Tatort Berlin

So können Sie sich vor Einbrechern schützen

Tatort Berlin: Profis benötigen für einen Einbruch weniger als drei Minuten. Schaffen sie es in dieser Zeit nicht, geben sie auf. Deshalb suchen die Täter die Möglichkeit zum schnellen Einstieg in die Wohnung. Den kann man verhindern – mit technischen Mitteln.

Foto: David Heerde

Der Schraubenzieher ist solide und liegt gut in der Hand. Er passt genau in die Kerbe zwischen Fenster und Rahmen – das perfekte Einbruchswerkzeug. Drei, vier kräftige Hebelbewegungen und das Fenster ist offen. So dringen Einbrecher am häufigsten in Wohnungen und Häuser ein. In den meisten Fällen reicht ein bisschen Kraft. „Wenn Fenster oder Türen nicht besonders gesichert sind, brauchen die Täter nur wenige Sekunden, um einzusteigen“, sagt Kriminalhauptkommissar Georg von Strünck.

Der 49-Jährige ist bei der Berliner Polizei für den Bereich „Technische Prävention“ zuständig. Er weiß, dass viele Menschen mit der Sicherheit ihres Zuhauses zu nachlässig umgehen. „Das Mindeste ist, beim Verlassen der Wohnung die Fenster zu schließen und die Haustür nicht nur zuzuziehen, sondern abzuschließen“, sagt er. Dies reiche natürlich nicht aus, um wirklichen Schutz vor Einbrechern zu garantieren. Deshalb empfiehlt von Strünck, Haus oder Wohnung durch entsprechende Sicherheitstechnik zu schützen. In der Beratungsstelle des Landeskriminalamtes (LKA) am Platz der Luftbrücke in Tempelhof bieten er und sein Team einen kostenlosen Beratungsservice. Dort präsentieren sie auch einbruchsichere Fenster, schwere Türriegel oder spezielle Schutzbeschläge. Die Vorkehrungen müssen dabei nicht auf ewig Widerstand leisten. „Wenn der Einbrecher es nach spätestens drei Minuten nicht geschafft hat, einzudringen, gibt er auf“, so von Strünck.

Auf DIN-Siegel achten

Der Präventionsexperte rät, Fenster und Türen gut zu sichern, denn ohne Zusatzsicherung haben Einbrecher ein leichtes Spiel. Gerade zweiflüglige Altbautüren sind leicht zu überwinden. Die Täter ziehen einfach von außen den kleinen Riegel nach oben, der die schmalere Türseite hält, und stehen binnen Sekunden im Raum. Dies verhindern sogenannte Quer- oder Längsriegel. Ein Querriegel stabilisiert die Tür in voller Breite und hakt in Schließkästen, die im Mauerwerk verankert sind. Sofern die Tür selbst stabil ist, stelle das ein unüberwindbares Hindernis für Einbrecher dar, so der Kriminalhauptkommissar. Die Kosten für hochwertige Querriegel beginnen bei rund 300 Euro. Alternativ bietet sich ein Längsriegel an. Er funktioniert im Prinzip ähnlich wie der Querriegel und wird fest im Boden verankert. Von Strünck empfiehlt, dabei auf die DIN-Norm „V ENV 1627“ zu achten. Sie ist in sechs verschiedene Widerstandsklassen (WK) aufgeteilt. Wirksamen Schutz gebe es erst ab Klasse Zwei. Sie garantiert, dass Türen oder Fenster mindestens drei Minuten einem Einbruchsversuch mit Schraubenziehern, Zangen und Keilen widerstehen. Widerstandsklasse Drei hält für fünf Minuten einem Brecheisen stand.

Um zu verhindern, dass der Täter ein Fenster aufhebelt, bieten sich etwa sogenannte „Pilzköpfe“ an. Sie krallen sich in im Rahmen fest verankerte Beschläge. Für einen Einbrecher ist es dann fast unmöglich, einzudringen. Auch bis zu 20 Jahre alte Fenster lassen sich so nachrüsten. Der Schutz gegen ungebetene Gäste hat allerdings seinen Preis: Der VdS, ein Sicherheitsunternehmen, das zum Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gehört, beziffert die Kosten pro Fenster zwischen 200 und 300 Euro plus Einbau. Zudem bieten abschließbare Fenstergriffe guten Einbruchsschutz, wenn die Qualität stimmt.

Hauseigentümer müssen sich auf weit umfangreichere Sicherungsmaßnahmen einstellen. Experten empfehlen etwa, Kellerfenster durch Sicherheitsglas und Gitter zu sichern, da sie sonst ein typischer Schwachpunkt sind. Denn normale Gitterroste können problemlos aufgehebelt werden. Einfache Rollläden bieten ebenfalls nicht ausreichend Schutz, da sie mühelos hochzuschieben sind. Abgerundet wird das Angebot der Sicherheitsindustrie von einer Vielzahl von Alarmanlagen: Von akustischen und optischen Signalen durch Bewegungsmelder an Türen und Fenstern bis hin zum „stillen Alarm“ reicht die Bandbreite. Aber Sicherheitsexperten warnen davor, sich allein auf die Elektronik zu verlassen. Schließlich melden Alarmanlagen nur den Einbruch, verhindern ihn aber nicht.

Mieter sollten sich zur Sicherheit mit dem Eigentümer in Verbindung setzen, wenn sie entsprechende Sicherheitstechnik einbauen lassen wollen. Verschiedene Gerichte urteilten in der Vergangenheit, dass etwa der Einbau eines Türspions vom Vermieter genehmigt werden muss. Die Kosten für die Umbauten muss allerdings immer der Mieter tragen, einen gesetzlichen Anspruch auf Sicherheit in den eigenen vier Wänden gibt es in der Regel nicht. Nur wenn bereits mehrere Male versucht wurde, in die Wohnung einzubrechen, könnten im Einzelfall die Kosten auf den Vermieter umgelegt werden, so Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins. Darüber hinaus sollten sowohl Mieter als auch Eigenheimbesitzer darauf achten, dass der Einbau nur von qualifizierten Fachleuten ausgeführt wird. Denn schon die kleinsten Ungenauigkeiten führen dazu, dass etwa ein teures Sicherheitsschloss nicht richtig schließt und dadurch geknackt werden kann. Zudem sollte der Kunde vor dem Einbau auf eine ausführliche Beratung bestehen. Das Berliner LKA hat daher eine Liste mit rund 60 Fachfirmen erstellt, die ihre fachliche Qualifikation nachgewiesen haben.

Viele Einbrüche könnten durch das Befolgen einfacher Grundregeln vermieden werden. Schlüssel sollten etwa nie draußen versteckt werden, rät die Polizei. Wenn ein Schlüssel verloren geht, sollte immer das Schloss ausgewechselt werden. Auch bei kurzer Abwesenheit müssen Fenster, Balkon- und Terrassentüren – in allen Etagen – immer fest verschlossen werden. In Mehrfamilienhäusern ist darauf zu achten, dass die Haustür auch tagsüber verschlossen ist.

Wohnung bewohnt wirken lassen

Auch hilfsbereite Nachbarn können helfen, sich vor Einbrechern zu schützen. So ist es sinnvoll, bei längerer Abwesenheit den Briefkasten regelmäßig vom Nachbarn leeren zu lassen, um zu vermeiden, dass potenzielle Einbrecher schon von außen sehen, ob eine Unterkunft gerade unbewohnt ist. Auch ständig heruntergelassene Rollläden oder zugezogene Vorhänge sind eindeutige Signale. Es bieten sich Zeitschaltuhren für Beleuchtung oder elektrische Rollläden an. Um Einbrechern die Arbeit nicht noch zu erleichtern, rät die Polizei, Gartenmöbel oder Mülltonnen bei Abwesenheit wegzuschließen oder mit einer Kette zu befestigen. Häufig werden sie als Aufstiegshilfe genutzt.

Sicherheitsexperte von Strünck sagt, die Einsicht, dass das Geld für die eigene Sicherheit gut investiert ist, sei nicht bei jedem vorhanden. „Wir Menschen werden eben erst aus einem Schaden klug.“

Expertentipps von der Polizei

Ratsuchende finden die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof, Platz der Luftbrücke 5. Anfragen unter Tel.: (030) 4664-979999 oder per E-Mail (einbruchschutz@polizei.berlin.de).

Die persönliche Beratung in der Dienststelle ist bis zu einer Dauer von 30 Minuten kostenlos. Eine Beratung zu Hause kostet 40 Euro pro halbe Stunde (zzgl. vier Euro Anfahrtsgebühren).

Die Öffnungszeiten sind Mo. 10–18.30 Uhr, Di. bis Do. 8–15 Uhr, freitags geschlossen.

Die Mitarbeiter beraten auch Immobilienbesitzer bereits in der Bauplanungsphase. Termine dafür sind per Telefon vorab zu vereinbaren.

Nächster Teil: Wer sind die Täter?

Die Berliner Morgenpost veranstaltet am Sonntag, 4. März 2012, exklusiv für ihre Leser eine Telefon-Aktion zum Thema Einbrüche. Dort beantworten von 10 bis 12.30 Uhr Experten der Berliner Polizei Fragen zur Kriminalitätslage und geben Tipps, wie Sie Ihr Eigentum sinnvoll schützen. Zudem steht ein Experte des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft Rede und Antwort. Ein Psychologe des Weißen Rings erläutert, wie Betroffene mit den seelischen Folgen nach einem Einbruchsdelikt fertig werden. Alle Details und Telefonnummern erhalten Sie am Sonntag.