Berlin-Neukölln

Lehrer entsetzt über Aus für Schul-Wachschutz

Der Berliner Bezirk Neukölln wird ab 2012 keinen Wachschutz mehr für 15 seiner Schulen engagieren. Bei Pädagogen und Eltern der betroffenen Einrichtungen reagieren mit Unverständnis auf die Nachricht.

Schulleiter und Eltern reagieren entsetzt auf das bevorstehende Ende des Wachschutzes an Neuköllner Schulen. Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) hatte angekündigt, dass der Sicherheitsdienst nicht wir geplant für 2012 ausgeschrieben werden könne, da seine Kosten im Haushalt bisher nicht gedeckt seien. Der Wachdienst für 15 Schulen kostet jährlich etwa 700.000 Euro.

„Wir sind sehr überrascht“, sagt Hartwig Beier, Schulleiter der Clay-Sekundarschule in Rudow. Nachdem der Wachschutz 2007 eingeführt wurde, habe es keine Störungen oder Gewaltvorfälle durch Schulfremde mehr gegeben. Das Gebäude sei unübersichtlich und verfüge über mehrere Ein- und Ausgänge. Immer wieder hätten in der Vergangenheit Jugendliche von außen die Situation genutzt, um ins Gebäude zu kommen, Schüler zu bedrohen, zu schlagen oder den Unterricht zu stören. Die schulfremden Jugendlichen seien teilweise allein und teilweise in ganzen Gruppen gekommen, um Schüler und Lehrer zu terrorisieren.

Auch am Leonardo-da-Vinci-Gymnasium herrscht Unverständnis nach der Ankündigung, dass im Januar zunächst Schluss sein soll mit dem Wachschutz. Die Schule hatte die Entscheidung des Bezirks für den privaten Sicherheitsdienst ausgelöst. Der Grund: Die Sporthalle liegt etwa einen Kilometer vom Schulgebäude entfernt. Auf dem Weg dorthin wurde den Schülern regelrecht aufgelauert, sie wurden geschlagen, getreten und beraubt. Seit 2007 werden die Schüler von zwei Wachschützern begleitet. Seither gab es keinen einzigen derartigen Vorfall mehr. „Wir werden die Abschaffung des Wachschutzes so nicht hinnehmen“, sagt Gesamtelternvertreterin Dorit Schneider. Der Bezirk müsse garantieren, dass die Kinder sicher durch den Schultag kommen. Es gebe in Neukölln viele Projekte, die weniger existenziell seien und trotzdem finanziert würden. Heute treffen sich die Elternvertreter zur Gesamtelternkonferenz. „Wir werden für den Erhalt des Sicherheitsdienstes kämpfen“, kündigt die Mutter an.

Große Befürchtungen hat auch der Schulleiter des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Neukölln. Die Schule befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Hermannplatz und zur Hasenheide. Die Grünanlage vor dem zurückgesetzten Gebäude an der Karl-Marx-Straße war vor der Einführung des Wachschutzes ein beliebter Umschlagplatz für Drogenhändler. „Wenn es draußen kalt war, kamen Dealer, Betrunkene und Junkies immer wieder in das Schulgebäude. Sie urinierten in die Gänge, lagen auf der Toilette oder belästigten die Schüler“, sagt Krapp. Zwei Mal wurden sogar die Toiletten in Brand gesteckt. Für den Schulleiter steht fest, dass der Bezirk den sicheren Zugang zur Schulen gewährleisten muss. Wenn der Wachschutz gestrichen werde, müsse hier ein Pförtner oder die Polizei die Aufgabe übernehmen.

Das Image der Schule hat sich in den vergangenen Jahren erheblich geändert. Das Gymnasium ist von der Brennpunktschule zu einer Vorzeigeschule geworden. Die Schulplätze sind von den Eltern nachgefragt, weil die Schüler im gebundenen Ganztagsbetrieb nicht nur ein warmes Mittagessen, sondern auch eine besondere Förderung durch sogenannte Fachcoaches erhalten. Der Schulleiter befürchtet nun, dass diese Erfolge durch den Wegfall des Wachschutzes wieder zunichte gemacht werden. „Wenn die Umgebung nicht sicher ist, machen die Eltern einen großen Bogen um die Schule“, sagt Krapp.

Neuköllns Bildungsstadträtin Giffey betont, dass die Entscheidung noch nicht endgültig sei. „Wir müssen abwarten, wie die Haushaltsplanungen im Senat verlaufen und dann sehen, wie die Zuwendungen an die Bezirke aussehen“, sagt die Stadträtin. Allerdings sind durch die aufgeschobene Ausschreibung bereits Tatsachen geschaffen worden. Fakt ist, dass der Wachschutz an den Schulen ab Januar 2012 zumindest ausgesetzt werden muss.