Fachkräftemangel

Berlin fehlen bis 2015 fast 5000 Kita-Erzieher

In Berliner Kitas droht laut der Gewerkschaft GEW ein dramatischer Fachkräftemangel: Bis 2015 brauche die Hauptstadt 7650 neue Erzieher.

Foto: Birgit Schücking

In den Kitas droht laut Gewerkschaft GEW ein dramatischer Fachkräftemangel. Schon jetzt könnten viele Stellen mangels Bewerbern nicht besetzt werden. Bis 2015 werden in Berlin mindestens 7650 neue Erzieher für Kitas benötigt. Das ergibt sich aus Berechnungen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Demnach werden aber im selben Zeitraum nur 6300 Absolventen mit der Ausbildung fertig. Erfahrungsgemäß suchen davon nur 65 Prozent eine Stelle in der Kita. Die anderen gehen an Schulen oder Jugendeinrichtungen. Zusätzlich gehe ein Teil der Fachkräfte in andere Bundesländer, weil sie dort mehr verdienen, sagt Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW. Praktisch könne Berlin daher nur mit 3500 Absolventen rechnen. Jede zweite offene Stelle bliebe demnach unbesetzt. Noch höher wäre der Bedarf, wenn wie im Koalitionsvertrag festgelegt, auch die Qualität in den Kitas erhöht werden soll.

Besonders besorgniserregend sei, dass die derzeit in den Kitas arbeitenden Erzieher mindestens 40 Jahre oder älter sind. Die meisten Kolleginnen könnten nach dem 60. Lebensjahr nicht mehr in dem Beruf arbeiten, weil sie körperlich nicht mehr dazu in der Lage seien, so Doreen Siebernik. Gleichzeitig sollen bis 2015 laut Prognose der Bildungsverwaltung 19.000 neue Kitaplätze benötigt werden.

Erzieher-Gewerkschaft kritisiert Berliner Senat

Die Gewerkschaft fordert den Senat auf, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um den Fachkräftebedarf zu sichern. Allein 20 Millionen für den Ausbau der Plätze bereitzustellen, reiche nicht aus, so Siebernik. Schließlich müssten die Kinder auch betreut werden. Die staatlichen Ausbildungsplätze müssten deutlich aufgestockt werden. Zudem sollen Berufsanfänger ähnlich wie bei den Jung-Lehrern in eine höhere Gehaltsgruppe eingestuft werden. Denn derzeit erhielten die Berliner Erzieher weniger Geld erhalten als in anderen Bundesländern. Auch die Bedingungen in den Arbeitsverträgen seien häufig unattraktiv. So würden etwa die Eigenbetriebe City und Süd-West trotz des großen Bedarfs noch immer nur befristete Teilzeitverträge vergeben. Um Erzieher für Berlin zu gewinnen, müssten aber unbefristete Verträge für Vollzeitstellen abgeschlossen werden.

Für die Anleitung der Quereinsteiger, die vermehrt in den Kitas arbeiten und berufsbegleitend eine Ausbildung machen, müssten den Erziehern zusätzliche Zeiten zur Verfügung gestellt werden. Derzeit sei das nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Die nicht ausgebildeten Quereinsteiger würden sogar zu 100 Prozent auf die Personalausstattung angerechnet. Dabei soll die Zahl der Quereinsteiger aus anderen Berufen deutlich ausgebaut werden. In diesem Jahr werden 211 Quereinsteiger mit ihrer Teilzeitausbildung fertig, 2015 sollen es 1200 sein. Dem Arbeitsmarkt stehen diese jedoch nicht zur Verfügung, da sie ja jetzt schon voll in den Kitas eingesetzt sind.

Sprachförderung muss ausfallen

Steffi Wismayer, Leiterin der Kita am Seelbuschring vom Kita-Eigenbetreib Süd-West, bekommt schon jetzt den Fachkräftemangel zu spüren. „Eine Kollegin scheidet jetzt aus und es ist praktisch unmöglich, im laufenden Kitajahr Ersatz zu finden“, sagt sie. Der Bewerbermarkt sei leer. Jetzt könne sie nur auf die Absolventen hoffen, die im Sommer fertig werden. In der Praxis heiße das, dass die Kollegen die Betreuung der Kinder mit absichern müssten. Die Arbeit mit dem Sprachlerntagebuch oder Ausflüge mit der Gruppe müssten dann auf der Strecke bleiben, so die Kita-Leiterin. „Es ist auch schwer, wichtige Fortbildungen zu genehmigen, wenn nicht einmal alle Stellen besetzt sind“, sagt Steffi Wismayer. Es leide ganz klar die Qualität in der Kita.

Der Kita Eigenbetrieb City kann nach Angaben von Christiane Weißhoff derzeit 30 Stellen nicht besetzen. Es gebe keine Bewerber, gleichzeitig würden die Kitaplätze von den Eltern dringend benötigt. Das Land Berlin müsse die Werbung für den Erzieherberuf an Schulen dringend verstärken, so Weißhoff.