Streik II - Stadtreinigung

"Berlin soll keine große Müllhalde werden"

„Als Kraftfahrer bei der Berliner Stadtreinigung habe ich oft einen ganz schön ekelhaften Job. Was die Leute alles auf die Straße werfen, ist wirklich ungeheuerlich. Zigarettenstummel sind noch zu ertragen, aber der Hundekot überall ist nur widerlich. Das geht wirklich gar nicht. Mit meinen Kollegen bin ich in Prenzlauer Berg, Pankow und Weißensee unterwegs, mit der Kehrmaschine reinigen wir die Straßen und leeren die orangefarbenen Mülltonnen. Bei einer Arbeitszeit von zirka 39 Stunden in der Woche plus den Pflichtsamstagen komme ich auf einen Lohn von 1800 netto.

Das ist für diesen Job doch viel zu wenig: Wer reinigt denn die Straßen, wenn wir es nicht machen? Der Dreck bleibt doch liegen. Ich verlange mehr Geld, weil unsere Dienstleistung doch so wichtig ist für die Stadt und jeden einzelnen Bürger. Im Vergleich zu amerikanischen Städten ist Berlin nämlich richtig sauber – und das ist doch ein Grund für ein höheres Gehalt! Es soll hier doch nicht aussehen wie auf einer großen Müllhalde. Seit 1991 bin ich jetzt bei der BSR angestellt, und ich finde es schade, dass wir den Arbeitgeber nicht auf einem anderen Weg dazu bringen können, unser Gehalt zu erhöhen. Der Streik ist offenbar die einzige Möglichkeit. Frech fand ich, dass der Arbeitgeber zu den ersten Verhandlungen am 1. März ohne jegliches Angebot erschienen ist.

Dann ist eine solche Veranstaltung doch völlig sinnlos. Wenn es sein muss, streike ich wieder. Auch, weil ich keine Lust habe, mich zum Beispiel beim Einkaufen für meine Frau, meinen Sohn und mich weiterhin einschränken zu müssen. Das ist doch verständlich, oder?“ (BSR-Kraftfahrer Andreas März)