Streik I - Vivantes

"Niedriglohn ist schuld am Fachkräftemangel"

Foto: David Heerde

„Ich streike, weil ich als Anästhesieschwester am Vivantes-Klinikum in Neukölln zwar 1800 Euro netto verdiene, dafür arbeite ich aber auch mindestens 39 Stunden in der Woche, die Sonnabendschicht nicht eingerechnet. Trotz des verhältnismäßig hohen Einkommens werde ich meine Arbeit niederlegen – immerhin tragen wir auch eine hohe Verantwortung. Sollte die Forderung von Ver.di durchgesetzt werden, kann ich als Anästhesieschwester zunächst jedoch nur eingeschränkt von der Lohnerhöhung profitieren: Wegen des Notlagen-Tarifvertrages können wir Schwestern hier in Neukölln höchstens 100 Euro mehr bekommen. Bis zum 31. Dezember 2012 gilt diese Regelung, die nach der Beinahe-Pleite des Klinikums angeordnet worden war.

Das ist aber kein Grund für mich, auf den Warnstreik zu verzichten. Mit meinem Gehalt verdiene ich immer noch mehr als meine jungen Kolleginnen und Kollegen – und das ist doch nicht gerecht. Ich bin mir sicher, dass der Niedriglohn schuld ist am Fachkräftemangel in unserer Pflegebranche. Die Lohnerhöhungen sollen auch dazu dienen, diesen Beruf endlich wieder attraktiv zu machen. Dafür will ich kämpfen, und zwar nicht zuletzt aus persönlichen Gründen: Mein Sohn, 23 Jahre alt, möchte auch im Pflegemanagement arbeiten. Da soll er auch angemessen verdienen.“ (Anästhesieschwester Angela Ortleb)