Volle Schuldfähigkeit

Serienbrandstifter wollte Berlin in Atem halten

Im Prozess wegen einer Brandserie an mehr als 100 Autos in Berlin hat ein Gutachter den Angeklagten für voll schuldfähig erklärt. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine verminderte oder gar aufgehobene Steuerungsfähigkeit. Der Angeklagte wollte der Polizei "ein Schnippchen zu schlagen".

Ein Gutachter hat dem Berliner Serienbrandstifter, der mehr als 100 Autos in Brand setzte, eine volle Schuldfähigkeit bescheinigt. Der Mann wollte „im Konzert der Brandstifter die erster Geige spielen“, sagte der Gutachter Hans-Ludwig Kröber Experte am Donnerstag vor dem Berliner Landgericht. Auf der Suche nach Spannung wollte er zeigen, „dass er eine ganze Stadt in Atem halten kann“. Es war ein Kräftemessen mit der Polizei, so der Experte.

Der arbeitslose Maler und Lackierer hatte die Brandserie gestanden. Vom 7. Juni bis zum 29. August 2011 hatte der Berliner im Stadtgebiet fast ausschließlich Autos der Marken BMW, Mercedes und Audi in Flammen gesetzt. Es entstand ein Millionenschaden. „Ich bitte ernsthaft um Vergebung“, hatte der Brandstifter im Prozess erklärt.

Eigenen Angaben nach wollte der Mann Aufsehen erregen. Er sei aber auch neidisch auf die Reichen mit ihren teuren Limousinen gewesen, hatte der 28-Jährige als Motiv genannt. Gutachter Kröber sprach von einer moralischen Rechtfertigung des Angeklagten vor sich selbst.

Laut Kröber wollte der Angeklagte der Polizei eines ganzen Bundeslandes ein Schnippchen schlagen. „Es waren Kampfspiele in Rivalenform“. Man wird nicht gefasst, alle sind ratlos, das hat den Angeklagten aufgebaut, so der Sachverständige. Er fühlte sich potent.

Kröber stellte keinerlei psychische Krankheiten fest. Alkohol und Drogen spielen keine Rolle im Leben des Angeklagten. Der Mann lebte zuletzt zusammen mit seiner Mutter und einer älteren Schwester.

Nach Einschätzung des Sachverständigen hatte der Angeklagte seine allgemein unbefriedigende Lebenssituation mit den Bränden aufgemotzt. Feuer sei nur das Mittel zum Zweck gewesen, wie andere beispielsweise Spannung mit Sprayaktionen am Polizeipräsidium suchten.

Reiche Leute sollten sich ärgern

Dem mutmaßlichen Täter sei es beim Zündeln um den Effekt gegangen, „Dinge zu zerstören“ und der Polizei in Berlin „ein Schnippchen zu schlagen“, meinte der Gutachter. In gewisser Weise sei es ein „Kampf mit der Polizei“ gewesen. Moralisch habe der bekennende Mormone die Taten damit gerechtfertigt, dass es keine Armen treffe. Aus Sicht des Angeklagten seien die geschädigten Autobesitzer „reiche Leute“, wo es „nicht schade ist, wenn die sich mal ärgern“, hieß es.

39 Daimler-Benz, 30 BMW, 26 Audi und sieben andere Fahrzeuge sollen durch das Feuer beschädigt oder gänzlich zerstört worden sein. Bei den Brandstiftungen soll der gelernte Maler und Lackierer jeweils Grillkohleanzünder verwendet haben, die er auf Reifen platziert und angezündet haben soll. Der Anklage nach waren bei den Brandanschlägen auch Menschenleben gefährdet, da die Flammen drohten, auf benachbarte Wohnhäuser überzugreifen. In einem Fall soll der Dachstuhl eines Einfamilienhauses in Neukölln abgebrannt sein. In einem anderen Fall musste eine Seniorenresidenz in Charlottenburg geräumt werden.

Nach Angaben der Polizei brannten in Berlin im vorigen Jahr mehr als 700 Autos. Etwa die Hälfte wird linksextremen Kreisen zugerechnet. Die übrigen Bandstiftungen sollen auf das Konto von Trittbrettfahrern und Versicherungsbetrügern gehen. Die Brände hatten für erhebliche Unruhe in der Bevölkerung gesorgt. Zeitweise brannte es fast jede Nacht. Die Polizei war mit zusätzlichen Kräften im Einsatz und wurde von der Bundespolizei unterstützt.

Der Prozess wird am 3. April fortgesetzt. Dann werden die Plädoyers erwartet.