"Unerträgliche Besserwisser"

Grüne wollen zehn Windräder - und ernten Spott

Im Berliner Abgeordnetenhaus wollten die Grünen dringend die Energiewende anstoßen. Vorschlag: intelligentes Kraftwerk und zehn Windräder. Damit riefen sie Polemik bei allen Fraktion hervor. Und die Erinnerung, dass die Grünen selbst einmal fast das einzige Windrad Berlins verhindert hätten.

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Auf wenig Gegenliebe ist am Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus ein dringlicher Antrag der Grünen-Fraktion zur Energiewende gestoßen. Die Grünen fordern darin den Ausbau der erneuerbaren Energien in Berlin – statt Atomstrom. So soll bei der Ausschreibung für die Stromversorgung des Landes mehr auf Ökostrom gesetzt, die Zahl der Windräder auf zehn erhöht, ein Finanzierungsplan für die Wärmedämmung öffentlicher Gebäude bis Ende Mai vorgelegt und ein Konzept für ein intelligentes Kraftwerk entwickelt werden.

Der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz spottete vor allem über die Verzehnfachung der Windräder in Berlin. Bisher stehe aus gutem Grund nur eines am Stadtrand im Bezirk Pankow. In der Millionenstadt gebe es weder die Flächen noch die Windkraft, um damit die erneuerbaren Energien auszubauen. Nur deshalb liege Berlin im Ländervergleich auf dem letzten Platz bei den erneuerbaren Energien, betonte Buchholz. „Wo sollen denn alle die Windräder hinkommen? Vielleicht in den Vorgarten von Frau Künast?“

Buchholz wie die Linke-Abgeordnete Monika Platta verwiesen darauf, dass Berlin bereits seit acht Jahren keinen Atomstrom mehr beziehe. Die Grünen täten mit Blick auf die aktuelle Debatte nach der Atomkatastrophe in Japan immer so, als sei in Berlin beim Klimaschutz und Energiesparen gar nichts geschehen. Dabei sei gerade in dieser Woche eine riesige Photovoltaikanlage neu eröffnet worden, sagte Platta. Zudem können sich Berlin mit einem CO2-Ausstoß von 5,9 Tonnen pro inwohner bundesweit sehen lassen.

Der FDP-Abgeordnete Henner Schmidt warf den Grünen „unerträgliche Besserwisserei“ vor. Ihr dringlicher Antrag sei ein „schnell zusammengestoppeltes Sammelsurium“ und ein Beleg für ihre wirtschaftspolitische Inkompetenz. „Erneuerbare Energien von Windrädern müssen dahin, wo sie hinpassen.“ Nach Berlin passten sie nicht.

Sein CDU-Kollege Carsten Wilke nahm ebenfalls die Windräder aufs Korn. Schon bei der Aufstellung des ersten Windrades in Pankow habe es eine grün-bewegte Bürgerinitiave gegeben, die eine in der Nähe brütende seltene Vogelart schützen und das Windrad verhindern wollte. „Sie sind immer für erneuerbare Energien. Aber wenn es konkret wird, dann sind sie immer die Grünen-Dagegen-Partei.“