Trotz Unterfinanzierung

Trend zur Privatschule hält in Berlin weiter an

Das Schuljahr startet in Berlin gleich mit sechs neuen allgemeinbildenden und fünf berufsbildenden Schulen in freier Trägerschaft. Damit ist inzwischen jede dritte Schule privat - ein neuer Rekord. Jedoch bringen sie auch Probleme mit sich.

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Der Trend zur Privatschule hält weiter an. Zum neuen Schuljahr sind sechs neue allgemeinbildende und fünf berufsbildende Schulen in freier Trägerschaft in Berlin an den Start gegangen. Insgesamt gibt es damit 322 Privatschulen in der Stadt. Damit ist inzwischen jede dritte Schule privat. Vor allem bei den Berufsschulen überlässt das Land Berlin die Bildung zunehmend den Privatschulen. In diesem Jahr gibt es mit 65 berufsbildenden Schulen schon mehr freie als staatliche Schulen (45).

Der Anteil der Schüler, die in freien Schulen unterrichtet werden, lag im vergangenen Jahr bei acht Prozent. Die aktuellen Schülerzahlen gibt es erst im Oktober. Fest steht allerdings schon jetzt, dass der Anteil weiter steigt. Bei der Bildungsverwaltung sind derzeit noch 32 Anträge für Schulneugründungen im Genehmigungsverfahren, davon neun für allgemeinbildende Schulen.

Elterninitiativen gründen neue Schulen

Sorge bereiten den Schulen in freier Trägerschaft die derzeit in vielen ostdeutschen Bundesländern beschlossenen Kürzungen bei den Zuschüssen für die freien Schulen, darunter auch in Brandenburg. „Die ostdeutschen Länder wollen offenbar den Boom der Privatschulen auf diesem Weg stoppen“, sagt Roland Kern vom Dachverband der Kinder- und Schülerläden (Daks). Die kommende Landesregierung werde nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus unter großem Sparzwang stehen. Und schon jetzt sind die Privatschulen chronisch unterfinanziert.

Trotz der finanziellen Schwierigkeiten gibt es immer wieder Elterninitiativen, die die Neugründung einer Schule wagen. „So ist auf Drängen der Eltern in Friedrichshain im Rekordtempo von einem dreiviertel Jahr eine evangelische Grundschule entstanden“, sagt Frank Olie von der Evangelischen Schulstiftung. Eingerichtet wurde die Schule vorübergehend in den Räumen der Pfingstgemeinde am Petersburger Platz.

Ebenfalls im Eiltempo ist das Genehmigungsverfahren für das private Galileo-Gymnasium gelaufen. Zum Schulbeginn konnten die Siebt- und Achtklässler die Räume an der Schlangenbader Straße in Wilmersdorf beziehen. Das Gymnasium will vor allem ein Angebot für besonders begabte Schüler sein. Die Inhalte des Lehrplans werden anhand praxisbezogener Projekte vermittelt.

Nur teilweise neu ist die Alternativ-Schule in Reinickendorf. In der Gemeinschaftsschule sollen Grundschüler und Sekundarschüler gemeinsam lernen. Die Sekundarschüler sind aus den inzwischen nicht mehr ausreichenden Räumen der Freien Schule Pankow in die Alternativ-Schule umgezogen. Neu ist an diesem Standort die Grundschule. Ebenfalls als Gemeinschaftsschule ist bereits im Dezember die Demokratische SchuleX im Diakoniezentrum Heiligensee gestartet. Hier sind noch Plätze für Kinder von der ersten bis zur dritten Klasse verfügbar. In Treptow hat die Kreativitäts-Grundschule vom Verein „Die Kappe e.V.“ zu Beginn des Schuljahres ihre amtliche Genehmigung erhalten.

„Wir machen Theater“

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat am Donnerstag entschieden, dass das beantragte Jungen-Gymnasium in Potsdam grundsätzlich genehmigt werden kann. Eine Elterninitiative hatte sich für das katholisch geprägte Jungen-Gymnasium eingesetzt. Das Bildungsministerium in Brandenburg hatte den Antrag abgelehnt, da das Schulgesetz normalerweise koedukativen Unterricht von Jungen und Mädchen vorsieht.

Mit dem Markt der Möglichkeiten am 18.September am Potsdamer Platz wollen die Privatschulen auf ihren wichtigen Beitrag in der Bildungslandschaft aufmerksam machen. Das Motto der diesjährigen Veranstaltungsreihe lautet „Wir machen Theater“. „Wir wollen das Augenmerk auf die Fächer lenken, die nicht in Pisa-Tests abgefragt werden“, sagt Andreas Wegener, Vorsitzender des Landesverbandes der Privatschulen. Fächer wie Darstellendes Spiel, Kunst oder Musik würden an den öffentlichen Schulen immer mehr an den Rand gedrängt.