Wettbewerb

Die Charité soll schöner werden

Die Uniklinik sucht europaweit Architekten für die überfällige Sanierung des Bettenhauses. Dafür hat die Charité einen Wettbewerb ausgeschrieben.

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Startschuss für die längst überfällige Sanierung des Bettenhauses der Charité in Mitte: Nach Informationen von Morgenpost Online ist der Auftrag für die Generalplanung des Großprojektes seit dem Herbst bereits vergeben. Jetzt hat die Charité auch ein Bewerbungsverfahren für die Fassadengestaltung des maroden Hochhauses ausgeschrieben. Da der rostrot-graue Krankenhausbau mit seinen 77 Metern Höhe als prägend für das Stadtbild gilt, ist ein anspruchsvoller Entwurf gefragt. „Das Hochhaus muss eine eigene Identität als Krankenhaus behalten und sich von einem Bürohochhaus unterscheiden“, sagt Charité-Chef Karl Max Einhäupl. Man habe sich deshalb für einen Architekturwettbewerb entschieden.

Die Beiträge für die mit 20.000 Quadratmetern riesige Fassadenfläche sollen aber nicht nur äußerlich überzeugen. Vor allem unter dem Aspekt energieoptimierten Bauens ist ein innovatives und kosteneffizientes Konzept gefragt. Schon allein wegen des erforderlichen „Energiestandards bei Baumaßnahmen im Zuständigkeitsbereichs des Landes“, wie es in der Ausschreibung steht.

Das marode Bettenhochhaus gilt schon lange als kostspielige Energieschleuder. „Wir erwarten allein durch die neue Wärmedämmung 70 bis 80 Prozent Einsparungen der Energiekosten“, sagt Charité-Bauchef Christian Kilz.

20 Planungsbüros sollen an dem europaweiten Wettbewerb für das Facelifting des 1982 in Betrieb genommenen Bettenhauses teilnehmen können. Die Frist zur Bewerbung um die Teilnahme endet bereits am 9. Januar. Im Februar werden die Teilnehmer ausgewählt, bis zum 27. März sollen ihre Entwürfe vorliegen. Eine „hochkarätig besetzte Jury“, deren Mitglieder noch nicht alle feststehen, entscheidet dann Mitte April 2012 über den Sieger. Die Neugestaltung der mit 22 Millionen Euro veranschlagten Fassade soll 2013 beginnen.

Betten vorübergehend ausgelagert

Unterdessen sind die Planungsarbeiten für die ebenfalls dringend notwendige innere Komplettsanierung des Bettenhochhauses und den Neubau eines OP- und Intensivstationtraktes bereits in vollem Gange. Das Berliner Büro „Stefan Ludes Architekten“ hat im Oktober den Zuschlag als Generalplaner erhalten und bereitet jetzt das überaus komplexe Bauprojekt vor. Nächster Schritt wird dann die Vergabe der einzelnen Aufträge sein. So sollen die Stationen des Universitätsklinikums ab März 2013 sukzessive leergeräumt werden. „Von den knapp 760 Betten des Hauses werden 400 auf das Benjamin-Franklin-Klinikum in Steglitz und den Virchow-Campus nach Wedding verteilt“, sagt Kilz.

Man habe ermittelt, dass das machbar sei, entgegnet der Bauchef auf den Hinweis, dass die beiden Charité-Kliniken schon jetzt aus allen Nähten platzen. Die restlichen 360 Betten werden in einem Containergebäude untergebracht, das ab Mai 2012 auf dem Grundstück des bis dahin abgerissenen Versorgungstraktes auf dem Charité-Grundstück errichtet wird. Die temporäre Lösung sei eine solide Unterkunft, versichert Kilz und ergänzt: „Das ist dort besser als im jetzigen Bettenhaus.“

Das Planungsverfahren laufe „sehr zügig“, sagt der Charité-Bauchef. „Wir arbeiten hier an einer sogenannten Minimax-Lösung, das heißt: aus dem Minimalsten wird das Maximalste rausgeholt“, sagt Kilz vor dem Hintergrund, dass für das Projekt in Mitte 185 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Eine Summe, für die nicht alles machbar sei. Bauten wie die der Laborbereiche würden nicht saniert.

Charité-Chef Einhäupl betont, dass man mit dem Planungsprozess für die Sanierung und den Neubau absolut in dem knappen Zeitplan liege, der mit dem Aufsichtsrat vereinbart worden ist. „Die Vorplanungsunterlage wird zum Jahreswechsel planmäßig fertiggestellt, die Bauplanungsunterlage befindet sich in Vorbereitung“, sagt Einhäupl.

In der Senatsverwaltung für Bildung wird der jetzt ausgeschriebene Wettbewerb begrüßt. „Wir sind überzeugt, dass die Charité an die ersten großen Baumaßnahmen und deren Planung und Umsetzung sorgfältig herangeht“, sagt Sprecherin Beate Stoffers unter Verweis auf den Beschluss des Senats. So wurden die Mittel für den gesamten Charité-Masterplan in Höhe von 330 Millionen Euro bereits vergangenes Jahr bewilligt. 185 Millionen davon sind für die Sanierung des Bettenhochhauses sowie den Neubau geplant. Für die Sanierung inklusive Fassadengestaltung stehen davon 107 Euro zur Verfügung, die Planungskosten sind mit 11 Millionen Euro beziffert, und der Neubau soll für 65 Millionen Euro realisiert werden. „Hier sind 15 Operationssäle, Intensivstationen sowie eine neue Rettungsstelle vorgesehen“, sagt Christian Kilz.

Netze gegen lockere Bauteile

Wie sanierungsbedürftig der 1982 von Erich Honecker eröffnete Bau ist, zeigte sich zuletzt Anfang dieses Jahres. Erst im Februar musste der Küchentrakt wegen defekter Decken zeitweise geschlossen werden. Schon seit mehr als sechs Jahren hängen zudem riesige Netze vor dem bröckelnden Gebäude, um Passanten vor möglicherweise herunterstürzenden Bauteilen zu schützen. Dieser Schutz wird, wenn das Geld wie vereinbart für die jeweiligen Bauabschnitte zur Verfügung gestellt wird, spätestens Ende 2015 unnötig. Dann soll das Bauvorhaben vollendet sein. „Wir wollen 2016 den Probebetrieb starten“, sagt Generalplaner Ludes. Das sei durchaus mit dem Großflughafen BER in Schönefeld vergleichbar – wobei es in der Charité nicht nur um Koffer gehe.