Großbauvorhaben

S-Bahn und BVG legen Berlins Nordosten lahm

Bauarbeiten am Ostkreuz und die Sanierung der U2 werden in den Osterferien zu erheblichen Beeinträchtigungen führen.

Kein Fahrermangel, keine defekten Radscheiben, kein Schnee und auch kein unvorhersehbarer Warnstreik werden ab kommendem Freitag, 22 Uhr, dafür sorgen, dass der Nordosten Berlins vom Schienennetz weitgehend abgekoppelt wird. Ganz planmäßig werden mit Beginn der Osterferien gleich zwei wichtige Verbindungen im Berliner Nahverkehrsnetz lahmgelegt. Der Grund für die massiven Verkehrsbehinderungen diesmal: Die S-Bahn und die BVG werden zeitgleich zwei wichtige Großbauvorhaben zu Ende bringen.

Vom 30. März bis 16. April werden auf dem kompletten S-Bahn-Ostring zwischen den Stationen Schönhauser Allee und Baumschulenweg keine Züge mehr fahren. In dieser Zeit sollen die mehrjährigen Umbauarbeiten am S-Bahnhof Ostkreuz mit der Fertigstellung der neuen Ringbahnhalle abgeschlossen werden. Die Gleise in der neuen Halle der Ringbahn sollen ans Netz angeschlossen werden. Zugleich brechen auf dem Ostring moderne Zeiten an: Die elektronische Stellwerktechnik wird in Betrieb genommen.

Zusätzlich sperrt die BVG vom 7. bis 16. April die U-Bahn-Linie U2 im nordöstlichen Bereich. Zunächst ist der Abschnitt zwischen Pankow und Stadtmitte betroffen, ab 10. April geht es zwischen Pankow und Rosa-Luxemburg-Platz weiter. Fahrgastverbände kritisieren, dass zwei so wichtige Verbindungen im Berliner Nahverkehrsnetz zeitgleich gekappt werden und so Zehntausende Kunden erhebliche Beeinträchtigungen hinnehmen müssen.

Abschluss mehrjähriger Arbeiten

Nach Auskunft der BVG sei eine Verschiebung der Baumaßnahmen an der U2 nicht möglich gewesen. Mit der Fertigstellung des Stellwerks Pankow werde die ebenfalls seit mehreren Jahren andauernde Sanierung und Modernisierung der mehr als 100 Jahre alten Hoch- und Untergrundbahn endlich abgeschlossen. Da es sich bei der Stellwerktechnik um den Einbau einer komplexen technischen Anlage mit langem Planungsvorlauf handele, hätten die Arbeiten nicht verschoben werden können, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Die Bahn dagegen verweist darauf, dass sie bei ihren Arbeiten auf die Ferienzeit angewiesen ist. Da sei die Stadt wesentlich leerer, und weniger Berliner müssten pünktlich zur Arbeit erscheinen. Beide Unternehmen betonen zudem, dass sie ihre Bauarbeiten und Ersatzverkehre abgesprochen hätten.

So werden zur direkten Erreichbarkeit der geschlossenen S-Bahnhöfe zwei Ersatzbuslinien tagsüber im Drei-Minuten-Takt fahren: Die Linie A zwischen Schönhauser Allee und Neukölln, die Linie B von Ostkreuz über Treptower Park nach Baumschulenweg. Zudem hat die S-Bahn bei der BVG auf den Metrotramlinien M1, M10 und M17 zusätzliche Züge bestellt. Auf den U-Bahn-Linien U2, U6 und U8 fahren zeitweise verlängerte Züge. Um den S-Bahn-Gästen zusätzliches Umsteigen zu ersparen, werden während der Bauzeit zudem die Ringbahnlinien S41 und S42 mit den südöstlich und nordöstlich abzweigenden Linien S45/S46/S47/S8/S9 zu durchgehenden Linien zusammengefasst. Auf der Ringbahn zwischen Gesundbrunnen, Westkreuz und Neukölln rollen die Züge tagsüber im Fünf-Minuten-Takt.

Auch bei der U-Bahn-Linie U2 wird zur Umfahrung der Sperrung vor allem auf die Linien der Metrotram und die U-Bahn-Linien U6 und U8 verwiesen. Außerdem wird entlang des betroffenen Streckenabschnitts ein Schienenersatzverkehr in barrierefreien Bussen angeboten. Die Bahnhöfe Hausvogteiplatz, Märkisches Museum und Klosterstraße können jedoch nicht direkt angefahren werden. Dort ist ein Fußweg von 300 bis 400 Metern erforderlich.

Weil die Streckensperrungen so umfangreich sind, haben die beiden Verkehrsunternehmen eine gemeinsame Fahrgastinformation zusammengestellt, die im Internet (www.bvg.de oder www.s-bahn-berlin.de) abgerufen werden kann. BVG und S-Bahn beteuern, dass die Bauarbeiten für viele Fahrgäste nur eine geringe Fahrzeitverlängerung bedeuten werden. Je nach Uhrzeit und Fahrziel muss jedoch zum Teil mit 20 bis 30 Minuten längerer Fahrzeit gerechnet werden.

Bauarbeiter kappen Oberleitung

Schon am Mittwoch bekamen die Nutzer der Bahn einen Vorgeschmack auf die künftigen Verkehrsbehinderungen: Durch einen bei Bauarbeiten entstandenen Schaden an den Oberleitungen zwischen Ostbahnhof und Ostkreuz war es am Nachmittag zu Behinderungen gekommen. Nach Auskunft der Bahn war am frühen Nachmittag das alle Gleise der Fern-, Regional- und S-Bahn überspannende Querfeld der Fahrstrom-Oberleitung zwischen Ostbahnhof und Ostkreuz beschädigt worden. Daraufhin hatten sich die Fahrdrähte abgesenkt. Zahlreiche Züge mussten wegen der Streckensperrung umgeleitet werden. Während der S-Bahn-Betrieb um 16.45 Uhr wieder freigegeben wurde, waren Fern- und Regionalzüge bis in die Abendstunden betroffen: Fernverkehrszüge aus Richtung Frankfurt (Main), dem Ruhrgebiet und Hannover endeten im Berliner Hauptbahnhof. Der RE 1 zwischen Magdeburg und Frankfurt (Oder) sowie der RE 2 Wismar–Cottbus und die RB 14 Nauen–Schönefeld wurden über Gesundbrunnen und Lichtenberg umgeleitet. Züge zwischen Charlottenburg und Frankfurt (Oder) verkehrten nur zwischen Erkner und Frankfurt (Oder). Der RE 7 Zoologischer Garten–Wünsdorf Waldstadt fuhr nur zwischen Schönefeld und Wünsdorf Waldstadt. Die Deutsche Bahn berichtete am Abend, die Störung sei um 18.45 Uhr behoben worden.