Zirkus in Berlin

Warum Elefantendame "Mausi" sterben musste

Die kranke Elefantenkuh "Mausi" aus dem Circus Voyage wurde auf Reisen geschickt. Doch kurz vor Erreichen ihres neuen Zuhauses starb sie. Tierschützer erheben schwere Vorwürfe.

Foto: ddp

Zirkuselefant „Mausi“ ist wahrscheinlich an einem Darmverschluss gestorben. Das sagte jetzt Stadtrat Marc Schulte (SPD) aus Charlottenburg-Wilmersdorf. „Wir warten auf den endgültigen Sektionsbefund.“ Der Kadaver des Tieres wird in einer belgischen Veterinärklinik untersucht. „Mausi“ war am 17. Januar 2012 vor den Türen des Zoos Pairi Daiza südlich von Brüssel gestorben. Dorthin hatte der Circus Voyage, der derzeit am Berliner Olympiastadion gastiert, die Kuh verkaufen wollen.

Der Fall Mausi bewegt das Bezirksamt, den Zirkus und Tierschützer seit mehreren Jahren. Und mittlerweile auch die Staatsanwaltschaft Potsdam. Sie prüft eine Anzeige der Tierschutzorganisation Peta gegen das Veterinäramt Potsdam, weil es den Transport des kranken Zirkustiers im November 2011 nach einem Gastspiel in der Stadt nicht verhinderte.

Doch in erster Linie geht es jetzt um Mausis Reise nach Belgien. Mitglieder des Vereins Elefanten-Schutz Europa wollten die Elefantendame aus dem herumreisenden Zirkus herausholen und stationär unterbringen. Ihre Argumente: „Mausi“ war krank und sei in ihrer Herde unterdrückt worden. Die Tierschützer wollten den Transport zahlen und hatten eine neue Unterkunft besorgt: im belgischen Zoo Pairi Daiza. Zuvor war auch der Zoo Osnabrück im Gespräch gewesen.

Doch noch im vergangenen Jahr wollte der Zirkusdirektor den Elefanten nicht verkaufen. „Dann ging es 2012 ganz schnell“, sagte der Biologe Tobias Dornbusch vom Elefanten-Schutz-Verein. Sein Verdacht ist, dass der Zirkus das kranke Tier – das schon seit Jahren Auftrittsverbot hatte – abschieben wollte. „Wäre Mausi erst ein, zwei Wochen später, im belgischen Zoo gestorben, hätte das in Berlin für keinen Ärger mehr gesorgt.“ Zirkusdirektor Alois Spindler war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Stadtrat Schulte weist die Interpretation der Tierschützer zurück. „Wir haben nicht nach dem Motto gehandelt, wenn der Elefant weg ist, ist das Problem weg.“ Der Bezirk sei in einer schwierigen Situation. „Wir sind als Aufsichtsamt dafür, dass Wildtiere zur Winterzeit nicht in Zirkussen auftreten sollen. Aber rechtlich ist das erlaubt, und so haben wir nur die Möglichkeit zu kontrollieren, ob die Auflagen eingehalten werden“, sagte Schulte. Und die habe der Zirkus erfüllt. Außerdem sei „Mausi“ nach Ansicht der Veterinäre gesund genug für einen Transport gewesen. Das wurde am 16. Januar vom Amt bestätigt. Bei der Untersuchung war neben dem Amtstierarzt auch Dietmar Jarofke zugegen. Der Zoologe war rund 30 Jahre Tierarzt im Zoo Berlin und gilt als Elefanten-Kenner. Er hatte ebenfalls keine Einwände gegen Mausis Transport. „Sie stand in ihrer Herde, als ob nichts wäre. Kein Anzeichen von Stress“, sagt Jarofke. Der Transportwagen sei mit einem Heizschlauch aufgewärmt worden.

Den Umzug organisierte der Zirkus. Auf der Reise soll das Tier keinen Kot abgesetzt haben, was zu dem tödlichen Darmverschluss geführt haben könnte. Psychische Faktoren – ob Aufregung während des Transports die Ursache war – lassen sich in keiner Sektion feststellen. „Leider können wir nicht in den Elefanten hineingucken. Wir wussten von keiner Krankheit, außer von Arthrose. Aber die verhindert keinen Transport“, sagte Stadtrat Schulte.

„Mausi“ litt seit Jahren unter der Krankheit. Das hatte der ehemalige Zootierarzt Dietmar Jarofke schon vor zwei Jahren erstmals und jetzt Anfang Januar anhand von Messungen mit Wärmebildkameras bestätigt. „Der Elefant lahmte, keines seiner Beine war okay. Aber ich konnte die dramatische Einschätzung der Tierschützer nicht bestätigen, denn der Elefant konnte sich ablegen.“ Jarofke sprach sich aber gegen eine Verlegung in einen Zoo aus, um ihr dort Rangkämpfe in einer neuen Heerde zu ersparen.

Doch die hätten ihr wohl weder in Osnabrück noch in Belgien bevorgestanden. Der belgische Zoo baut derzeit erst eine Herde auf. Und der Zoo Osnabrück hat nach eigenen Angaben „gute Erfahrungen mit der Integration von Zirkuselefanten" gemacht. "Deshalb hatten wir das Angebot gemacht, Mausi aufzunehmen“, sagt Zoo-Direktorin und Tierärztin Susanne Klomburg. Der Zoo – in dem übrigens Matibi und Tutume aus dem Tierpark Berlin leben – hatte vor einigen Jahren die behinderte Elefantenkuh Sikim nach einer Beschlagnahme aus dem Zirkus Althoff erhalten. „Das Tier ist in unserer Herde aufgeblüht. Sikim hatte noch fünf gute Jahre bei uns“, so Klomburg. Das Angebot des Zoos Osnabrück, Mausi aufzunehmen, sei dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf bekannt gewesen. Doch Berlin beschlagnahmte nicht. Und der Circus Voyage gab seine Kuh nicht ab.

Dass das Bezirksamt "Mausis" Beschlagnahme abgelehnt hat, sieht Biologe Dornbusch vom Elefanten-Schutz-Verein kritisch. Die Tierschützer hatten Film-Aufnahmen von "Mausi" an die Afrikanische-Elefanten-Expertin Marion Garai geschickt. Im Ergebnis habe Frau Garai "Mausi" für transportunfähig gehalten. „Der Elefant hätte gar nicht mehr im Circus gehalten werden und herumreisen dürfen“, sagt Dornstedt.

Doch „Mausi“ blieb im Circus Voyage und wurde Richtung Brüssel transportiert. Es war ihre letzte Reise.