Energieversorgung

Fahrtwind der Autos soll Windkrafträder antreiben

Erstmals sollen in Berlin Windkrafträder als Energiespender an einer Straße stehen. Lichtenberg begibt sich damit auf den Weg zum energetischen Modellbezirk der Stadt.

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Windräder als Energiespender an der Straße – für diese ökologische und optische Sehenswürdigkeit wurde die Landsberger Allee in Lichtenberg auserkoren. Auf dem grünen Mittelstreifen und zu beiden Seiten des etwa 600 Meter langen Abschnitts der Magistrale vom Allee-Center bis zur Rhinstraße sollen zehn bis 15 Meter hohe, vertikale Windkrafträder einer neuen Generation installiert werden. Diese Pläne verfolgt ein „Förder- und Trägerverein Energiekompetenzzentrum Berlin-Nordost“. Vorsitzender Rainer Wiebusch: „Wir wollen an der Landsberger Allee mit unterschiedlichen Investoren den Energie-Anwender-Park Lichtenberg errichten.“ Er wäre einmalig in Deutschland.

3,5 Millionen Euro für ein Zentrum

Einen wichtigen Baustein sollen die Windkraftanlagen mit ihren spindelförmige Rotoren darstellen. Wiebusch sagt: „Wir haben schon mit potenziellen Investoren zusammengesessen.“ Vorstellbar seien auf dem Mittelstreifen der Allee in je 50 Metern Abstand etwa zwölf Windkrafträder. An beiden Seiten gebe es genügend Platz für weitere. Sie könnten rund um die Uhr allein vom Fahrtwind der Autos aktiviert werden. 68.000 Fahrzeuge frequentieren täglich die Landsberger Allee. Der gewonnene Öko-Strom soll in Projekte des Energie-Anwender-Parkes fließen. Zum Schutz der Vögel werden die Windräder mit Werbeflächen umgeben.

Wichtigstes Vorhaben für diesen Park ist der Bau eines Energiekompetenzzentrums (EKZ). Das Bezirksamt hat bereits eine Machbarkeitsstudie erarbeiten lassen. Mit von der Partie ist die Berliner Energieagentur. Baustadtrat Andreas Geisel (SPD): „Für den Bau des Zentrums durch private Investoren sind 3,5 Millionen Euro veranschlagt.“

Wiebusch sagt: „Das EKZ soll ein Demonstrations-, Service- und Beratungszentrum für Klimaschutz, neue Technologien, Energie-Effizienz, Energievermeidung und erneuerbare Energien sein.“ Alles, was technisch möglich ist und was künftig möglich sein könnte, solle dort anschaulich vermittelt werden. Für Kinder und Jugendliche sei eine „Junior-Universität“ geplant. Man denke auch an ein Nachnutzungskonzept für Exponate der Expo 2010 in Shanghai. Der Verein spricht davon, Lichtenberg könne zur „Pilgerstätte für Umweltbewusste“ werden.

Energiespar-Möbelhaus, Elektro-Tankstelle und Solarpark

Den ersten markanten „Baustein“ für den Energie-Anwender-Park liefert noch in diesem Jahr Ikea. Wenn der schwedische Möbelkonzern Anfang Dezember sein viertes Einrichtungshaus der Region Berlin-Brandenburg an der Landsberger Allee 364 eröffnet, wird es die bisher umweltfreundlichste Ikea-Filiale sein. Erstmals nutzt das Unternehmen mittels einer 200 Meter langen Abwasserdruckleitung die Wärme des kommunalen Abwassers zum Beheizen und Kühlen des Gebäudes. „Es ist die größte und innovativste Anlage dieser Art in Europa“, so Ikea-Expansionschef Armin Michaely. Auf dem Dach sorgen Solarzellen für die Erzeugung von 570.000 Kilowattstunden Strom.

Insgesamt reduziert sich in dem „Energiespar-Möbelhaus“ der jährliche CO2-Ausstoß um 1270 Tonnen. Wiebusch sagt: „Wir möchten dort auch noch eine Parkplatz-Ladestation für Elektroautos einrichten.“ Eine Elektro-Tankstelle wird auch im ECE-Allee-Center eingerichtet. Der Einkaufstempel soll auch energetisch umgerüstet werden. Und ein weiterer Baustein für den Energie-Anwender-Park ist in Sicht: Die Rewe-Gruppe hat sich für die Ansiedlung ihres zweiten Berliner „Green-Building“-Supermarktes an der Landsberger Allee entschieden, höchstwahrscheinlich in der Nähe des Wohngebietes „Weiße Taube“. Der erste war im November 2009 in Rudow eröffnet worden. Fördervereinsmitglied Wolfgang Engels von der Rewe-Engels-OHG sagt: „Es ist ein sogenannter CO2-neutraler Supermarkt, das heißt, Heizungs-, Lüftungs-, Beleuchtungs-, Klima- und Kälteanlagen belasten die Umwelt dank erneuerbarer Energien nicht mit Kohlendioxid-CO2-Emissionen.“

Zu den weiteren Plänen gehören eine CO2-neutrale Tankstelle, ein Solarpark, wo verschiedene Modul-Modelle präsentiert werden, ein Info- und Servicezentrum für Elektrofahrzeuge und der Bau eines energetischen Muster-Reihenhauses. Stadtrat Geisel: „Lichtenberg verfolgt das Ziel, energetischer Modellbezirk in Berlin zu werden.“