Ökostrom

In Berlin soll sich ein zweites Windrad drehen

Während sich in anderen Landstrichen Deutschlands ein Windrad an das andere reiht, dreht sich in Berlin derzeit nur ein einziges. Nun soll ein zweites in Karow folgen. Doch es gibt Widerstand.

Foto: dpa / dpa/DPA

Was sich ein Mal bewährt hat, könnte auch ein zweites Mal funktionieren. Darauf hoffen die Betreiber des Windrades im Pankower Norden, Peter Weber und Frank Vach von der Neue Energie Berlin GmbH. Sie wollen eine zweite, baugleiche Anlage auf den Neuen Wiesen in Karow (ebenfalls Bezirk Pankow) errichten, dicht an der Bundesstraße 2 und an der Grenze zu Hohenschönhausen und zum Umland. Anwohner würden nicht beeinträchtigt, sagte Peter Weber Morgenpost Online. Weder Häuser noch Wohnungen seien in der Nähe, nur ein Umspannwerk, Hochspannungsleitungen und die B2.

Die Firma Neue Energie Berlin GmbH hat den Antrag für das neue Windrad Anfang des Jahres bei der Senatsumweltverwaltung gestellt. Das Genehmigungsverfahren läuft. Auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist involviert, außerdem das Bezirksamt Pankow. Peter Weber sagte jedoch, bis das Windrad stehe, könne es noch dauern. Fünf Jahre hätten sie gewartet, bis das erste Windrad im Gewerbegebiet Pankow Nord gebaut werden konnte. Mit dem Nachfolgeprojekt beschäftigen sich Weber und Vach nun seit drei Jahren.

Fläche in Neuen Wiesen gepachtet

Die Beiden haben eine Fläche von etwa 3000 Quadratmetern in den Neuen Wiesen vom Bezirksamt gepachtet. Diese wird von einem Bauern bewirtschaftet, sagt Peter Weber, doch im Flächennutzungsplan ist das Areal als Park ausgewiesen. Ob diese Festlegung dem Windrad-Projekt entgegensteht, ist aus Webers Sicht noch nicht geklärt. Das Heu auf der Wiese könnte auch geerntet werden, wenn das Windrad steht, meint der Investor.

Zustimmung für sein Vorhaben kommt aus allen Fraktionen der Bezirksverordneten-Versammlung Pankow. Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) sagte Morgenpost Online: „Ich begrüße das Projekt sehr.“ Doch er habe festgestellt, dass seine positive Grundeinstellung zu Windkraftanlagen in Berlin nicht von allen Behörden, die am Genehmigungsverfahren beteiligt sind, geteilt werde. Die Senatsumweltverwaltung steht dem neuen Vorhaben zwar grundsätzlich positiv gegenüber. „Wir sind für die Förderung der erneuerbaren Energien in Berlin“, sagt Sprecherin Regina Kneiding. Das Problem sei jedoch die Fläche, auf der das Windrad gebaut werden soll. Für das Projekt müsse schließlich der Flächennutzungsplan geändert werden. Die Senatsverwaltung erwarte dazu eine Stellungnahme des Bezirksamtes. Nur, wenn diese positiv sei, könne das Projekt weiter verfolgt werden. Dann werde auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Vorhaben prüfen und ein Gutachten zum Naturschutz anfordern.

Lichtenberg gegen den Bau

Deutliche Ablehnung kommt vom Nachbarbezirk Lichtenberg. Nahe dem Standort des geplanten Windrades entstehe der Landschaftspark Wartenberg, sagte Lichtenbergs Baustadtrat Andreas Geisel (SPD). Das 180 Meter hohe Rad liege in der Sichtachse des Naherholungsgebietes. „Es ist eine Landmarke, die man von überall im Berliner Norden sieht.“ Die BVV Lichtenberg habe sich fraktionsübergreifend gegen den Bau der Anlage ausgesprochen, so Stadtrat Geisel.

Peter Weber und Frank Vach haben für das Grundstück in Karow ein Windrad beantragt, das dem gleichen Typ wie das erste entspricht. Sie hoffen, damit das Behörden-Verfahren zu vereinfachen. Die Anlage im Gewerbegebiet Pankow Nord ist seit August 2008 in Betrieb. Der Turm ist 138 Meter hoch. Mit den Rotorblättern erreicht das Windrad eine Höhe von 180 Metern. Oft gibt es Anfragen für Besichtigungen von Botschaften, vom Umweltministerium, von Hochschulen. Doch nur selten dürfen Besucher in die Anlage, weil sie dafür abgeschaltet werden muss.

Auch beim ersten Windrad hatte es Widerstände gegeben. Naturschützer hatten befürchtet, dass Greifvögel in die Rotoren geraten und klagten im Jahr 2008 gegen den Betrieb. Der Bau wurde kurzzeitig gestoppt. Das Verwaltungsgericht wies die Klage jedoch ab. Das Windrad in Pankow produziert fünf Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr und kann 1200 Vier-Personen-Haushalte versorgen. Im Jahr 2009 habe es ein Drittel der regenerativen Energie in Berlin erzeugt, sagt Peter Weber. „Wir hoffen, dass sich Berlin zunehmend für Windenergie öffnet.“