Prozess

Schüler legt aus Langeweile Feuer in Wohnhäusern

Sechs Mal legte ein Berliner Schüler in seinem Kiez in Lichtenrade Feuer. Wohnhäuser mussten evakuiert werden. Jetzt folgte das Urteil.

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Eine Serie von Bränden in Mehrfamilienhäusern hat monatelang die Anwohner der Groß-Ziethener Straße in Berlin-Lichtenrade in Angst und Schrecken versetzt. Am Dienstag stand der 19-Jährige, der diese Angst verursacht hat, vor einem Jugendschöffengericht in Moabit. Am Ende der Verhandlung folgte eine Verurteilung zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren wegen sechsfacher schwerer Brandstiftung. Zuvor versuchte der geständige Täter zu erklären, was ihn zu seinen Taten getrieben hatte. Und Betroffene berichteten, wie sie die Brände erlebt hatten und wie sehr sie heute noch unter dem Geschehen leiden.

Sechsmal zündelte Kevin S. zwischen Anfang August und Mitte Dezember 2011. Die Brände legte er „nur“ in Kellerräumen, die Folgen waren dennoch dramatisch. In zwei Fällen wurden Strom- und Versorgungsleitungen schwer beschädigt, und der Qualm verbreitete sich jeweils im ganzen Haus. Einmal musste die Feuerwehr 16 Mieter ins Freie retten, sieben Menschen, darunter sechs Kinder, kamen anschließend mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in Krankenhäuser. Bei einem weiteren von S. gelegten Brand konnten eine Frau und ihr zweijähriges Kind nur über eine Drehleiter von der Feuerwehr gerettet werden. In der Verhandlung berichtete eine 29 Jahre alte Mutter zweier Kinder von Schlafstörungen und Panikattacken, unter denen sie infolge eines Brandes noch heute leide. Und darüber, dass im Zimmer ihres fünfjährigen Sohnes die ganze Nacht das Licht brennen müsse.

Ärger, Langeweile und Alkohol, das war die gefährliche Kombination, die den 19-Jährigen offenbar zu seinen Taten verleitete. Bei Stress mit den Eltern, den Freunden oder der Freundin greife er seit Längerem regelmäßig und immer ausgiebiger zu Alkohol, gestand der in Russland geborene S. mit leiser Stimme. Dann kämen ihm „komische Gedanken“, er müsse etwas „kaputt machen“, um seine Wut herauszulassen, erklärte S. dem Gericht. Menschen habe er nie schädigen wollen. Dass Hausbewohner durch seine Zündeleien in Gefahr geraten seien, darüber habe er nie nachgedacht, beteuerte der 19-Jährige. Bei der 29 Jahre alten Zeugin entschuldigte er sich in der Verhandlung reumütig: „Es tut mir unendlich leid.“

Seit Dezember 2011 sitzt Kevin S. in Untersuchungshaft. Auch die am Dienstag verhängte Jugendstrafe muss er absitzen. Bewährung kam nicht infrage, die erhielt er bereits bei seiner letzten Verurteilung im Sommer 2011. Die mit einer Bewährungsstrafe üblicherweise verbundenen Warnungen der Richter fruchteten seinerzeit offenbar nicht. Zwei Tage nach dem Urteil legte S. den ersten Brand.