Chaos zu Ostern

Berlins Nordosten vom Zugverkehr abgekoppelt

Bevor in der Ringbahnhalle am Berliner Ostkreuz Züge halten können, wird noch einmal kräftig gebaut. Für den Endspurt wird fast der komplette Bahnverkehr im Nordosten lahmgelegt. Sowohl Ringbahn als auch U-Bahn werden zeitgleich gesperrt. Ersatzbusse und Umfahrungsangebote sollen ein Chaos verhindern.

Foto: dapd / dapd/DAPD

In der neuen Ringbahnhalle am Ostkreuz dröhnen noch die Baumaschinen. 140 Meter lang und zwölf Meter hoch überspannt sie den Bahnsteig. 2400 Quadratmeter Glas an Seitenwänden und Fassaden geben den Blick frei auf die größte Bahnbaustelle Berlins. Auf dem Perron stehen schon die sechs verglasten Pavillons, in die in wenigen Wochen Läden, Bäcker, Imbissbuden und die Aufsichts- und Aberfertigungskräfte der S-Bahn einziehen werden.

Am frühen Morgen des 16. April 2012 sollen die ersten Züge in der Halle halten. Das Warten auf die S-Bahn am zugigen Provisorium des künftigen Regionalbahnsteigs nebenan hat dann ein Ende.

Bevor es so weit ist, kommt es für die Fahrgäste des Berliner Nahverkehrs aber noch einmal richtig dick. Mehr als zwei Wochen, vom Abend des 30. März bis Betriebsbeginn am 16. April, wird der komplette östliche S-Bahnring zwischen Schönhauser Allee, Neukölln und Baumschulenweg gesperrt.

Für Fahrgäste aus Prenzlauer Berg ist das nicht die einzige schlechte Nachricht. Denn auch eine zweite wichtige Bahnverbindung wird in den Osterferien gekappt. Vom 7. bis 9. April fährt die U-Bahnlinie U2 nicht zwischen Pankow und Stadtmitte, vom 10. bis 16. April ist der Verkehr zwischen Pankow und Rosa-Luxemburg-Platz eingestellt.

Auch wenn auf den gesperrten Abschnitten der S-Bahn und der U-Bahn insgesamt mehr als 90 Ersatzbusse unterwegs sind, haben die Planer der S-Bahn und der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) für die Zehntausenden betroffenen Fahrgäste nur einen guten Rat: „Umfahren, umfahren, umfahren!“, sagte Jens Hebbe, Leiter der Betriebsplanung bei der S-Bahn. Das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn wird während der Sperrung ihre Linien auf dem Ring völlig neu ordnen.

Die Zubringerlinien S8, S9, S46 und S47 werden mit den Ringlinien S41 und S42 verknüpft, über den westlichen Ring geführt und teilweise verlängert. Zwischen Gesundbrunnen und Neukölln sollen die Züge so auch weiterhin alle fünf Minuten fahren. Die BVG trägt ebenfalls ihren Teil dazu bei, das befürchtete Chaos zu verhindern. Verstärkt wird das Angebot auf den Straßenbahnlinien M1, M10 und M17.

Auf dem nicht gesperrten Abschnitt der U2 sowie auf den U-Bahnlinien U6 und U8 sollen zeitweise verlängerte Züge fahren. Beide Verkehrsunternehmen wollen ihre Kunden schon im Vorfeld mit gemeinsamen Broschüren, Plakaten und im Internet über die erheblichen Einschränkungen informieren.

Künftig steuert der Computer

Bewusst habe man die Bauarbeiten auch in die Ferien gelegt, also in eine Zeit, in der trotz Touristenansturms erfahrungsgemäß bis zu 25 Prozent weniger Fahrgäste unterwegs sind, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz und wirbt um Verständnis: Ja, es wird Stress geben, aber wir geben uns große Mühe, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.“

Fahrgastverbände kritisierten am Mittwoch erneut, dass zwei so wichtige Verbindungen im Berliner Nahverkehrsnetz zeitgleich gekappt werden. Da es sich in beiden Fällen, um den Aufbau hoch komplizierter technischer Anlagen mit entsprechend langem Planungsvorlauf handele, sei das aber nicht mehr anders machbar gewesen, rechtfertigte BVG-Sprecherin Reetz. Tatsächlich enden mit der Sperrung sowohl bei der U2 als auch bei der Ringbahn langjährige Bauarbeiten.

In beiden Fällen werden die betroffenen Abschnitte künftig von elektronischen Stellwerken gesteuert. Statt klackernder Relais beginnt auch dort nun das Zeitalter staubfreier Rechnerräume. Nach zwei Jahren Viaduktsanierung werde die U2 damit „für die nächsten Jahrzehnte zu einer hochmodernen und leistungsfähigen Linie“, sagte U-Bahn-Bauchef Uwe Kutscher.

Verglichen mit den Arbeiten seiner Kollegen bei der S-Bahn und den Bahntöchtern DB Netz und DB Projektbau hat Kutscher in den Osterferien aber eine kleine Aufgabe zu bewältigen. Weil die Ringbahn für die Inbetriebnahme des neuen elektronischen Stellwerks an der Frankfurter Allee ohnehin für zwei Wochen gesperrt werden musste, hat das Bauteam um Projektleiter Mario Wand in dieser Zeit gleich mehrere Baumaßnahmen gebündelt.

Neben dem Start für das Stellwerk ist das größte davon die Verschwenkung der S-Bahngleise in die neue Bahnhofshalle. Gebaut wird zeitgleich aber auch an anderen Stellen. An der Straße Alt-Stralau geht eine neue Eisenbahnbrücke teilweise in Betrieb, am Wiesenweg beginnt die Bahn mit dem Einbau von provisorischen Hilfsbrücken, im Bereich des Bahnhofs Schönhauser Allee erneuert DB Netz Weichenverbindungen.

Für die Vorarbeiten müssen die Fahrgäste schon vom kommenden Wochenende an Einschränkungen in Kauf nehmen. Von Freitagabend bis Betriebsbeginn am Montag fahren keine Züge zwischen Schönhauser Allee und Ostkreuz. Auch zwischen Lichtenberg und Ostkreuz ist der Verkehr unterbrochen.

Von Freitag an werden auch die Umsteigewege am Ostkreuz wieder lang. Um eine Treppe von der neuen Ringbahnhalle zum südlich gelegenen Stadtbahn-Bahnsteig bauen zu können, muss die provisorische Treppe von dort zum aktuellen Ring-Bahnsteig weichen. Fahrgäste müssen zwei Wochen lang einen Umweg über den nördlichen Perron wählen.

Und die Bauarbeiten bei der S-Bahn gehen auch nach der Ostersperrung weiter. Gleich im Anschluss erneuert DB Netz auf dem Südring vier Weichen. Vom 16. bis 24. April fahren keine Züge zwischen den Stationen Bundesplatz und Schöneberg.