. Die Fachfrau rät daher, bei der Auswahl eines Krankenhauses einen „Dreiklang“ zu berücksichtigen: die Empfehlung des Arztes, die Qualitätsberichte sowie Auskünfte von Patientenorganisationen. Nur auf die Erfahrungen von Freunden oder Verwandten zu hören, das sei dagegen meist keine gute Idee. „Das kann zu subjektiv sein“, sagte Stötzner. „Bei einer Patientenorganisation dagegen kommt mehr als eine Meinung zusammen, und das bildet die Realität etwas besser ab.“

In der Berliner Charité wurde das Ranking natürlich begeistert zur Kenntnis genommen. Zum einen sei die „Bekanntheit der Traditionsmarke Charité“ ein Erfolgsfaktor, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl Max Einhäupl. Als weiteren wichtigen Faktor für das gute Abschneiden nannte er den Charakter des Hauses. „Die Charité ist kein normales Krankenhaus“, sagte Einhäupl. „Klinik und Forschung sind integriert. Intelligente Forschung wird durch klinische Beobachtungen inspiriert, und innovative Forschungsergebnisse finden schneller Eingang in Therapiekonzepte – zum Wohle der Patienten.“

Neue Argumente im Streit ums Geld

Das gute Abschneiden im Ranking liefert dem Vorstand neue Argumente im immer noch nicht endgültig ausgestandenen Streit um die vom Land Berlin zu tragenden Investitionen in die Gebäude und die Zahl der Standorte, wobei vor allem der Campus Benjamin Franklin in Steglitz in der Landespolitik immer wieder aus Kostengründen infrage gestellt wird. Dabei fielen genau diese strukturellen Vorteile nach Einschätzung des Ärztlichen Direktors der Charité, Ulrich Frei, ins Gewicht, wenn die Berliner Uni-Klinik mit anderen Krankenhäusern verglichen wird: „Die Größe der Charité ist ein klares Plus und Basis des Erfolgs. Sie ermöglicht Spezialisierungen und die Bildung von fächerübergreifenden Zentren, in denen der Einzelne seine spezifischen Aufgaben im Team perfektionieren kann.“