Verkehrsausschuss

Berliner S-Bahn fehlen noch immer 50 Lokführer

Der Berliner S-Bahn fehlen derzeit rund 50 Lokführer. Das sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner am Mittwoch bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses. Der Senat will Anfang Februar über eine Ausschreibung entscheiden.

Foto: Massimo Rodari

Auch ohne Eis und Schnee müssen die Nutzer der Berliner S-Bahn weiter mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen. Waren es in den vergangenen zwei Jahren vor allem technische Defekte, die für Ausfälle sorgten, so machen der Bahntochter inzwischen Personalprobleme immer stärker zu schaffen. Wie S-Bahn-Chef Peter Buchner am Mittwoch sagte, fehlen dem Unternehmen derzeit rund 50 Triebfahrzeugführer. Um das Fahrplan-Angebot zu erfüllen, würden mindestens 960Lokführer benötigt, tatsächlich verfügbar seien aber nur 910, sagte Buchner bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses.

Zwar habe das Unternehmen die Zahl der Schulungen für 2012 stark erhöht, doch wegen der Ausbildungsdauer von neun Monaten könnte die Lücke kurzfristig nicht geschlossen werden. Laut Buchner seien bereits im Vorjahr 60 junge Leute zu Triebfahrzeugführern ausgebildet, doppelt so viele wie in den Jahren zuvor. 2012 sollen nun 130 Mitarbeiter für den Einsatz im Fahrdienst qualifiziert werden.

„Personalpolitik verfehlt“

Der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, machte indes eine verfehlte Personalpolitik der S-Bahn für den aktuellen Fahrermangel verantwortlich. Das Problem sei absehbar gewesen, da die Bahntochter aus Einspargründen die Zahl der Mitarbeiter in den vergangenen Jahren stark reduzierte habe. Hätte das Unternehmen 2003 noch über mehr als 1000 Lokführer verfügt, so seien es 2007 nur noch 833 gewesen. „Da hat man einfach zu viel abgebaut“, sagte Franz. S-Bahn-Chef Buchner wies diese Kritik jedoch zurück. Bei der Bewertung müsse berücksichtigt werden, dass 2003 noch ein anderer Tarifvertrag galt. Danach hätten Lokführer nur 36 Stunden pro Woche gearbeitet, heute seien es 40 Stunden. „Daraus ergibt sich ein anderer Personalbedarf“, sagte Buchner. Der aktuelle Fahrermangel sei vor allem durch den großen Mehrbedarf an Fahrten entstanden, etwa in die Werkstätten oder zu Inspektionen.

S-Bahn und die Netzsparte der Deutschen Bahn kündigten weitere Konsequenzen aus dem Total-Zusammenbruch des S-Bahn-Verkehrs Ende vorigen Jahres an. So soll etwa bis Jahresende ein zweites Notstromsystem für die Betriebszentrale aufgebaut werden. Der Ausfall dieser Anlagen hatte am 15. Dezember dafür gesorgt, dass fast im gesamten S-Bahn-Netz die Züge still standen. Allein dafür habe es Strafabzüge in Höhe von 300.000 Euro durch den Senat gegeben, sagte S-Bahn-Chef Buchner. Die Entschädigung von Fahrgästen habe nach Einzelfallprüfungen dagegen nur etwa 5000 Euro gekostet. Eine generelle Entschädigung aller Fahrgäste lehnte Buchner erneut ab.

Offen bleibt weiterhin, wie der Senat den S-Bahn-Betrieb nach Auslaufen des Vertrags mit der Deutschen Bahn Ende 2017 gestalten will. Verkehrssenator Michael Müller (SPD) kündigte eine „zeitnahe Entscheidung“ an. Das könnte am 1.Februar, vielleicht aber auch erst am 4. oder 5. Februar sein, sagte Müller. Nachdem Bahnchef Rüdiger Grube definitiv erklärt hatte, dass er die S-Bahn nicht an das Land Berlin verkaufen will, prüfen die Senatsbehörden alternativ die Ausschreibung eines Teilnetzes (Ringbahn-Linien) oder eine Vergabe des Auftrags an ein landeseigenes Unternehmen wie die BVG.