Bildungssenatorin

Scheeres lehnt NC für Berlins Gymnasien ab

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Florentine Anders

Foto: Marion Hunger

Wer die Probezeit auf dem Gymnasium nicht besteht, fliegt. Auf dem Berliner Robert-Koch-Gymnasium betrifft das jeden dritten Schüler. Der Direktor der Schule fordert deshalb einen NC, um die Kinder vor dieser Erfahrung zu schützen. Bildungssenatorin Scheeres lehnt das aber strikt ab.

Am Robert-Koch-Gymnasium in Kreuzberg wird besonders deutlich, dass es Schwierigkeiten gibt beim Übergang der Kinder auf die weiterführende Schule. 98 Prozent der Schüler kommen aus Migrantenfamilien, unter den Bewerbern für die siebten Klassen haben zwei Drittel der Kinder keine Gymnasialempfehlung. In der Folge muss ein Drittel der Schüler in der Regel nach der Probezeit die Schule wieder verlassen. Die Schulform hat sich für sie dann als untauglich erwiesen.

Dieses Gymnasium ist das erste, das Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Freitag besuchte, um sich zur aktuellen Debatte über neue Aufnahmebedingungen zu äußern.

Im Anschluss an den Rundgang machte sie ihre Position klar. Die Senatorin will an den Zugangskriterien nicht rütteln. Einen Numerus Clausus – eine Mindestdurchschnittsnote also – für die Gymnasien lehnt sie ab. Zumindest wolle sie abwarten, bis das Probejahr beendet ist, um zu entscheiden, ob es „Nachsteuerungsbedarf“ in dem vor zwei Jahren eingeführten Aufnahmeverfahren gibt oder nicht.

Rainer Völkel, Schulleiter des Robert-Koch-Gymnasiums, wünscht sich einen moderaten NC von 3,0, um zu vermeiden, dass Kinder leiden, weil sie von den Eltern an der falschen Schulform angemeldet werden. Dabei sei er kein Verfechter einer Eliteschule, sagt der Schulleiter.

Im Gegenteil: Am Robert-Koch-Gymnasium erhalten die Schüler eine spezielle Förderung, um insbesondere den Migrantenkindern eine Chance zu geben. Sie lernen in kleineren Klassen von 28 Schülern. Sie haben fünf Stunden Deutsch pro Woche und Teilungsunterricht für Schüler mit besonderen Schwierigkeiten. Auch als Wahlpflichtfach können die Schüler Deutsch belegen. Und die Robert-Koch-Schule bietet als einziges Gymnasium in Berlin Türkisch als zweite Fremdsprache an. Damit soll das besondere Sprachpotenzial der Migrantenkinder besser genutzt werden. Für Siebtklässlerin Merve war das ausschlaggebend für die Schulwahl. „Ich glaube, damit habe ich bessere Chancen auf eine gute Note in der zweiten Fremdsprache“, sagt sie. Denn wie bei allen ihrer Klassenkameraden ist Türkisch ihre eigentliche Muttersprache.

Dennoch schafften etwa 40 der 140 Schüler der siebten Klassen das Probejahr nicht, so der Schulleiter. „Jedes einzelne Kind, das schon mit Vieren in den Kernfächern von der Grundschule kommt, tut mir leid“, sagt Völkel.

Senatorin Scheeres hingegen sagt, dass Gymnasien mit einem so hohen Anteil an Kindern nicht deutscher Herkunft und so vielen Rückläufern in der Minderheit seien. Statt die Aufnahmebedingungen für alle zu ändern, solle geprüft werden, wie Schulen mit diesen Problemen geholfen werden kann, so Scheeres. Die Senatorin will die Gymnasien mit besonders vielen Schülern nicht deutscher Herkunft in einer Arbeitsgruppe zusammenfassen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.