Übergangslösung

Ein-Euro-Jobber bewachen Neuköllner Schule

Ab Montag wird die Albert-Schweitzer-Schule am Hermannplatz von Ein-Euro-Jobbern bewacht. Zuvor war der seit 2007 eingesetzte Wachschutz aus Kostengründen abgezogen worden. Doch Zwischenfälle ließen nicht lange auf sich warten.

Foto: Christian Schroth

Von Montag an werden Ein-Euro-Jobber den Eingang der Albert-Schweitzer-Schule in Neukölln bewachen. Auch an weiteren fünf Schulen, die sich in einem besonders schwierigen Umfeld befinden, ist der Einsatz der vom Jobcenter finanzierten Schulstreife möglich. „Wir werden jetzt eine Prioritätenliste erstellen“, sagte Schulstadträtin Franziska Giffey (SPD) am Freitag. Sie sei froh, dass so schnell eine Übergangslösung gefunden worden sei.

Das schnelle Handeln war nötig geworden, nachdem es am Donnerstag nur kurz nach dem Abzug des Wachschutzes an Neuköllner Schulen einen schwerwiegenden Vorfall am Albert-Schweitzer-Gymnasium gegeben hatte. Drogenabhängige hatten sich auf der Schultoilette Heroin gespritzt und mussten von Polizei und Feuerwehr abgeholt werden.

Kein Geld für privaten Wachschutz

In gelben Warnwesten werden nun drei sogenannte Ein-Euro-Jobber zeitversetzt von 7 bis 16 Uhr den Eingang des Gymnasiums in unmittelbarer Nähe zum Hermannplatz bewachen. Bis Januar hatte diese Aufgabe hier wie an 15 weiteren Neuköllner Schulen der Wachschutz übernommen. Der Auftrag lief im vergangenen Jahr aus und konnte nicht neu ausgeschrieben werden, da die nötigen 700.000 Euro nicht mehr durch den Bezirkshaushalt gedeckt waren.

Die Ein-Euro-Jobber könnten den Wachschutz nicht ersetzen, aber sie seien erst einmal besser als nichts, sagt Giffey.

Schulstadträtin setzt auf abschreckende Wirkung

In dem Projekt „Schulstreife“ des Trägers Antares werden derzeit 20 Arbeitslose darauf vorbereitet, den Wachschutz-Schein bei der Berliner Industrie- und Handelskammer abzulegen. Drei Mitarbeiter haben den Schein bereits absolviert. Aufgabe des Projektes Schulstreife ist es eigentlich, Kinder im Umfeld von Schulen vor Übergriffen oder Gefahren im Straßenverkehr zu schützen. Schulwegbegleitung gehört ebenso dazu wie die Präsenz in der Nähe von Schulen.

Schulstadträtin Giffey hofft, dass allein die Präsenz der Ein-Euro-Jobber schulfremde Eindringlinge abschrecken werde. „Wir versuchen jetzt mit dem Jobcenter auszuhandeln, dass das Projekt wenigstens bis zum Ende des Schuljahres verlängert wird“, sagt Giffey. Eine Dauerlösung sei das allerdings nicht. Vielmehr müsse der Bezirkshaushalt von Neukölln durch den Senat aufgestockt werden, sodass der Wachschutz zum nächsten Schuljahr wieder ausgeschrieben werden könne.

Polizei schützt nur außerhalb der Schule

Bernd Krömer, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Inneres, hält es nicht für ausgeschlossen, dass der Wachschutz in den Haushaltszuweisungen für die Bezirke eine Rolle spielen könne. Die Innenverwaltung fühle sich jedoch nicht zuständig für das Thema. Die Kooperation zwischen Polizei und Neuköllner Schulen funktioniere gut, sagte Krömer.

Die Aufgabe der Polizei sei es, die Schüler außerhalb der Schule zu schützen, nicht aber im Gebäude.

Der Staatssekretär der Bildungsverwaltung, Mark Rackles, betonte, der Bezirk sei zuständig für die Sicherung der Gebäude. Es gebe auch Schulen, die durch bauliche oder schulorganisatorische Maßnahmen die Kontrolle des Zugangs von Schulfremden vornehmen würden.

Schulleiter protestiert gegen Abschaffung des Wachschutzes

Auf die Wiedereinführung des Wachschutzes hofft dennoch auch das Leonardo-da-Vinci-Gymnasium in Neukölln. Der Sicherheitsdienst hatte die Schüler zur zwei Kilometer entfernten Sporthalle begleitet. Auf dem Weg hatte es immer wieder Übergriffe auf die Schüler gegeben.

Nun dürfen die Schüler nur noch im Klassenverband den Weg antreten. Auch der Schulleiter der Clay-Oberschule, Hartwig Beier, protestiert gegen die Abschaffung des Wachschutzes. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis es zu Störungen von Schulfremden komme, sagt Beier.