Prenzlauer Berg

Am Wasserturm - Sandhaufen statt Bürgersteige

Das Tiefbauamt lässt Gehwege an der Knaackstraße sanieren und Kreuzungen umbauen. Allerdings alle zur gleichen Zeit. Bis zum nächsten Frühjahr sollen die Arbeiten beendet sein.

Foto: Reto Klar

Stöckelschuhe sind fehl am Platz. Wer in diesen Tagen durch die Knaackstraße in Prenzlauer Berg läuft, braucht festes Schuhwerk. Denn am Straßenrand häufen sich Sandberge und Steine. Bagger sind vorgefahren. Das Tiefbauamt lässt die Gehwege sanieren. Die Arbeiten haben in dieser Woche begonnen. Pflaster und Platten sind an vielen Stellen schon herausgerissen. Egal, ob man aus einem Haus kommt oder nur ins Café oder den Laden will – viele Eingänge sind nur noch über trockene oder regennasse Erde zu erreichen, vorbei an Bauzäunen und Bauschildern. „Hauptsache, man hat noch einen schmalen Streifen zum Gehen“, sagt ein junger Vater. Er schiebt den Kinderwagen auf den verbliebenen Platten des Bürgersteigs zwischen Wörther Straße und Sredzkistraße. „Aber die Gehwege müssen ja gemacht werden. Irgendwann sind die Arbeiten vorbei.“

Granitplatten haben sich abgesenkt

Irgendwann – das soll im Frühjahr 2012 sein. Das Amt plant die Erneuerung der Bürgersteige an mehreren Straßen im Umfeld des Wasserturms. Denn die alten Granitplatten haben sich an vielen Stellen abgesenkt oder sind durch Wurzeln herausgehoben. Pflastersteine liegen schief oder fehlen. Nun wird das alte Baumaterial herausgenommen und neu verlegt. „Charlottenburger Platten und Bernburger Pflaster“, sagt ein Bauarbeiter. „Wo Lücken sind, setzen wir neue Steine ein.“

Es seien die letzten Arbeiten im Sanierungsgebiet am Kollwitzplatz, sagt Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). „Schulen, Kitas und Spielplätze sind in den vergangenen Jahren bereits erneuert worden, jetzt soll der öffentliche Raum hergerichtet werden.“ Man wolle die Arbeiten zügig durchführen, damit dem Amt nicht „ewige Baustellen“ vorgeworfen würden. 2,7 Millionen Euro stehen bereit.

Bis zum Ende dieses Jahres sollen die Gehwege der Knaackstraße zwischen Wörther Straße und Sredzkistraße erneuert sein, außerdem zwischen Kollwitzstraße und Prenzlauer Allee. Besonders betroffen sind jetzt Anwohner und Geschäftsleute im Straßenabschnitt am Wasserturm. Parkplätze sind Mangelware. „In der vergangenen Woche sind Halteverbotsschilder aufgestellt worden“, erzählt Annette Welter. Sie arbeitet im „Krystall-Laden“, Knaackstraße 35, und kann das Baugeschehen beobachten. Autos seien abgeschleppt worden, die trotz des Verbots parkten. Fahrräder wurden umgestellt. Die Filialleiterin ist nicht überrascht von den Arbeiten. Im September sind Anwohner und Geschäftsleute zu einer Informationsveranstaltung eingeladen worden. Flyer zu dem Bauvorhaben wurden in die Briefkästen gesteckt. „Wir wissen, was auf uns zukommt“, sagt Annette Welter. Voraussichtlich vier Wochen im November, wenn ihre Gehwegseite erneuert wird, kann sie draußen keine Tische mit Waren aufstellen. „Das ist unbequem, aber absehbar.“ Der Zustand der Gehwege sei schlecht. „Es ist gut, dass sie repariert werden.“ Anwohner Jörg Reisner sieht es anders. „Geldverschwendung“, sagt der junge Mann, der auf dem Weg zur Kita ist und seinen Sohn Huckepack trägt. „Man hätte einzelne Stellen in Ordnung bringen können, die ganze Straße wäre nicht nötig gewesen.“

Die Gehwegsanierung an der Knaackstraße geht im kommenden Jahr weiter. Anfang 2012 sind die Abschnitte zwischen Danziger Straße und Sredzkistraße sowie Wörther Straße und Kollwitzstraße dran. Auch die Gehwege an der Rykestraße, zwischen Sredzkistraße und Knaackstraße, werden größtenteils 2012 saniert. Ein kurzer Abschnitt ist bereits in den kommenden Monaten dran, außerdem wird die Kreuzung Rykestraße und Knaackstraße noch 2011 umgebaut. Dort stehen zwei Kastanien. Bislang verlief die Straße zwischen den Bäumen. Künftig werden sie von einer Mittelfläche umschlossen. Bis Ende 2011 werden auch Gehwege an der Belforter Straße saniert, bis zum Frühjahr 2012 fünf weitere Kreuzungen umgebaut.

Unmittelbar am Kollwitzplatz hat Michael Bühnemann sein Geschäft „kunst-a-bunt“. Gegenüber sind orangefarbene Bauwagen aufgebaut. Die Gehwegsanierung beginnt erst noch, doch vor dem Laden sind immer noch die Spuren vergangener Bauarbeiten zu sehen. Ein altes Wasserrohr sei erneuert worden, erzählt Michael Bühnemann. Geblieben ist eine Sandfläche vor dem Eingang zum Geschäft. Mehr als 100 Gehwegplatten wurden nicht mehr verlegt. Sie stapeln sich am Straßenrand. „Es würde zwei oder drei Stunden dauern, um die Steine zu legen“, sagt der Geschäftsmann. „Aber es passiert nichts.“ So tragen die Kunden den Sand herein, wenn sie in den Laden kommen. Doch auch Bühnemann sagt: „Es ist Zeit, dass die Gehwege repariert werden.“