Straße des 17. Juni

Bezirk Mitte stellt Großevents infrage

Weil sich Veranstaltungen zu Fashion Week, Christopher Street Day und Fußball-EM 2012 räumlich und zeitlich in Berlin-Mitte überschneiden, sieht der Bezirk die Sicherheit der Besucher nicht mehr gewährleistet. Gibt es keine Einigung mit den Organisatoren, muss eines der Events wohl abgesagt werden.

Foto: Massimo Rodari

Als die Höhepunkte des Sommers 2012 stehen sie seit Langem im Berliner Veranstaltungskalender: Fashion Week, Christopher Street Day (CSD) und die Fanmeile zur Fußball-Europameisterschaft sollen im Juni und Juli Touristen zu Tausenden in die Stadt locken und den Berlinern ein neues Sommermärchen bescheren. Doch nun hat Carsten Spallek (CDU), Ordnungsstadtrat von Berlin-Mitte, die Großevents infrage gestellt.

Weil sich auf der Straße des 17. Juni und am Brandenburger Tor die drei Veranstaltungen zeitlich überschneiden, sieht Spallek die Sicherheit der Besucher nicht mehr gewährleistet. Insbesondere das Zelt der Mercedes Benz Fashion Week am Brandenburger Tor betrachtet der Stadtrat als Sicherheitsproblem für Besucher der Fanmeile. „Dadurch wird ein wichtiger Fluchtweg versperrt“, warnt er.

Spallek will mit den Veranstaltern klären, ob sie Änderungen an ihren Zeitplänen oder Konzepten für möglich halten. Sollten die Antragsteller nicht kompromissbereit sein, werde seine Behörde eine oder mehrere Veranstaltungen nicht genehmigen können, kündigt er an: „Eine zweite Duisburg-Loveparade wird es mit mir nicht geben“. Bei einer Massenpanik waren dort vor gut anderthalb Jahren 21 Menschen ums Leben gekommen.

Obwohl die Polizei die Straße des 17. Juni wegen des umliegenden Tiergartens für weitgehend paniksicher hält, will Spallek Ereignisse wie in Duisburg dort nicht ausschließen. Immerhin seien auch 2010 beim Spiel Deutschland gegen Ghana Ordner verletzt worden, als Fans auf die bereits wegen Überfüllung geschlossene Partymeile gedrängt waren. „Niemand kann voraussehen, was geschieht, wenn sich im Ernstfall Menschenmassen zum Brandenburger Tor bewegen und dort durch das Zelt die Fluchtmöglichkeiten versperrt sind“, so der Ordnungsstadtrat.

Das Problem-Wochenende

Besonders eng wird es nach seinen Angaben um das Wochenende 23. und 24. Juni herum. Dann soll das Fanfest (8. Juni bis 1. Juli) bereits laufen. Am 23. Juni wollen die Veranstalter des CSD ihre bunte Parade unter anderem über Großen Stern und die Straße des 17. Juni zum Brandenburger Tor führen. Am 24. Juni sollen die Aufbauarbeiten für die Mercedes Benz Fashion Week zwischen Brandenburger Tor und Yitzak-Rabin Straße beginnen. Damit wären sich Organisatoren von CSD und Modewoche bei Ab- beziehungsweise Aufbauarbeiten im Wege. Die Stände und Übertragungstechnik des Fanfestes würden den Raum zusätzlich eng machen.

Allerdings möchte Fanmeilen-Initiator Willy Kausch ohnehin nur bei den Deutschland-Spielen zum Public Viewing laden. Würde die deutsche Mannschaft über das Viertelfinale (21./22. Juni) nicht hinauskommen, hätten sich die Sorgen des Bezirks Mitte ohnehin erübrigt. Selbst fürs Finale will Kausch seine Partymeile nicht öffnen, sollten die Deutschen nicht dabei sein. „Die Erfahrungen der letzten Fanfeste haben gezeigt, dass sich das nicht lohnt“, sagt Kausch. Robert Kastl vom CSD Berlin wundert sich ohnehin über Spalleks Vorstoß. „Ich bin ratlos, was das überhaupt soll“. Überschneidungen mit Fashion Week und Fanmeile habe es auch früher schon gegeben. „Wir haben bisher immer Lösungen gefunden“, betont Kastl.

Auf Kompromisse mit den Veranstaltern setzt auch der Senat. „Wir sind mit dem Bezirk Mitte in engem Kontakt, um schnellstmöglich eine Lösung zu finden“, versichert auch Senatssprecher Richard Meng. Sollte es bis Ende Februar keine Einigung geben, müsse allerdings tatsächlich eine Veranstaltung abgesagt werden. Klar ist für Meng bereits jetzt: Die Straße des 17. Juni wird nicht während der gesamten Fußball-EM wegen des Fanfestes für Autofahrer geschlossen. „Wenn zwischen den Spielen der deutschen Mannschaft vier Tage liegen, dann geben wir die Straße zwischendurch wieder frei.“ Bisher hatte es geheißen, aus logistischen Gründen könne die Fahrbahn an spielfreien Tagen nicht geöffnet werden.

Über die häufigen Sperrungen der Ost-West-Magistrale gibt es seit Langem Kontroversen. 72 Veranstaltungen haben 2011 auf der Straße des 17. Juni und am Brandenburger Tor stattgefunden. „Wir sind an der Belastungsgrenze angelangt“, glaubt Senatssprecher Meng. Schon im vergangenen Jahr hatte er eine Debatte darüber angekündigt, für welche Events der Bereich zwischen Großem Stern und Brandenburger Tor wirklich gesperrt werden müsse. Gespräche über diese Frage habe es bisher aber nicht gegeben, räumt Meng ein.