Weißensee

Totes Kind - Senatorin überprüft Jugendämter

Nach dem tragischen Tod der zweijährigen Zoe in Berlin-Weißensee haben die Behördem Versäumnisse eingeräumt: Mitarbeiter des Jugendamts waren demnach vor dem Todesfall mehrere Tage nicht in der Wohnung. Auch der Bruder des Opfers wurde offenbar misshandelt.

Foto: dpa / dpa/DPA

Nach dem tragischen Tod der zweijährigen Zoe in Berlin-Weißensee hat der Berliner Senat angekündigt, die Arbeit der Jugendämter intensiv zu prüfen. „Wir brauchen eine genaue Analyse, weil wir dann auch einschätzen können, ob es in unserem bereits sehr engen Berliner Netz des Kinderschutzes noch Lücken gibt, die wir schließen müssen, oder ob es andere Versäumnisse gab“, sagte Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) Morgenpost Online.

Zum aktuellen Fall meinte die Senatorin: „Der Tod des kleinen Mädchens ist schockierend und tragisch.“ Nun müsse insbesondere geklärt werden, warum es trotz der vom Jugendamt eingeleiteten Familienhilfe zum Tod des Kindes gekommen sei. Scheeres betonte, dass die beiden Geschwister des verstorbenen Mädchens nun in ein „geschütztes Umfeld kommen und dort begleitet und betreut werden.“

Mutter war nicht zu Hause

Die 25-jährige Melanie S. hatte ihre Tochter Zoe in der Nacht zu Dienstag leblos in ihrem Bett in der Wohnung an der Indira-Gandhi-Straße in Weißensee gefunden. Sie verständigte den Notarzt, der jedoch nur noch den Tod des kleinen Mädchens feststellen konnte. Irgendwann in der Nacht muss das Kind aufgehört haben zu atmen.

Ihre Mutter war zu dem Zeitpunkt nicht in der Wohnung. Erst gegen fünf Uhr morgens soll sie nach Hause gekommen sein. Am Körper der Zweijährigen wurden darüber hinaus mehrere frische und ältere Blutergüsse festgestellt, welche auf eine Misshandlung schließen lassen könnten. Die Obduktion der Leiche ergab zudem, dass das Kind an einem Darmriss mit anschließender Bauchfellentzündung gestorben ist.

Die Familie wurde seit Oktober intensiv vom Jugendamt betreut. Auf Anfrage von Morgenpost Online räumte die Pankower Jugendstadträtin Christine Keil (Linke) am Donnerstag jedoch ein, dass möglicherweise mehrere Tage vor dem tragischen Todesfall kein Mitarbeiter des Jugendamtes in der Wohnung gewesen sei. „Es war nicht das Hilfsziel, jeden Tag dort zu sein.“

Zuvor hatte die Stadträtin die Leitung des freien Trägers, dessen Mitarbeiterinnen die Familie betreuten, zu einem Krisentreffen einberufen. Im Anschluss erklärte das Jugendamt erneut, dass es keine Hinweise auf eine Gefährdung der Kinder gegeben habe. Die Hämatome seien erst festgestellt worden, als die zwei weiteren Kinder in der Familie nach dem Todesfall in Obhut genommen wurden.

Auch Zoes Zwillingsbruder könnte misshandelt worden sein

Wie Morgenpost Online erfuhr, könnte auch der Zwillingsbruder des gestorbenen Mädchens misshandelt worden sein: Im Gesicht des Jungen seien Blutergüsse festgestellt worden. Zudem soll das Kind einen Armbruch erlitten haben. Das bestätigte das Jugendamt, teilte jedoch mit, dass der Armbruch für die Betreuer nicht zu erkennen war – die Verletzung sei unter langer Bekleidung versteckt gewesen.

Die Polizei geht nicht davon aus, dass es sich dabei um Folgen eines Unfalls handele. Sie ermittelt gegen Melanie S. und ihren 24 Jahre alten Lebensgefährten Matthieu K. wegen Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge. Melanie S. wird zudem eine Verletzung der Fürsorgepflicht vorgeworfen.

Auch der Lebensgefährte der Mutter ist dem Jugendamt bekannt. Der Mann, gegen den nun ermittelt wird, sei nach Ansicht des Amtes gut in die Familie integriert gewesen und habe die Kinder etwa auch bei Arztbesuchen begleitet. „Der Mann hat sich nicht so verhalten, als lebe er außerhalb der Familie“, hieß es.

Parlamentarisches Nachspiel

Der Fall Zoe wird auch ein parlamentarisches Nachspiel haben. „Wenn es Verfehlungen gegeben hat, müssen daraus Konsequenzen folgen“, sagte Björn Eggert, familien- und jugendpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Man werde den Fall im Jugendausschuss des Abgeordnetenhauses untersuchen. Dabei dürfe es nicht nur um persönliche Verantwortungen gehen, sondern auch darum, dass Kinder in Berlin besser geschützt werden.

„Wir müssen uns fragen, ob es ein spezielles Berliner Problem dabei gibt, wie Jugendämter, freie Träger und Familien zusammenarbeiten“, sagte Eggert weiter. Der Austausch zwischen den zuständigen Stellen müsse verbessert werden. „Es darf niemand durch das Raster fallen.“