Mindestlohn-Debatte

Auch an der Charité wird schlecht bezahlt

Fred Ladenthin ist Wachmann und bei einer Tochterfirma des Berliner Krankenhauses in Mitte angestellt. Er bekommt zwar den Mindestlohn, zum Leben aber reicht es kaum.

Foto: Christian Schroth

Schon öfter hat Fred Ladenthin für seinen Beruf Gesundheit und Leben aufs Spiel gesetzt. Der Wachmann arbeitet an der Charité in Mitte, Diebstähle sind am Uniklinikum keine Seltenheit. Der Berliner überwacht Gebäude und Veranstaltungen, kümmert sich um die Sicherheitstechnik, führt Geldtransporte durch. Seine Schichten dauern meist zwölf Stunden, regelmäßig ist er auch an Wochenenden im Einsatz. Trotzdem verdient Fred Ladenthin nicht mehr als 6,55 Euro pro Stunde. Das sind zwar zwei Cent mehr als der gesetzliche Mindestlohn in seiner Branche – aber deutlich weniger als die jetzt diskutierte Untergrenze von 7,01 Euro pro Stunde.

Inzwischen weiß Ladenthin, wie er bei Übergriffen reagiert. Er hat ein Gespür für das Vorgehen der Einbrecher entwickelt, versucht vorzubeugen. Mehrere Jahre hat er seine Qualifikation verbessert. „Ich mag meinen Job, weil er mit einem gewissen Risiko verbunden ist“, sagt er. Er lächelt.

Ladenthin ist 46 Jahre alt. Er kann eine abgeschlossene Polizeiausbildung vorweisen, viele Jahre war er Alarmverfolger. Nun arbeitet er seit fünf Jahren für die CFM, eine Tochterfirma der Charité, die gegründet wurde, um Kosten am notorisch klammen Uniklinikum zu sparen.

„Ich will so nicht mehr weitermachen“, sagt Ladenthin. Seit acht Wochen befindet er sich im Streik , gemeinsam mit 250 Kollegen demonstriert er fast täglich vor den Toren des Uniklinikums. In den Protest reihen sich Elektriker, Gebäudereiniger oder Putzfrauen ein. „Die Lebenshaltungskosten steigen, aber meine Kollegen und ich, wir werden ständig im Preis gedrückt“, sagt er.

Ladenthin kommt aus Marzahn. Der erste berufliche Einbruch kam mit dem Fall der Mauer. Der gelernte Baufacharbeiter wurde entlassen und fand keine neue Stelle mehr. „Nach der Wende sah es auf dem Markt düster aus“, sagt er. Also schulte er auf die Sicherheitsbranche um. Er machte einen Waffenschein, hielt sich körperlich fit, las sich in Verbrechensprävention und -bekämpfung ein.

Seit fünf Jahren schiebt er jeden Morgen um 5.45 Uhr an der Charité seine Karte in die Stempeluhr. Er sagt, dass er keinen Tag zu spät gekommen sei, dass er immer ordentlich seine Aufgaben erfüllt. „Die Geschäftsführer interessieren sich nicht für uns, es geht nur ums Sparen“, sagt er.

Seit neun Jahren hat Ladenthin keinen Urlaub gebucht. „Bei 1000 Euro netto im Monat bin ich froh, die laufenden Kosten zu decken“, sagt er. Ein Trip nach Mallorca, davon träumt der Wachmann noch.