Die Berliner Charité will weiterhin in der Ukraine die in der Haft erkrankte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko behandeln. An diesem Wochenende werde erneut ein Arzt oder eine medizinische Fachkraft aus Berlin nach Charkow reisen, um die 51-Jährige in dem dortigen Eisenbahnerkrankenhaus zu betreuen, sagte Charité-Sprecherin Stefanie Winde am Dienstag.

Der Charité-Arzt Lutz Harms hatte die Oppositionsführerin bereits Mitte Mai elf Tage lang betreut und sie langsam aus ihrem zweiwöchigen Hungerstreik begleitet. Er war dann von seiner Kollegin und Reha-Spezialistin Anett Reißhauer abgelöst worden, die am Montag zurückkehrte. Die Entscheidung, wer nun die weitere Betreuung übernimmt, war am Dienstagabend noch nicht gefallen.

Winde wies die Darstellung der Kiewer Tageszeitung „Segodnja“ zurück, Reißhauer habe die Betreuung von Julia Timoschenko „hingeschmissen“. „Frau Reißhauer ist wie verabredet nach einer Woche zurückgekehrt. Das war von Anfang an so ausgemacht“, sagte Winde.

Nach Angaben von Reißhauer benötigt Timoschenko noch eine lange Therapie. Ihr Bandscheibenleiden sei eine schwere Erkrankung. Wann sich die Oppositionsführerin wieder selbstständig bewegen könne, sei schwer zu sagen. Timoschenko bezahlt ihr Behandlung durch die Berliner Ärzte nach eigenen Angaben selbst.

Die 51-jährige war im Vorjahr wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Ein zweiter Prozess gegen sie wurde wegen ihrer Erkrankung und Behandlung im Krankenhaus verschoben.

Seit Wochen häufen sich die Proteste gegen die Behandlung der schwer kranken Timoschenko und deren Inhaftierung. Doch auch eineinhalb Wochen vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine und Polen gibt es keine Anzeichen, dass die Ukraine internationalen Forderungen nachgeben wird, Timoschenko für eine Behandlung ins Ausland reisen zu lassen.

dpa/mim