Leipziger Platz

Berliner U2 droht Unterbrechung bis nach Ostern

Zwischen den Stationen Potsdamer Platz und Mohrenstraße wurde der Zugverkehr bis auf Weiteres eingestellt. Grund ist ein Wassereinbruch.

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Die U-Bahnlinie 2 wird zwischen den Stationen Potsdamer Platz und Mohrenstraße auf unbestimmte Zeit nicht fahren. Grund ist ein Wassereinbruch auf einer Großbaustelle am Leipziger Platz in Mitte, der den U-Bahnverkehr am Freitag lahmgelegt hat. Seitdem verkehren dort keine Züge mehr, die BVG setzt Busse als Ersatz ein.

Die Ursachen für den Wassereinbruch und die damit verbundene Gefahr einer Unterspülung des U-Bahntunnels sind bislang noch unklar. Auf dem ehemaligen Wertheim-Areal, wo derzeit ein Shopping-Center gebaut wird, drangen plötzlich große Mengen Grundwasser durch Betonwände in die Baugrube, Bauarbeiter standen im Matsch. Dann habe es eine Welle aus Erdreich, Schlamm und Wasser gegeben.

Die Bauleitung informierte daraufhin sofort die BVG. Der Zugverkehr wurde gestoppt. Die U2 fährt vorerst nur zwischen Ruhleben und Potsdamer Platz sowie zwischen Mohrenstraße und Pankow. Das Problem ist, dass ungefähr 125 Meter des U-Bahntunnels der U2 unter der Baugrube verlaufen. Es besteht daher die Gefahr, dass das austretende Wasser unter den U-Bahntunnel laufen könnte.

Verkehrssenator Michael Müller (SPD) und BVG-Chefin Sigrid Nikutta machten sich noch am Freitagabend selbst ein Bild vom Wassereinbruch an der Baustelle. Müller sagte dem Fernsehsender RBB am Freitagabend, dass der U-Bahntunnel „praktisch unterspült wurde“. Das konnte die BVG am Sonnabend nicht bestätigen.

„Sicherheit vor Schnelligkeit“

„Noch ist kein Wasser unter den Tunnel geflossen, und es ist auch kein einziger Tropfen Wasser an den Innenwänden des Tunnels entdeckt worden“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. „Sollte aber Grundwasser unter den Schacht laufen, würde die Gefahr bestehen, dass Hohlräume entstehen.“ Das Havariemanagement des Bauherren und das der BVG habe sehr gut funktioniert. „Es hat keine direkte Gefahr bestanden. Die Unterbrechung des Zugverkehrs war eine reine Vorsichtsmaßnahme.“

Nach Angaben der Sprecherin sind jetzt ständig Fachleute der BVG und des Bauherren vor Ort. Statiker und Geologen begutachten die Situation in der Baugrube. Wann genau die Züge der U2 diesen Streckenabschnitt wieder passieren können, ist unklar. „Es besteht keine Gefahr, aber wir gehen auf Nummer sicher“, sagt Reetz. „Es kann sehr schnell gehen, so dass die Züge in den kommenden Tagen wieder fahren, es kann aber auch noch über die Osterfeiertage gesperrt bleiben.“ Erst wenn ein Gutachter seine Zustimmung gebe, werde der Betrieb der U-Bahn am Leipziger Platz wieder aufgenommen.

Bereits vor dem Aushub der riesigen Baugrube wurden sogenannte Schlitzwände rechts und links des U-Bahntunnels in die Erde gerammt. „Diese Schutzwände wurden bis zu 45 Meter tief in die Erde gebracht“, sagt Harald Huth. Er ist der Investor des Bauprojektes. „Als beim Erdaushub die Tunneldecke erreicht war, wurde diese mit einer Betondecke abgedeckt.“ Diese Schutzdecke aus Beton liegt auf den beiden Seitenwänden. Anfang Februar war der Tunnelabschnitt in der Baugrube komplett überbaut. Nach ersten Prüfungen ist der U-Bahntunnel stabil. „Unsere Spezialisten suchen jetzt nach dem Fehler. Erst wenn die Ursache für den Wassereinbruch gefunden wurde, können wir die Mängel beseitigen“, sagt Huth. „Hier geht die Sicherheit vor Schnelligkeit.“

Die Pläne am Leipziger Platz haben bereits eine lange Geschichte. Nach Jahren des juristischen Tauziehens hatte Investor Harald Huth im Frühjahr 2011 am Leipziger Platz mit den Bauarbeiten beginnen können. Wo einst mit Wertheim das größte Warenhaus Europas stand, entsteht jetzt auf einer Fläche von rund drei Fußballfeldern neben Wohnungen eine überdachte Einkaufsmeile. Insgesamt sind 150 Läden auf drei Etagen geplant – und damit mehr als in den benachbarten Potsdamer Platz Arkaden.

Zusätzlich zu der Ladenpassage sind 15.000 Quadratmeter für Hotel- oder Büronutzung vorgesehen, rund 800 Parkplätze sollen entstehen. Nach einem Beschluss des Abgeordnetenhauses müssen zudem auf knapp einem Drittel der Neubaufläche Wohnungen gebaut werden. Die Bruttogeschossfläche liegt insgesamt bei 146.000 Quadratmetern.

Fertigstellung 2013 geplant

Die Wiederbelebung des Leipziger Platzes durch den Lückenschluss in der Nordostecke ist ein wichtiger Baustein zwischen den Einzelhandelszentren Potsdamer Platz und Friedrichstraße. Bis 2013 soll das 450-Millionen-Projekt fertig sein.

Neben dem von der BVG eingerichteten Busersatzverkehr werden auch die Buslinien M48 und 200 als Alternativen zur U2 empfohlen. Im Ersatzverkehr werden barrierefreie Fahrzeuge eingesetzt.