Sanierung

Avus - Millionenbonus sorgt für zügige Arbeiten

Die Sanierungsarbeiten auf der Berliner Avus gehen offenbar zügiger voran als gedacht. Grund dafür ist die Aussicht der Bauunternehmer auf eine Prämie in Millionenhöhe. Das Geld kommt vom Bund.

Die Aussicht auf eine Geldprämie kann Wunder bewirken. Diese Alltagsweisheit bestätigt sich jetzt auch bei einem der wichtigsten Bauvorhaben in der Stadt, der Grundinstandsetzung der 90 Jahre alten Autobahn 115 (Avus). Eigentlich bis Ende 2013 geplant, könnten die Bauarbeiten an dem neun Kilometer langen Teilstück zwischen dem Autobahndreieck Funkturm und der Anschlussstelle Spanische Allee bereits deutlich früher abgeschlossen werden. „Aktuell haben wir einen Zeitgewinn von gut vier Monaten“, bestätigte Mattias Gille von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Kann das hohe Bautempo beibehalten werden, sei eine vollständige Freigabe der Autobahn durch den Grunewald bereits im Frühjahr 2013 denkbar. „Das hängt aber ganz stark vom Wetter ab. Kommt etwa ein langer, extrem kalter Winter dazwischen, kann der Vorsprung schnell wieder dahin sein“, warnte Gille.

Offenbar stark beflügelt wird die vom Senat beauftragte Firma, die Oevermann Verkehrswegebau GmbH, von einem in Aussicht gestellten Bonus. Wird das Bauunternehmen früher als geplant fertig, kann es über die Auftragssumme hinaus einen Zuschlag in Höhe von bis zu einer Million Euro kassieren. Die Maximalprämie winkt bei einem Zeitgewinn von mindestens einem halben Jahr, heißt es. Werde allerdings der vereinbarte Termin überzogen, müsse die Baufirma umgekehrt auch mit einem Strafabzug rechnen.

Diese Bonus-/Malus-Regelung ist im Autobahnbau in Deutschland nicht neu, wird aber in Berlin erstmals praktiziert. „Dafür gibt es keinen Automatismus, das muss extra beantragt werden“, so Gille. Denn das Geld kommt nicht aus der Senatskasse, sondern wird vom Bund bereitgestellt, der für den Bau und die Instandhaltung der Autobahnen zuständig ist. Die Sanierung der A115 ist im Bundesetat mit insgesamt 28 Millionen Euro veranschlagt. Der mögliche Bonus für die Baufirma käme da am Ende noch oben drauf.

„Wir haben gegenüber dem Bund auf die besonders hohe Bedeutung der Avus für den Verkehr in Berlin verwiesen“, so Gille. Der Abschnitt gehöre mit täglich bis zu 90000 Pkw und 4500 Lkw schließlich zu den am stärksten befahrenen Autobahnen in ganz Deutschland. Der volkswirtschaftliche Nutzen sei bei einem vorzeitigen Ende der Bauarbeiten höher als die Zusatzausgabe, so die schließlich erfolgreiche Argumentation des Senats.

Ein gutes Geschäft

Auch für die Baufirmen kann die Bonus-Regelung ein gutes Geschäft sein. Zwar müssen sie möglicherweise während der Zeit andere lukrative Aufträge ablehnen, weil sie ihre Kapazitäten auf ein Projekt konzentrieren. Doch könnten diese Einnahmeausfälle durch den Bonus ausgeglichen oder sogar übertroffen werden. Und wird die Firma schneller fertig, kann sie eher neue Aufträge annehmen.

Eine Übernahme der Bonus-Regelung für die oft langwierigen Bauarbeiten, die von Senat und Bezirken in Auftrag gegeben werden, ist für Gille „eine Überlegung wert“. Derzeit sei dies aber nicht möglich. Der Senat will vor allem mit einem besseren Baustellen-Management die Sperrzeiten im Berliner Straßennetz verkürzen.

Der erste Bauabschnitt der Avus-Sanierung kann laut der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nun bereits im November abgeschlossen werden. Dabei erhält die stadteinwärts führende Fahrbahn zwischen Spanische Allee und Hüttenweg einen neuen Unterbau und einen neuen Belag. Die Behinderungen für die Autofahrer auf der Avus werden dadurch allerdings nicht weniger. Denn nun beginnen die Vorarbeiten für den zweiten Bauabschnitt, bei dem die stadteinwärts führende Fahrbahn zwischen der Anschlussstelle Hüttenweg und dem Dreieck Funkturm erneuert wird. Die Vorbereitungen dafür beginnen am heutigen Montag. Gearbeitet wird bis 20.Oktober jeweils abends und in der Nacht von 20 Uhr bis 5 Uhr früh.

Dabei sollen unter anderem die Lichtmasten im Mittelstreifen demontiert, Leitplanken entfernt und Überfahrten asphaltiert werden. Die angrenzenden Bereiche werden in dieser Zeit gesperrt, so dass den Autos statt drei nur jeweils zwei Fahrspuren pro Richtung zur Verfügung stehen. Vom 17. bis 20. Oktober werden zudem Fahrbahnteiler vor dem Dreieck Funkturm abgebaut. Dann steht in Fahrtrichtung Nord (Abzweig Hamburg) nur ein Fahrsteifen zur Verfügung.

Die Avus wird in den nächsten Tagen allerdings nicht die einzige Autobahn-Baustelle sein. So sind auch auf der A111 und A113 Bautrupps unterwegs. Auf dem Hamburg-Zubringer A111 lässt der brandenburgische Landesbetrieb Straßenwesen ab Montag die Fahrbahn auf sechs Kilometer Länge erneuern. Bis 9.November steht dort zeitweise nur ein Fahrstreifen zur Verfügung, Zu Staus kann es auch auf dem Schönefeld-Zubringer A113 kommen. Die Autobahn wird in den kommenden zwei Nächten jeweils von 21 Uhr bis 5Uhr zwischen den Anschlussstellen Adlershof und Schönefeld Nord wegen Tunnel-Revisionen halbseitig voll gesperrt.