Mögliche S-Bahn-Ausschreibung

Fahrzeugflotte bleibt Knackpunkt für Konkurrenten

Hans Leister, Deutschlandchef des privaten Eisenbahnunternehmens Keolis und Vizepräsident des Interessenverbandes Mofair, spricht im Interview mit Morgenpost Online über die mögliche Ausscheibung der Berliner S-Bahn.

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Morgenpost Online: Die Deutsche Bahn will die Berliner S-Bahn nicht verkaufen. Muss jetzt die Ausschreibung kommen?

Hans Leister: Ich sehe keine Alternative. Es sei denn, das Land gründet ein kommunales Verkehrsunternehmen und beauftragt dieses direkt mit dem S-Bahn-Betrieb, ganz oder auf Teilnetzen. Das würde ich aber nicht unbedingt empfehlen.

Morgenpost Online: Wie groß ist der Zeitdruck?

Hans Leister: Das hängt davon ab, wie man ausschreibt. Der kritische Zeitfaktor ist die Fahrzeugbeschaffung. Das Land muss eine klare Strategie haben, ob es die Züge selbst kauft, die Beschaffung einzeln ausschreibt oder vom künftigen Betreiber erwartet, dass er die Fahrzeuge mitbringt.

Morgenpost Online: Wie lange würde es dauern, bis neue Züge für die S-Bahn da sind?

Hans Leister: Fünf Jahre von der Bestellung bis zur Lieferung sind aus meiner Sicht schon das Minimum. 44 Monate dauert in Deutschland allein die Zulassung neuer Züge.

Morgenpost Online: Könnten private Unternehmen in der derzeitigen Finanzkrise überhaupt den Kauf einer neuen Fahrzeugflotte finanzieren?

Hans Leister: Sollte der Senat das wollen, hängt es vom Kleingedruckten ab. Das hat erst jüngst eine Ausschreibung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr gezeigt. Dort gab es ein Finanzierungsmodell zu den Bedingungen eines Kommunalkredits. Im Ergebnis gab es neben der Deutschen Bahn zwei weitere Bieter. Wenn die Beschaffung am künftigen Betreiber hängt, muss der Aufgabenträger eine langfristige Verpflichtung für den Einsatz der Fahrzeuge übernehmen, also auch für den nächsten Verkehrsvertrag. Die Alternative wäre ein Verkehrsvertrag über 22 Jahre mit den entsprechenden Abschreibungszeiträumen. Dann könnte sich auch ein Konsortium mit Bankenbeteiligung bewerben.

Morgenpost Online: Größer wäre das Interesse der privaten Eisenbahnunternehmen aber wohl, wenn das Land die Fahrzeugflotte stellen würde.

Hans Leister: Das muss nicht zwingend so sein, wie das Beispiel aus NRW zeigt. Die Berliner S-Bahn ist in jedem Fall ein attraktiver Markt für alle Bahnunternehmen.