Müllabfuhr

Berliner BSR fährt nach Streik Extraschichten

Mit Beginn der Frühschicht haben am Mittwoch in Berlin Hunderte Staatsbedienstete die Arbeit niedergelegt, darunter auch Mitarbeiter der Stadtreinigung BSR. Dafür werden am Sonnabend Sonderschichten eingelegt.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Die zweite Warnstreikwelle im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes hat am Mittwoch auch Berlin erfasst. Mit Beginn der Frühschicht legten Hunderte Staatsbedienstete die Arbeit nieder, darunter Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR). Wie ein Sprecher der Gewerkschaft Ver.di mitteilte, begannen auch bei den Wasserbetrieben, in mehreren Krankenhäusern und Bundesbehörden Streiks. Ver.di rechnet mit 7000 Teilnehmern. Die Arbeitgeber lehnten unterdessen weitere Zugeständnisse in den Tarifverhandlungen ab.

Bei der BSR blieben die Recyclinghöfe nach Angaben einer Sprecherin am Mittwoch geschlossen, die Plätze der Telefonhotline waren verwaist, Papierkörbe im Stadtgebiet wurden nicht geleert. Zudem wurden Mülltonnen nicht abgeholt und die ausgefallenen Touren auf Donnerstag verlegt. Um den Rückstand aufzuholen, habe die BSR für Samstag Extraschichten anberaumt, ab Montag laufe der Betrieb wieder normal, sagte die Sprecherin.

Auch in die Wasserbetriebe war der Betrieb eingeschränkt. „Die Trinkwasserversorgung und Abwasserklärung laufen weitgehend normal, das ist aber auch das einzige“, sagte ein Sprecher. Abteilungen wie Kundenservice, Rechnungswesen und Wartung seien teils lahmgelegt, da etwa jeder vierte der 4150 Beschäftigten in den Ausstand getreten sei. „Wenn Sie heute bei unserem Kundenservice anrufen, wird niemand abnehmen“, sagte der Sprecher.

Eine Schwimmhalle geschlossen, Klinikbetrieb auf Sparflamme

Die Bäderbetriebe verwiesen darauf, dass lediglich 12 ihrer rund 740 Angestellten von dem Tarifkonflikt betroffen seien. Deshalb wurde den Angaben zufolge auch nur eine Schwimmhalle geschlossen, nämlich die im Treptower Baumschulenweg. Zudem wurden zwei Standorte des landeseigenen Krankenhauskonzerns Vivantes bestreikt, am Donnerstag sollen zwei weitere folgen.

Die Arbeitsniederlegungen sind Teil einer zweiten Warnstreikwelle, mit der Ver.di eine Woche vor Beginn der nächsten Verhandlungsrunde den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen will. Nachdem am Dienstag bereits Zehntausende Beschäftigte Teile von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern lahmlegt hatten, waren am Mittwoch Nordrhein-Westfalen und Berlin an der Reihe. Die Gewerkschaft verlangt 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro mehr. Die Arbeitgeber haben bisher 3,3 Prozent über zwei Jahre angeboten. Sollten die Verhandlungsrunde am 28. und 29. März in Potsdam keine Einigung bringen, drohen unbefristete Streiks.

Ver.di-Landeschefin Susanne Stumpenhusen warb um Verständnis für die Streikenden. „Die Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst sind in den vergangenen Jahren von der Lohnentwicklung abgehängt worden“, sagte sie im RBB-Inforadio. Das Angebot der Arbeitgeber bringe für eine Krankenschwester 50 Euro monatlich im ersten Jahr mehr, im zweiten Jahr 30 Euro. „Das gleicht die Preissteigerung in keinster Weise aus“, nomierte Stumpenhusen.

Unbefristete Streiks „wären für alle Beteiligten unangenehm“

Die kommunalen Arbeitgeberverbände streben in der dritten Verhandlungsrunde kommende Woche eine Einigung an. „Wir wollen einen Abschluss, damit die Warnstreiks beendet werden“, sagte ihr Verhandlungsführer Manfred Hoffmann im Deutschlandfunk. Ein weiteres Angebot der Arbeitgeber werde es dennoch nicht geben. Der Verband der kommunalen Arbeitgeberverbände werde „alles dafür tun“, die von Ver.di angedrohten unbefristeten Streiks zu verhindern.

Ver.di-Landessprecher Andreas Splanemann reagierte skeptisch auf Hoffmanns Ankündigung. „Ich weiß nicht, ob das Taktik oder ernst zu nehmen ist“, sagte er der Nachrichtenagentur dapd mit Blick auf kommende Woche. „Wenn es keine Einigung geben sollte, stehen wir vor Erzwingungsstreiks, und die wären für alle Beteiligten unangenehm.“ Die Gewerkschaft bemühe sich deshalb weiter um eine „faire Lösung am Verhandlungstisch“.