Warnstreik in Berlin

Mülltonnen bleiben voll und OP-Säle leer

Volle Mülleimer, geschlossene Recyclinghöfe, verschobene Operationen: Der von der Gewerkschaft Ver.di organisierte Warnstreik im öffentlichen Dienst hat in Berlin am Mittwoch für Einschränkungen gesorgt. Schwerwiegende Folgen blieben aber aus.

Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst haben am Mittwoch zu zahlreichen Behinderungen und Einschränkungen geführt, schwerwiegende Folgen blieben für die Berliner aber aus. Zwar legten viele Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in der ganzen Stadt ihre Arbeit nieder, doch viel mehr als eine nicht geleerte Mülltonne dürften die meisten Bürger davon nicht bemerkt haben.

Die Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) verzichteten am Mittwoch unter anderem darauf, die Mülltonnen zu leeren, die sie regulär abgeholt hätten. Die Beschäftigten entsorgen diesen Abfall aber am Donnerstag. Pech hatten die Berliner, die ihren Sperrmüll loswerden wollten. Der Recyclinghof der BSR blieb geschlossen. „Abgesehen davon haben unsere Mitarbeiter in ganz Berlin keine Straße gefegt“, sagte Sabine Thümler, Pressesprecherin des Betriebs.

Stattdessen versammelten sich etwa 3500 der insgesamt 5300 Mitarbeiter vor den 36 Standorten der BSR, um ihren Forderungen nach einer Lohnerhöhung von 6,5 Prozent oder mindestens 200 Euro mehr im Monat Nachdruck zu verleihen. „Aus unserer Sicht ist der Streik bisher ein voller Erfolg gewesen“, sagte Rolf Wiegand vom BSR-Gesamtpersonalrat. Insgesamt zählte die Gewerkschaft Ver.di am Mittwoch 7000 Streikende in Dienststellen des Bundes und Berliner Betrieben.

Patienten leiden nicht unter Streik

Auch in den Vivantes-Kliniken wurde am Mittwoch gestreikt. Im Klinikum Friedrichshain fielen von rund 70 geplanten Operationen mindestens 55 aus. „Alle zehn Notfall-OPs sind aber durchgeführt worden“, sagt Ute Friedel, Sprecherin der Einrichtungen. „Bei uns musste trotz der Warnstreiks kein Patient leiden.“ Im Auguste-Viktoria-Krankenhaus fielen 40 der 45 angesetzten Operationen aus. Es seien aber nur die Behandlungen verschoben worden, die auch an einem Folgetag durchgeführt werden könnten, hieß es.

Auch bei den Streikenden selbst machte sich der Arbeitskampf bemerkbar – wenn auch nur vorübergehend. „Meine Ohren sind von dem Trillerpfeifenlärm regelrecht taub“, sagte Regina Schäperkötter, „aber es hat sich gelohnt!“ Die Mitarbeiterin der Wasserbetriebe hatte am Mittwoch lautstark vor dem Betriebsgebäude in der Neuen Jüdenstraße für ihre Forderungen gekämpft. Stefan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe, geht davon aus, dass von den 4100 Mitarbeitern rund 1300 Personen ihre Arbeit für Stunden niedergelegt hätten. „Wir haben ordentlich Rabbatz gemacht“, sagte Tanja Kowalowski, ebenfalls Mitarbeiterin der Wasserbetriebe, die wie viele Kollegen eine Schürze mit dem Ver.di-Streikspruch („Wir sind es wert“) trug. Auf fließendes Wasser musste trotz Warnstreik in den Wasserbetrieben am Mittwoch niemand verzichten. „Bei uns arbeiteten zum Beispiel die Kollegen aus dem Rechnungswesen nicht“, so Natz.