Geringer Frauenanteil

In der Berliner CDU sind die Männer unter sich

Mit einem Anteil von nur 10,3 Prozent sind Frauen in der Berliner CDU-Fraktion rar. Auch Posten sind in der Union eine Männerdomäne. Anders als in anderen Parteien gibt es bei den Christdemokraten diesbezüglich allerdings auch keine Regelungen.

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Und noch ein Schlag. Mit der flachen Hand kräftig an die Schulter. Markiges Lachen. Ein Scherz. Noch ein Schlag. Frank Henkels breites Kreuz steckt die nett gemeinten Hiebe mühelos weg. Er lacht und knufft zurück. Vergangenen Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Die Fraktionsmitglieder der CDU sind gut gelaunt, der neue Senat ist vereidigt, die Regierungsbildung abgeschlossen. Um den neuen Innensenator Henkel herum stehen Parteifreunde, man schlägt sich auf die Schulter, scherzt. Männer unter sich.

39 Sitze hat die Berliner CDU bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus bekommen. Zwei mehr als in der zurück liegenden Legislaturperiode. Vier Frauen sitzen für die Union im Berliner Parlament. Zwei weniger als zuletzt. Nur in der Piratenfraktion ist die Quote noch schlechter.

Doch bei Deutschlands großer Volkspartei wiederholt sich das Bild in Berlin auch auf anderen Ebenen. Nur drei der 19 von der CDU bestellten Bezirksstadträte sind weiblich, im Landesvorstand sind fünf der 22 Mitglieder Frauen. Die zwölf Kreisverbände werden von Männern angeführt. Einzig in den Bezirksverordneten-Versammlungen schaffen die CDU-Frauen es gleichmäßig auf praktisch jeden dritten Sitz ihrer Partei. Schwierigkeiten in der Frauenfrage gab es zuletzt bei der Besetzung der Senatsposten. Erst die parteilose Sybille von Obernitz rettete die Ehre der CDU bei ihrer langen Suche nach einer geeigneten Frau für das Wirtschaftsressort.

„Der Frauenmangel in der CDU ist als Problem erkannt, nur einfache Lösungen dafür gibt es nicht“, sagt Monika Grütters (49), eine der wenigen wirklich einflussreichen Frauen der Berliner CDU. Als Bundestagsabgeordnete, Vorsitzende des Kulturausschusses und Vize-Landesvorsitzende hat sie auch den Koalitionsvertrag mit verhandelt.

„Generell gilt für alle Parteien, dass Frauen seltener Mitglied werden und aktiv mitarbeiten, da anscheinend der politische Habitus Frauen abschreckt“, sagt Frank Bösch, Direktor des Zentrums für zeithistorische Forschung Potsdam und Autor zweier Bücher über die Union. „Die CDU ist historisch gesehen die Partei, in der am wenigsten Frauen aktiv waren“, sagt Bösch. Zugleich verdanke sie ihren Wahlerfolg aber in hohem Maße Frauen. „Seit den 1980er-Jahren stiegen Frauen in der CDU am ehesten auf, wenn sie viele Proporzmerkmale gleichzeitig abdeckten: Jung, protestantisch und aus abgelegenen Regionen“, so Bösch. „Dies erschwerte zugleich ihre Profilierung.“ Erst in den Neunziger Jahren habe ein Umdenken begonnen.

Andere Parteien wie die SPD haben zur Gleichstellung eine 50-Prozent-Quote, bei den Grünen wird darauf geachtet, etwa bei der Besetzung der Listenplätze Männer und Frauen abzuwechseln. Bei der CDU gibt es eine solch strenge Regelung nicht. „Wenn man versucht einen Zustand mit Gewalt zu ändern, geht das oft schief“, sagt Grütters. Auf die Polemik über „Quotenfrauen“ könne sie gut verzichten. „Wir wollen weder Klischees bedienen noch Rituale verfestigen.“ Grütters setzt darauf, engagierte Frauen gezielter zu fördern – und auf das „Quorum“.

Das Quorum ist eine abgeschwächte Form der Frauenquote, eine Soll-Vorschrift, kein unbedingtes Muss. Mit ihr soll ein Frauenanteil von einem Drittel erreicht werden, was auch etwa auch dem Frauenanteil der Mitglieder der Union entspricht. So müssen nicht auf Krampf Plätze mit Frauen besetzt werden. Doch die Vorschrift werde in Berlin oft zu lasch gehandhabt, beklagen CDU-Frauen. Oft werde sich nicht angestrengt, das Quorum zu erfüllen, was sich nun etwa im Geschlechterverhältnis der Fraktion erkennen lasse.

„Die Parteiführung sollte mehr darauf Acht geben, dass das Quorum auch eingehalten wird“, sagt Stefanie Bung (33), Vorsitzende des Ortsverbandes Gartenstadt-Schmargendorf. Bung saß bis Oktober im Abgeordnetenhaus. Ihr Ortsverband hatte sie auch einstimmig erneut als Wahlkreiskandidatin auserkoren, doch der Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf um den Vorsitzenden Andreas Statzkowski hatte den Schmargendorfern den relativ unbekannten Michael Garmer vor die Nase gesetzt. „Die Art und Weise wie ich dort unterlegen war, hat andere Frauen in meinem Ortsverband ziemlich demotiviert, viele wollten austreten“, sagt Bung. Generell steckten Frauen schneller zurück, wenn sie merken würden, dass es nicht nur um inhaltliche Kompetenz, sondern um Mehrheitsbeschaffung in der Partei gehe. „Aber wir dürfen nicht aufgeben, wir müssen halt auch für Mehrheiten sorgen und die Frauen so bekannt machen, dass man nicht um sie herum kommt“, sagt Bung.

Die innerparteilichen Strukturen zu verändern, daran will sich offenbar keine Frau so recht wagen. Die Vorsitzende der Berliner Frauen-Union, die ehemalige Bundestagsabgeordnete Edeltraud Töpfer (62), setzt darauf, dass sich langsam das Bewusstsein ändern muss. „Es gibt einfach überall zu wenige Frauen in Führungspositionen. Dabei liegt es nicht daran, dass es zu wenige qualifizierte Frauen gibt – ein Problem ist noch, sich durchzusetzen.“ Die Frauen hätten erst in den letzten Jahren begonnen, sich zu vernetzen. „Wir werden da aufholen“, sagt Töpfer.