Berlin

Fast jedes zweite Kind hat Betreuungsplatz

Mehr als 40 Prozent der Berliner Kleinkinder unter drei Jahren werden in einer Krippe oder von einer Tagesmutter betreut. Damit liegt die Hauptstadt über dem Bundesdurchschnitt. Neue EU-Auflagen erschweren Tagesmüttern allerdings die Arbeit.

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Immer mehr Ein- und Zweijährige werden in Deutschland in einer Krippe oder von einer Tagesmutter betreut. Inzwischen habe fast ein Viertel der unter Dreijährigen einen Betreuungsplatz, heißt es im neuen Familienreport des zuständigen Bundesministeriums. Besonders die gut situierten Familien nutzten die staatlich geförderten Angebote „früh und intensiv“.

Die Studie zeigt zudem, dass es noch immer einen großen Ost-West-Unterschied gibt: So liegt die Betreuungsquote in den neuen Bundesländern mit 49 Prozent zweieinhalb Mal höher als in Westdeutschland. In Berlin nutzen 42 Prozent der unter Dreijährigen ein Angebot. Damit gibt es gegenüber 2009 einen deutlichen Anstieg in Deutschland und einen leichten Anstieg bei den in Berlin betreuten Kindern. Rund 91 Prozent dieser Kinder haben einen Krippenplatz; neun Prozent werden von einer Tagesmutter oder einem Tagesvater betreut. In vielen westdeutschen Ländern ist der Anteil der Tagespflege am Betreuungsangebot deutlich größer: So decken in Schleswig-Holstein oder in Nordrhein-Westfalen Tagesmütter fast ein Drittel der Plätze ab. In einigen ostdeutschen Ländern wie etwa Thüringen gibt es dagegen fast ausschließlich Kindertagesstätten.

Ministerium fördert Ausbau der Kinderbetreuung

Für das Bundesfamilienministerium ist der konsequente Ausbau der Kinderbetreuung „eine der wichtigsten Aufgaben wirksamer Familienpolitik“. Drei Viertel der Bevölkerung sähen eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung für Klein- sowie für Schulkinder „als wichtigste Maßnahme für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf an“. Nach Ansicht des Ministeriums profitieren vor allem Kinder aus sozial schwachen Haushalten, aus Alleinerziehendenfamilien sowie aus Migrantenfamilien von der aushäusigen Betreuung.

Tatsächlich sind jedoch ausländische Kinder und Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen in den Krippen deutlich unterrepräsentiert. Ab Sommer 2013 haben Kinder ab einem Jahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Vor allem in Westdeutschland muss das Ausbautempo erhöht werden, zumal für rund ein Drittel der unter Dreijährigen ein Angebot bereitgehalten werden soll. Experten monieren, dass vielfach die Qualität der Betreuung zu wünschen übrig lässt. Vor allem die Personalausstattung in den Kindertagesstätten gilt als verbesserungswürdig, wobei die ostdeutschen Länder besonders schlecht dastehen.

EU-Richtlinie macht Tagesmüttern zu schaffen

Tagesmüttern in Berlin macht seit Anfang des Jahres hingegen eine neue EU-Richtlinie Probleme: Sie sollen nach dem Willen der Europäischen Union rechtlich wie Lebensmittelunternehmen behandelt werden – mit allen entsprechenden Regeln, vor allem Hygienevorschriften. Dazu gehören etwa ein Kühlschrankthermometer oder dass die Waschmaschine nicht mehr in der Küche stehen darf.

Für die Umsetzung der Hygieneverordnung seien die Veterinärämter der Bezirke zuständig, erklärt die Senatsverwaltung für Gesundheit. Dort gibt es für das Vorgehen gegenüber den Tagesmüttern bisher keine klare Linie. Ob, wie und mit welchen Konsequenzen Tagesmütter von Lebensmittelkontrolleuren besucht werden, scheint davon abzuhängen, in welchem Bezirk sie leben. „Wir sind gebunden, das umzusetzen“, sagte der zuständige Stadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Marc Schulte (SPD). Bußgelder sollen nicht sofort fällig werden. Vielmehr plädiert Schulte für Fortbildungen.