Neukölln

Wachschützer für einen Euro starten ihren Dienst

Mit Ein-Euro-Jobbern wehrt sich die Albert-Schweitzer-Schule gegen Drogen-Junkies: Am Montag startete die Schulstreife ihre Patrouillen an dem Neuköllner Gymnasium. Zugleich werden kostengünstigere Alternativen diskutiert.

Am Montag traten die Ein-Euro-Jobber vom Projekt „Schulstreife“ um 7 Uhr ihren Dienst vor der Neuköllner Albert-Schweitzer-Schule an. Nach Abschaffung des Wachschutzes soll die vom Jobcenter bezahlte Streife verhindern, dass schulfremde Störer das Gymnasium betreten.

Am vergangenen Donnerstag waren zwei Drogen-Junkies in die Schultoilette eingedrungen, um sich dort Heroin zu spritzen. Ähnliche Fälle sollen künftig die Männer und Frauen in den gelben Warnwesten verhindern. Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) will die Schulstreife auch auf andere Neuköllner Schulen in schwierigen Lagen ausweiten.

„Die Schulstreife hilft erst einmal, aber es kann nur eine Übergangslösung sein“, sagt Georg Krapp, Schulleiter des Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Die Schule werde nun versuchen, gemeinsam mit dem Bezirk eine technische Lösung für das Sicherheitsproblem zu finden. Der Einbau einer Schließanlage mit Fingerscangerät müsse aber zunächst ausgeschrieben werden.

Zudem könne eine solche Anlage nicht alle Probleme lösen. Schließlich habe die Sekretärin nicht die Zeit, um ständig die Eingangstür zu öffnen. In der Schule müssten auch Pädagogen und Schüler von kooperierenden Schulen Zutritt erhalten. „Die beste Lösung wäre ein Pförtner zusätzlich zur Schließanlage“, sagt Krapp. Das würde einen zivileren Eindruck machen als der Wachschutz und wäre auch günstiger, meint Krapp. Schließlich seien beim Wachschutz immer zwei Kollegen gleichzeitig vor Ort gewesen.

Vier Jahre lang hatten Wachschützer in Neukölln insgesamt 16 Schulen bewacht. Die Maßnahme konnte zum neuen Jahr aus finanziellen Gründen nicht mehr ausgeschrieben werden. Auf Senatsebene wurde der Neuköllner Sonderweg von Anfang an kritisch betrachtet.

Auch nach dem aktuellen Zwischenfall an der Albert-Schweitzer-Schule hatte der zuständige Staatssekretär Mark Rackles betont, dass man hier eher auf technische oder organisatorische Lösungen setze.

Die CDU-Fraktion will nun im Rahmen der Haushaltsverhandlungen prüfen, ob den Bezirken für Schulen in Brennpunkt-Kiezen zusätzliche Mittel für bauliche Maßnahmen – wie das Anbringen zusätzlicher Lichter, Chip- oder Schließsysteme – zur besseren Sicherung des Schulgeländes gewährt werden können, hieß es gestern in einer Presseerklärung.

Kritik übte die CDU-Fraktion am Bezirk Neukölln, der es versäumt habe, das Sicherheitsproblem an den Schulen nachhaltig zu lösen. Der Bezirk hätte den Einsatz von Wachschützern von Anfang an nur als Übergangslösung betrachten dürfen. Die schulpolitische Sprecherin der CDU, Hildegard Bentele, und der innenpolitische Sprecher Robbin Juhnke fordern zudem verstärkte Polizeipatrouillen im Umfeld von Schulen.