Notstand

Kita-Neugründungen haben es schwer in Berlin

Initiativen und Vereine kämpfen in Berlin um Grundstücke, damit sie die dringend benötigten Einrichtungen für Kinder endlich eröffnen können. Vom Senat werden sie dabei kaum unterstützt.

Foto: M. Lengemann

Initiativen, die neue Kindertagesstätten einrichten wollen, fühlen sich trotz des drohenden Kita-Notstandes häufig nicht genügend unterstützt von Senat und Bezirken. „Wir kämpfen überall gegen Probleme und stoßen auf wenig Interesse“, beklagt Lucyna Kròlikowska. Sie will mit ihrem Verein Nike, den polnische Unternehmerinnen gegründet haben, Berlins erste zweisprachige deutsch-polnische Kita eröffnen. Der Bedarf an Kita-Plätzen für die inzwischen mehr als 40.000 Bürger umfassende polnische Gemeinschaft sei enorm, sagt Kròlikowska. Mehr als 100 Kinder seien schon angemeldet, und 90 Prozent von ihnen seien bis zu drei Jahre alt und brauchten Betreuung. Auch das Jugendamt drängele, würde die Kinder gerne in einer angemessenen Einrichtung unterbringen. Zudem beschwerten sich bereits Eltern, weil der Start der Kita so viel Zeit benötige. Zu recht.

Seit mehr als einem Jahr verhandelt Nike mit dem Liegenschaftsfonds des Landes und dem Bezirk Lichtenberg über ein Grundstück. Ein Preisnachlass für das Objekt, um das der Verein nachgesucht hatte, wird nicht gewährt. „Wir müssen uns an einem Bieterverfahren beteiligen“, sagt die Unternehmerin. Hinzu käme ein Neubau für 2,5 Millionen Euro plus die Abrisskosten für das bestehende alte Gebäude. Die Initiatoren hoffen, diese Kosten aus den Zahlungen der öffentlichen Hand für die Betreuung von mindestens 200 Krippen- und Kita-Kindern erwirtschaften zu können. „Aber irgendein Entgegenkommen durch die Politik oder die Verwaltung hat es für uns nicht gegeben“, beklagt Vereinschefin Lucyna Kròlikowska. Dabei wäre es für die sehr integrationswillige und schnell wachsende Gruppe der Polen ein gutes Signal, wenn es ein solches bilinguales Angebot in Berlin gebe. Auch der Integrationsbeauftragte habe sich nicht um das Projekt gekümmert.

Dem Bezirk seien die Hände gebunden, sagt dazu die Jugendstadträtin Christina Emmrich (Linke). Grundstücke, die an den Liegenschaftsfonds gegangen sind, müssen meistbietend verkauft werden. Zwar gebe es die Absichtserklärung vom Senat, dass Kita-Träger angesichts des Notstandes günstiger und bevorzugt an die Grundstücke aus dem Landesbesitz kommen sollen, doch es fehle immer noch der Beschluss zur Umsetzung. „Es ist jetzt wichtig, dass schnell gehandelt wird“, sagt Stadträtin Emmrich. Allein in Lichtenberg fehlen in den kommenden zwei Jahren 1200 Kita-Plätze.

Auch die Jugendstadträtin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), drängt auf schnelles Handeln. Zwar sei es dem Bezirk gelungen, Grundstücke für Kitas aus dem Liegenschaftsfonds zurückzuholen, doch dieses Unterfangen habe bis zu eineinhalb Jahre gedauert. An der Frankfurter Allee kann nun endlich auf einem ehemaligen Bezirksgrundstück mit dem Bau einer Kindertagesstätte begonnen werden. Hinzu kam, dass der Bezirk dem Liegenschaftsfonds dafür auch noch Ausgleichgrundstücke liefern musste. Inzwischen sei für Neubauten kaum noch Platz. Die Träger könnten nur noch Räume Mieten. Doch hier seien sie auf höhere Zuschüsse angewiesen“, so Herrmann.

An der Suche nach geeigneten Räumen für eine Kita ist der Verein „Kurz und klein“ in Treptow fast gescheitert. Zwei Jahre lang haben die Eltern der Initiative mit Behörden und Vermietern verhandelt. Unterstützung vom Bezirk habe es nicht gegeben. „Die meisten Eltern, die die Initiative gegründet hatten, sind inzwischen gar nicht mehr dabei“, sagt Volker Friedrich-Schmied vom Vorstand des Vereins. Entweder hätten die Vermieter keine Kinder im Haus gewünscht, oder die Behörden hätten die Räume für die vorgesehene Nutzung abgelehnt. Jetzt endlich habe die Elterninitiative eine ideale Wohnung mit Gartenanteil gefunden, doch die Behörde erlaube darin keine Kita, weil es drei Stufen zu viel gebe, sagt Friedrich-Schmied.

Der Verein will statt der für 15 Kinder konzipierten Kita nun zunächst eine Tagespflegestelle mit nur fünf Kindern eröffnen. „Da gibt es andere Vorschriften“, sagt Friedrich-Schmied. Dabei ist auch in Treptow-Köpenick der Bedarf an zusätzlichen Kita-Plätzen groß. In den Jahren 2008 bis 2010 sind hier knapp 6400 Kinder geboren worden, 500 mehr, als ursprünglich prognostiziert waren.