Nach Attentat

Zugverkehr lahmgelegt – Ärger bei Bahnreisenden

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Andrea Backhaus
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Bahn verurteilt Anschlagsversuche

Die Deutsche Bahn hat die Anschlagsversuche am Hauptbahnhof in Berlin am Montag veruteilt.

Video: Reuters
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Reisende saßen stundenlang auf Bahnhöfen fest und glaubten sogar an einen Terroranschlag. Kein Wunder: Die Bahn informierte nur wenig und kümmerte sich kaum um die Gestrandeten.

Die Reise hatte sie sich anders vorgestellt. Als Rosemarie Müller am Montagmittag am Bahnhof Spandau ankommt, sieht sie schon eine Schlange vor dem Info-Schalter, Reisende sitzen in der Empfangshalle auf ihren Koffern, genervte Gesichter, wohin sie blickt. Die Rentnerin aus Chemnitz in Sachsen war auf dem Weg nach Wittstock und wollte in Spandau nur kurz umsteigen. „Aber meine Verbindung wurde bis auf Weiteres gestrichen“, sagt die 70-Jährige. Stattdessen musste sie auf den Bus nach Hennigsdorf ausweichen, wie es von dort weitergeht, weiß sie nicht. „Und dabei habe ich keine Ahnung, was überhaupt passiert ist. Uns wird hier gar nichts mitgeteilt“, sagt sie.

So wie ihr geht es an diesem Montag vielen Reisenden. Seit über einer Stunde sitzen Judith Jost und ihre Kinder Katharina (9) und Simon (12) auf dem Bahnsteig und warten auf ihren ICE nach Limburg. Sie waren über das Wochenende zu Besuch in Potsdam, nun möchten sie nach Hause fahren. „Wir erhalten ständig neue Zeiten für die Verspätungen. Wann wir weiterfahren können, wissen wir nicht“, sagt die 37-jährige Schreinerin.

Für Julian Henning und Josephine Kirchner, beide 22, wird es durch die Verspätungen richtig eng. Die Studenten aus Spandau wollen zu ihrer Uni-Vorlesung nach Stendal. Seit 40 Minuten warten sie auf den Zug, wann es weitergeht, wissen auch sie nicht. Sehr ärgerlich sei das, sagt Josephine Kirchner, zumal niemand ihnen genauere Informationen gebe.

„Der Informationsfluss der Bahn ist nicht gut“, sagt auch Andrea Kindervater-Zimmermann. Die 45-Jährige will nach einem Besuch in Falkensee zurück nach Bielefeld, einen wichtigen Termin musste sie schon verschieben. „Die Verbindungen entfallen, und es wird keine Alternative angeboten“, sagt die Reiseverkehrskauffrau.

Auch am Berliner Hauptbahnhof sitzen Reisende am frühen Nachmittag fest, einige schon seit Stunden. Nervös wedelt Angelika Webley mit einer Zeitschrift. Die 47-jährige Krankenschwester saß im ICE aus Karlsruhe, als sie die Durchsage hörte. „Erst hieß es, dass es verschiedene Brandanschläge in Berlin gab. Dann, dass wir den Hauptbahnhof nicht anfahren können. Mir ist das Herz stehen geblieben“, sagt die Usedomerin. Unter den Mitreisenden habe sich Hilflosigkeit ausgebreitet, auch Angst. „Viele haben gleich an einen Terrorakt gedacht“, sagt Webley. Sie kritisiert, dass die Gestrandeten nicht versorgt werden. „Die Menschen werden hier einfach sitzen gelassen“, sagt auch Ursula Nierth. Die Rentnerin aus Halle wartet seit drei Stunden, doch ihr Zug nach Rostock ist noch immer nicht gekommen. „Ich habe Hunger und Durst, aber ich gehe hier nicht mehr weg“, sagt die 76-Jährige. „Sonst verpasse ich am Ende noch meinen Zug“.